Technik statt Kunst |
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| Kommt das neue Guernica? | |
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| Wer viel fragt, bekommt auch viele Antworten, und leider ist
bisweilen ein "Nein" dabei. So erging es der RUB-Verwaltung, als
sie sich an die Verwertungsgesellschaft (VG) Bild - Kunst wandte und nachfragte,
ob man das Picassobild "La Guernica" auf dem Campus nachmalen
dürfe. Die mit Urheberrechten befasste Gesellschaft fragte bei Picassos
Nachlassverwaltern nach und erhielt dort die abschlägige Antwort: Nachmalen
verboten! Da hatten es sich anno 1984 Medizinstudierende der RUB einfacher gemacht, als sie das 8,10 x 3,60 m große Anti-Kriegs-Bild ohne Nachfragen auf eine Seitenwand des MA-Gebäudes brachten. Dort blieb es, bis es im September 1998 einer umstrittenen Ladenzeile weichen musste. Horst Markart, seinerzeit Leiter der Hausverwaltung, hatte das Bild als "nicht erhaltenswert" eingestuft (RUBENS 37). Der anschließende studentische Protest gegen die Kunstvernichtung läutete ein Umdenken in der Verwaltung ein. Er mündete in einen - letztlich positiv beschiedenen - Senatsantrag auf Wiederherstellung des ursprünglichen Bildes. Das war jedoch nicht mehr möglich. Deshalb sollte die Picasso-Kopie neu gemalt werden: direkt auf eine noch zu errichtende Mauer neben dem Eingang zur UB. Die bauliche bzw. künstlerische Planung wurde Johannes Schevel (Leiter Dezernat 5, Technischer Hochschulbetrieb) und Kai-Uwe Hemken (Kunstgeschichtliches Institut) übertragen. Schnell fand man einen professionellen Maler, der die Gestaltung übernehmen wollte und extra nach Spanien flog, um Picassos Meisterwerk zu studieren. Parallel dazu brachten Juristen in der RUB-Verwaltung das Urheberrecht zur Sprache: Darf man das Bild einfach so nachmalen? Nein, lautete die Antwort, als staatliche Einrichtung ist man verpflichtet, vorher zu fragen. Und siehe da: Man darf nicht. Zumindest nicht malen, so jedenfalls wurde die Antwort der VG interpretiert. Längst war aus dem Plan, ein Bild zu malen, ein Vorgang geworden, der einen dicken Aktenordner füllte: mit Briefen, Kostenvoranschlägen, Angeboten, Zeichnungen, Fotos usw. Der Ordner sollte sich weiter füllen. Denn das neue Guernica sollte trotz der Probleme mit dem Urheberrecht weiterhin her - wenn nicht gemalt, so doch gedruckt. Dieses Schlupfloch hatte man entdeckt. Erst theoretisch, nach einer weiteren Anfrage bei der VG Bild - Kunst auch praktisch: Ja, es darf reproduziert werden. Doch worauf? Das war die nächste Frage, mit der sich die Guernica-Planer Hemken und Schevel zu beschäftigen hatten. Da der Druck draußen stehen würde, schied Papier aus. Direkt aufs Mauerwerk konnte auch nicht gedruckt werden. Also begab man sich auf die Suche nach Alternativen und landete bei einer holländischen Firma, die auf professionelle Bildtechniken spezialisiert ist und auch gleich zwei Vorschläge unterbreitete: Druck auf spezieller Folie (die vor die Wand gespannt wird) oder auf Aluminiumplatten (die an der Wand befestigt werden). Witterungsbeständig dürfte beides sein. Allerdings kann die Folie zerschnitten werden; am Aluminium stört, dass mehrere Platten aneinander montiert werden müssten und die entsprechenden Nähte oder Fugen "den künstlerischen Gesamteindruck beeinträchtigen könnten", wie Schevel sagt. Trotzdem werden beide Möglichkeiten weiter verfolgt. Zusammen mit Mitgliedern der mittlerweile vom Senat berufenen Kommission "Gedenken an der RUB" wollen sich Hemken und Schevel demnächst in Utrecht eine Reproduktion auf Großfolie anschauen. Sobald ein Angebot für den Druck auf Aluminium vorliegt, wird auch hier ein entsprechendes Beispiel besichtigt werden. Die Verwaltung ist also bemüht und lässt sich die Angelegenheit einiges kosten: Die neue Wand vor der UB (geplanter Baubeginn: Anfang 2002) ist mit 45.000 Mark veranschlagt. Der Druck kostet mindestens weitere 23.000 Mark. Hinzu kommen Kosten für das Recht zur Reproduktion und für eine reproduzierbare Vorlage. 70.000 Mark kommen schnell zusammen. Offen bleibt allerdings, ob sich der finanzielle Einsatz lohnt, denn: Kann eine technische Reproduktion (die womöglich an Werbeplakate erinnert) tatsächlich ein gemaltes, künstlerisches Bild ersetzen? Wie gesagt: Die Medizinstudierenden der RUB hatten es sich seinerzeit einfacher gemacht, aber ihr Vorgehen war ja leider illegal. ad |
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| 02.01.2002 |