"Transfer"
   
  Editorial
 
  Wussten Sie, dass der vor wenigen Tagen für die Öffentlichkeit wieder eröffnete schiefe Turm von Pisa von einer Bochumer Firma (Jessberger und Partner) saniert worden ist? Dass das Duisburger Fraunhofer Institut total vernetzte Häuser entwickelt? Dass Professoren der FH Gelsenkirchen "den intelligenten Müllsack" mit integriertem Chip entwickelt haben? Dass Ur- und Frühhistoriker der RUB einen prachtvollen Luftbildatlas und ein umfassendes Handbuch zur Luftbildarchäologie Chinas vorgelegt haben? Oder dass im 1985 gegründeten Dortmunder Technologiezentrum jährlich ca. 1.200 bis 1.500 Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung entstehen? ...
Normalerweise ist dies nicht der Ort für Rezensionen - als solche sind auch diese Zeilen nicht gedacht. Es gilt vielmehr etwas Positives, ja längst Überfälliges anzuzeigen: Der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) hat - endlich möchte man meinen - die Wissenschaft entdeckt. Die o. g. Themen und noch viel mehr verbreitet die kurz vor Jahresende 2001 erschienene "Null-Nummer" einer neuen Zeitschrift: "Transfer - Wissenschaft im Ruhrgebiet".
Nun könnte man mit guter Berechtigung fragen: Wer braucht denn überhaupt eine neue Zeitschrift, um Wissenschaft zu popularisieren? Schließlich gibt fast jede Universität ein Wissenschaftsmagazin heraus, fast alle lokalen, regionalen und nationalen Tageszeitungen haben mehr oder weniger spezielle Wissenschaftsseiten, ebenso die Wochen- und Monatsmagazine, special-interest Hefte gibt es für fast alle Themenbereiche und sogar die kommerziellen Fernsehanstalten haben in den letzten Jahren Wissenschaftsshows als Verkaufsthema für sich entdeckt ... und nun der KVR?
Lange genug hat er sich nach seiner Kastration 1975 vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) zum KVR mit sich selbst, seiner eigenen Rettung oder der schwierigen Strukturpolitik im Ruhrgebiet befasst, hat mehr oder weniger erfolgreiche Öffentlichkeitskampagnen betrieben ("Ein starkes Stück Deutschland", "Der Pott kocht") oder drohte im Spannungsfeld von Landesregierung, Regierungsbezirken und den auf ihre Kirchturmspolitik bezogenen Kreisfreien Städte des Ruhrgebiets zerrieben zu werden und schien die Ruhrstadtdiskussion zu verpassen.
Nun will er mit "Transfer" zweimonatlich spannende Inhalte aus der "Wissenschaftslandschaft Ruhrgebiet" vermitteln, eine "Plattform" schaffen, "Innovationsimpulse fördern" und "identitätsstärkend auf den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Ruhr auswirken". Große Worte! Und dennoch braucht das Ruhrgebiet - diese besonders verspätete Region in einer verspäteten Nation - eine "neue Stimme für die Wissenschaft" - so sie ihre Leser erreicht. Glückauf! jk
   
   
   
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02.01.2002