Spurensuche in der Westukraine |
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| Bochumer Studierende unterwegs | |
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| Da hatten sie mühselig Vokabeln und Landeskunde gepaukt
und nun das! Unwirsch herrschte eine verhärmte Frau auf Ukrainisch
die Fremden im Hausflur des Gesundheitsamtes an: Nein, die Toiletten dürften
sie hier nicht benutzen und sie sollten doch lieber "dort bleiben,
wo sie herkämen". Die Frau meinte Russland, nicht Deutschland.
Hatten die Bochumer Slawistikstudierenden in der Aufregung "Surjek"
gesprochen wie die meisten Ukrainer: Russisch mit ukrainischer Semantik,
also Kauderwelsch? Mit einer Einladung vom Kiewer Institut für politische und ethnonationale Studien der Akademie der Wissenschaften in der Tasche, waren fünf Slawistikstudierende vom Bochumer Hauptbahnhof über Polen in die Westukraine bis ans Schwarze Meer gestartet. Ziel ihrer Studienreise war, so die wissenschaftliche Betreuerin Dr. Magda Telus (Ukrainistikgruppe der RUB), "nach einem Jahrzehnt staatlicher Unabhängigkeit die gesellschaftliche Entwicklung des Landes zu ermitteln." Zum Beispiel in Lviv (Lemberg): Ermattet von den Gesprächen in den Redaktionsräumen der Kulturzeitschrift "Ji" über die unzureichend ukrainisierten, immer noch russifizierten Massenmedien und vom oben geschilderten Toilettenstreit sinkt die Reisegruppe ins einladend saftige Gras des galizischen Volkskunde-Freilichtmuseums. Das wiederum missfällt einer Einheimischen. "Das schickt sich nicht", ruft sie überm Gartenzaun den Rastenden zu, "nur Besoffene liegen so am Wegesrand!" Das Sammeln interkultureller Erfahrungen verläuft bisweilen enttäuschend ... Enttäuscht sind auch viele Intellektuelle des Landes, so Gastgeber Dr. Jurij Schapowal (Akademie der Wissenschaften): "Die alten kommunistischen Eliten sind noch da, sie benutzen nur neue nationale Mythen", sagt er resigniert. Der Geschichtswissenschaftler Dr. Jaroslav Hrycak (Uni Lemberg) klingt optimistischer: "Es gibt eine multikulturelle Geschichte der Ukraine, die Klassengeschichte ist vorbei, heute zählt die Nationalgeschichte." Dass die im friedlichen Miteinander verlaufen kann, wird den Reisenden beim geführten Stadtrundgang durch Cernivcy (Tschernowitz) deutlich: Lange Zeit lebten hier Juden, Rumänen, Karpatendeutsche und Österreicher problemlos zusammen. Die Nachtfahrt hat die Fünf durstig gemacht; staubig und mit vom Wodka und Singen trockenen Kehlen stehen sie in Odessa vor dem Bayerischen Haus. "Kaugummikauend Eintritt verboten", erläutert ein strenges Eingangsschild das korrekte Verhalten. Ansonsten haben eher die Schwarzmeerdeutschen der Umgebung Probleme mit den modernen Ideen aus Bayern, die den Deutschen eine kulturelle Heimat mit beruflichen Perspektive bieten wollen. Dazu der Unternehmensberater des Hauses, Karl Walter: "Die deutsche Minderheit grenzt sich ab. Aber sie wandert nicht mehr zwangsläufig aus. Wir setzen jetzt auf Wissenstransfer, trainieren odessitische Unternehmer und Professoren im Finanzmanagement und die hiesige Verwaltung in Projektmanagement." Zum guten Schluss befindet Walter: "Der alte Apparatschik hat ausgedient." Thea A. Struchtemeier Ukrainistikgruppe |
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Zusätzliche Infos zur Ukraine
Ukraine (Ukrajina)
- Daten & Fakten Ukraine - Buchtipp Ukraine - Bildung Ukraine - Praktikum Porträts von
Ukrainern Lesja Iwanowa, Redakteurin
in der Pressestelle der Taras-Sevtschenko-Universität, (Kiew): "Die
Hochschulzeitung für unsere 20.000 Studierenden und 2.000 Mitarbeiter/innen
heißt Kyiever Universität', der Druck ist blau auf weiß.
Unsere gesellschaftlichen Korrespondenten, wie wir sie nennen, sind Enthusiasten
aus allen Fakultäten. Gemeinsam mit fünf Kollegen produzieren
wir Artikel aus Erziehung, Forschung, Lehre und Verwaltung. Unser Chefredakteur
Alexandr Ponomariw ist Professor der Journalistik, meine Kollegin Larissa
Kit redigiert. Unsere Zeitung erscheint nur einmal monatlich mit einer
Auflage von 1.200 Stück, ohne Anzeigen, und Papier ist leider teuer.
Ich freue mich über Ihren Besuch!" |
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| 01.12.2001 |