Der doppelte Professor
   
  Eberhard Curio forscht an der RUB und auf den Philippinen
 
  Im Büro von Prof. Eberhard Curio türmen sich die Papiere, er schaut geschäftig hinter einem Aktenstapel hervor. "So ein Doppelleben zwischen zwei Kontinenten will eben gut organisiert sein", erklärt er. Den dafür notwendigen Papierkrieg führt Curio eher leidenschaftslos, seine Begeisterung gilt der Wissenschaft. Der Bochumer Verhaltensbiologie erforscht das Sozialverhalten von Vögeln und sucht Antworten auf u. a. folgende Fragen: Wie teilen sich Elternpaare die Brutpflege?, Wie erkennen Männchen, dass sie womöglich fremde Kinder großziehen?
Zwei bis dreimal im Jahr lebt und arbeitet Prof. Curio mindestens zwei Monate lang auf den Philippinen. Seit 1996 betreut er dort das Projekt "Philippine Endemic Species Conservation Project" (PESCP). Sein Ziel ist, artenschutzorientierte Grundlagenforschung zu betreiben, Artenschutz und Artenmanagement voranzubringen - z. B. durch Jagdbekämpfung und Nestbewachung - und bedrohte Vögel zu züchten und auszuwildern. 1997 initiierte Curio dazu auf der Insel Central Panay mit finanzieller Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und anderer Sponsoring-Partner den Bau einer Forschungsstation. "Geld ist immer Mangelware. Um die Forschungsstation am Laufen zu halten, muss ich ständig die nötigen Mittel einwerben, das ist ganz schön viel Arbeit", sagt Curio und blickt vielsagend auf die eingangs zitierten Papierberge.
Seit kurzem ist Prof. Curio darüber hinaus erster Inhaber des EU-Chair für Biodiversität in Südostasien; der Chair stützt sich auf die Infrastruktur des PESCP. Curios (durchaus Papier verschlingende) Aufgabe besteht darin, Leute einzustellen, Doktorand/innen zu betreuen, Bericht zu erstatten, Geld abzurechnen und die Infrastruktur zu verbessern. Außerdem hält er Vorträge an den Universitäten in Dumaguete (Süd Negros) und Los Baños (Luzon).
"Die philippinischen Inseln sind ‚Hot Spots' der Biodiversität", erläutert Curio. "Dort gibt es pro Quadratkilometer mehr einzigartige Pflanzen- und Tierarten als irgendwo sonst auf der Welt. Zudem ist die Bedrohung der Natur durch die Menschen enorm." Durch Brandrodung ist der Waldbestand von ehemals fast 100 % stellenweise bis auf 4 % geschrumpft, Pflanzen- und Tierarten sterben aus. Bei den Einwohnern ist Naturschutz nicht sehr populär. Curio und seine Mitarbeiter/innen wollen daher den Philippinos alternative Einkommensquellen erschließen und ihr Bewusstsein für den Naturschutz schärfen. Sie unterstützen z. B. den Anbau von Tigergras, aus dem Besen werden können, und stellen Geld für die Initialzündung von umweltfreundlichen Unternehmen zur Verfügung. Außerdem wollen die Projektmitarbeiter/innen in den Pufferzonen zwischen verbliebenem Naturwald und gerodeten Flächen Bäume pflanzen, die dem Restwald nicht schaden und den Menschen weitere Einkommensquellen bieten.
Hilfe bei seinen Projekten kann Prof. Curio übrigens gut gebrauchen: Tropentaugliche Biolog/innen und Soziolog/innen können sich bei ihm melden (E-Mail: eberhard.curio@ruhr-uni-bochum.de). md
   
   
   
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01.12.2001