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In einer neuen Serie möchte RUBENS zusammen mit
dem Akademischen Auslandsamt die Partneruniversitäten der RUB vorstellen.
Aus aktuellem Anlass beginnen wir mit der Universität in Breslau.
Mit einer Jesuiten-Akademie an der Oder fing alles an: Im November 1702
gründete Leopold I, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher
Nation, die "Leopoldina" in Breslau mit zwei Fakultäten
- Philosophie und Theologie. Das Datum gilt heute als offizielle Geburtsstunde
der Uni Breslau. Im nächsten Jahr wird die
Hochschule somit ihr 300-jähriges Jubiläum feiern.
Die RUB stiftet aus diesem Anlass 20.000 Mark, um den Aufenthalt Breslauer
Dozenten in Bochum zu unterstützen: Die Uni Breslau vergibt nach
einer internen Auswahl zwei Stipendien in Höhe von 10.000 Mark an
je einen Wissenschaftler aus den Geistes- und Naturwissenschaften. Zudem
erhält die polnische Hochschule auf Initiative der RUB 150.000 Mark
von der Essener Krupp-Stiftung. Damit wird die Partneruniversität
der RUB ihre Haupteingangshalle bis Juni 2002 restaurieren. Am 15. November
2002 wird sie mit einem Festakt ihr Jubiläum feiern, daran nimmt
auch der Präsident Polens, Alexander Kwasniewski, teil.
Ursprünglich sollte die Hochschule an der Oder schon früher
entstehen: Wladislaw II (1456-1516), König von Böhmen (seit
1471) und Ungarn (seit 1490), unterzeichnete bereits 1505 den Gründungsakt
einer Universität im heutigen Breslau. Durch zahlreiche Kriege zu
jener Zeit, insbesondere aber aufgrund des Widerstands der Universität
Krakau gegen dieses Vorhaben, konnte sie jedoch nicht errichtet werden.
Der Habsburger Kaiser Leopold I (den die Wiener "Türkenpoldl"
nannten, weil in seiner Regierungszeit das Haus Österreich durch
die Siege gegen die Türken zur europäischen Großmacht
wurde) gründete 200 Jahre später die Jesuiten-Akademie. Am 15.
November 1702 nahm sie den Lehrbetrieb auf. Den Status einer Universität
erhielt sie jedoch erst im August 1811, als die Universität Viadrina
(Frankfurt an der Oder) aufgrund eines Edikts des Preußischen Königs
Friedrich Wilhelm III (1770-1840) vorübergehend nach Breslau verlagert
wurde. Damit erweiterte sich das Fächerspektrum um Medizin und Rechtswissenschaft,
die Hochschule hieß nun Universitas litterarum Vratislaviensis.
Heute umfasst das Lehrangebot der Uni acht Fakultäten:
Philologie; Pädagogik und Geschichte; Recht, Verwaltung
und Wirtschaft; Sozialwissenschaft; Physik und Astronomie; Naturwissenschaft
(Natural Sciences); Chemie; Mathematik und Informatik. Die Fakultät
für Medizin ging 1950 in einer medizinischen Akademie in Breslau
auf.
Das Hauptgebäude der Uni liegt direkt am Ufer der Oder inmitten der
Altstadt von Breslau; die Unigebäude haben deshalb 1997 schwer unter
dem Oderhochwasser gelitten (RUBENS
28). Derzeit sind an der Uni 41.000 Studierende eingeschrieben. Die
Stadt Breslau, im 10. Jahrhundert gegründet, hat heute 643.000 Einwohner.
Der Partnerschaftsvertrag zwischen den Unis Bochum
und Breslau wurde am 8. Juli 1988 unterzeichnet. Im Austausch
der Wissenschaftler und Studierenden beider Hochschulen vergibt die RUB
jährlich ein Stipendium nach Breslau; im Gegenzug bietet Breslau
Studierenden der RUB jährlich zwei Freiplätze im Sommersprachkurs
an. Zudem ermöglicht das Sokrates-Programm der EU einen regelmäßigen
Austausch von Studierenden, etwa in philologischen Fächern sowie
in Biologie und Biochemie. jw
Infos: www.uni.wroc.pl/
(alle Seiten auch auf Englisch), www.uv.ruhr-uni-bochum.de/Auslandsamt/
(Sokrates-Programm)
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