| Institutionelle Autonomie | |
| Editorial | |
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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die von Afghanistan und Vertrauensfrage beherrscht wurde, beschloss der Bundestag am 9.11. eine Dienstrechtsreform für die Hochschulen: Professoren können künftig ihr abgesenktes Fixgehalt durch variable Leistungszulagen aufbessern, wenn sie zusätzliche Funktionen übernehmen und/oder ihre Leistungen in Lehre, Forschung und Service verbessern. Das Gesetz führt zugleich Juniorprofessuren ein und begräbt in zehn Jahren die Habilitation. Wenige Tage zuvor diskutierte die Hochschulrektorenkonferenz wieder einmal über Studiengebühren, welche die Hochschulen individuell festlegen sollen. Die Diskussion wurde vom Sperrfeuer der beiden SPD-Wissenschaftsminister Gabriele Behler und Jürgen Zöllner überschattet. Sie verkündeten laut und deutlich die Absicht, in NRW und Rheinland-Pfalz zum Sommersemester 2004 Studienkonten einzuführen. Damit wollen sie die Hochschulfinanzen umkrempeln; die werden dann - vereinfacht gesagt - von der Chipkarte der Studierenden abhängen. Nicht ganz so laut drang in die Öffentlichkeit, dass Wissenschaftsrat und Centrum für Hochschulentwicklung versuchen, ein Relikt der 70er-Jahre sturmreif zu schießen: die Kapazitätsverordnung, mit der das Verhältnis Lehrende/Studierende sehr restriktiv geregelt wird. Ebenfalls im November berichtete der Vorsitzende des Verfassungsausschusses im Senat der RUB über die Anpassung der Verfassung an das Hochschulgesetz vom April 2000 - mit schwachem Senat, starkem Rektor und starken Dekanen/Dekanaten. Diese Umbruchphase hat kürzlich in der RUB die Grazer Vizerektorin Prof. Adda Pellert beleuchtet: Aus nachgeordneten staatlichen Institutionen entstehen zurzeit autonome Institutionen. Dabei erleben sie Kulturbrüche und Konflikte auf vielen Ebenen: auf der von Wissenschaft und Verwaltung, von Fremd- und Selbstkontrolle, von Stabilität und Wandel. Professoren müssen wie Manager agieren, Verwaltungsbeamte strategisch denken lernen, Studierende neue Berufe ersinnen und die Wirtschaft die Hochschulen mitgestalten. Pellerts Quintessenz: Wir müssen weg vom hohen Maß individueller Autonomie - hin zu institutioneller Autonomie. Einiges ist in der RUB schon angestoßen: Sie ist Spitze bei der Einführung gestufter Studiengänge, hat bereits 31 Juniorprofessuren beantragt, schließt Zielvereinbarungen mit dem Ministerium, steuert mit diesem Instrument auch nach innen, und Verwaltungsmitarbeiter beginnen die Diskussion über ein Leitbild. Trotz allem: Es liegt noch ein weiter und dorniger Weg vor uns, bis die Mitglieder der RUB ihr hohes Maß an individueller zugunsten der institutionellen Autonomie aufgegeben haben werden und selbstbewusst die gemeinsamen Ziele der RUB kommunizieren und vorleben. jk |
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| 01.12.2001 |