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Beginn der Vorlesungszeit: Etwa 4.500 Erstsemester
strömen auf den Campus und nach der offiziellen Begrüßung
empfangen alle Studiengänge ihre Neuen. Alle? Nein, die Publizistik-
und Kommunikationswissenschaftler etwa durften in diesem Semester erstmals
keine Studienanfänger aufnehmen. Jens Wylkop sprach am Tag X mit
Svenja Esch (24), Doris Zabrocki (24) und Thilo Machotta (25), Mitglieder
des Fachschaftsrates Publizistik.
RUBENS: Wie fühlt ihr euch ohne Erstsemester?
Zabrocki: Einsam und nutzlos.
Machotta: Irgendwie komisch. Ich bin gerade mit Horden von Erstis
von der U-Bahn hierher gekommen, überall laufen und stehen Leute,
aber keiner will zu uns.
Esch: Da es keine Überraschung ist, ist es auch nicht ganz
so schlimm. Wir konnten uns ja auf diese Situation einstellen.
RUBENS: Ihr musstet euer Programm sicherlich
ändern. Was ist in diesem Semester geplant?
Machotta: Bestimmte Termine fallen natürlich aus, z. B.
das Erstsemesterfrühstück oder unsere traditionelle Kneipentour.
Esch: Die größten Auswirkungen ergeben sich aber für
das Tutorium.
RUBENS: Es gibt noch ein Tutorium bei euch?
Esch: Ja, die Bewilligung der Stellen lief parallel zum Spruch
des Expertenrats. Dass der Studiengang eingestellt wird und wir keine
Erstis mehr bekommen, stand zu jenem Zeitpunkt noch nicht fest.
RUBENS: Und was bietet ihr jetzt an?
Esch: Das Tutorium ist ja prinzipiell für alle Studierenden
offen. Wir wenden uns hauptsächlich an die Drittsemester und bieten
ihnen u. a. einen Rhetorikkurs sowie Veranstaltungen über Praktika
und Berufsorientierung.
RUBENS: Wie sieht die Zukunft aus? Ab dem
WS 02/03 wird es den neuen Studiengang Medienwissenschaft geben ...
Machotta: ... "Interdisziplinäre Medienwissenschaft"
wird das vermutlich heißen: ein gemeinsamer Studiengang von Film-
und Fernsehwissenschaft (FFW) und Publizistik, der Elemente beider Fächer
möglichst eng verflechten soll. In den Semesterferien fanden regelmäßig
Planungstreffen statt. Die Lehrenden der beteiligten Fächer sind
sich bereits einig. Das Rahmenkonzept steht und muss im Wintersemester
noch schnell durch die Gremien, damit wir im Januar einen NC beantragen
können.
RUBENS: Aber neue Studienfächer dürfen
nicht mit einem NC starten.
Esch: Der Trickgriff ist, dass der Studiengang rückwirkend
bewilligt wird. Dadurch entfällt faktisch die einjährige Probephase
ohne NC.
Zabrocki: Wir brauchen den NC auf jeden Fall, denn sonst würden
die Erstsemester uns überrennen. Allein die Publizistik hatte bisher
etwa 2.000 Bewerber auf rund 80 Studienplätze im Haupt- und Nebenfach.
Wir tun niemandem einen Gefallen, wenn wir das neue Angebot im ersten
Jahr für alle öffnen, denn die Studienbedingungen wären
unzumutbar.
RUBENS: Was erwartet ihr von dem neuen Studiengang?
Machotta: In bestimmten Bereichen kann die Kombination aus beiden
Fächern neue Zugänge eröffnen: Wenn FFWler z. B. Fernsehnachrichten
analysieren, beschäftigen sie sich mit der Farbe, der Musik oder
den Einspielern. Wir Publizisten arbeiten eher mit der Nachrichtenwert-Theorie,
befragen die Macher oder analysieren den Inhalt. Die nüchterne Sozialwissenschaft
und die ästhetische Herangehensweise können sich sinnvoll ergänzen.
RUBENS: Dann wird es auch einen gemeinsamen Fachschaftsrat geben.
Auf welchem Stand sind die Planungen?
Esch: Der neue FR wird sich aus den beiden bisherigen Fachschaftsräten
zusammensetzen. Wir wissen aber noch nicht genau, wie das konkret ablaufen
wird.
Machotta: Die Fachschaftsräte gibt es jedoch praktisch nicht
mehr, weil wir nur noch aus wenigen Leuten bestehen, die so gut wie fertig
sind mit ihrem Studium.
Zabrocki: Das größte Problem ist, dass wir keinen Nachwuchs
haben: ohne Leute kein Fachschaftsrat! Gerade jetzt können wir Studierenden
noch entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Spätestens,
wenn der Studiengang startet, muss jemand die Erstis beraten und betreuen.
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