| Weit hergeholt: Logos - Logo | |
| Editorial | |
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En arch hn o logos - "Im Anfang war das Wort" lautet der Eingangssatz des Johannes-Evangeliums. Bedeutungsschwer geht er weiter: "... und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort". Martin Luther fiel es noch leicht, den griechischen Ausdruck "logos" mit "Wort" zu übersetzen. Bis aber "logos" zum Wort Gottes mutieren und schließlich mit der göttlichen Weisheit, gar seiner Schöpfung gleichgesetzt werden konnte, hatte das Wort eine bereits gut 700 Jahre, bis Luther sogar eine 2.200 Jahre währende Entwicklung hinter sich. Für die Griechen war "logos" je nach Kontext Aufzählung, Berechnung, Rechenschaft, Rechtfertigung, auch Erklärung, Vernunft, Denken, Wort und Ausdruck. Sie brachten mit ihm den Zusammenhang von Denken und Sprechen zum Ausdruck und unterschieden davon Mythos und bloße Meinung (doxa). Platon z. B. lobte die Redefreude (philológoi). Er verwarf aber den monológos; sein philosophischer Weg zur Wahrheit war der dialógos, woraus sich später die Dialektik ableitete. Für Aristoteles war der Mensch das mit logos begabte Wesen; die stoische Philosophie Zenons formulierte sogar als Ziel, mit dem logos in Übereinstimmung zu leben, bevor Philon von Alexandria dann den Begriff mit göttliche Weisheit gleichsetzte. Dass nur 300 Jahre nach Luther Goethe Schwierigkeiten hat, "logos" mit "Wort" zu übersetzen, lehrt uns ein Blick in Fausts Studierzimmer. Faust: "...'Im Anfang war das Wort!'/Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?/ Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,/ Ich muss es anders übersetzen ...". und er landet wenige Verse weiter, nach Versuchen mit "Sinn" und "Kraft", bei "Tat" - worauf der Pudel laut aufheult und bellt. Na ja, vom "Pudels Kern" war nur ein kleiner Schritt zum Pakt mit dem Teufel. Und nun? Wiederum 200 Jahre weiter fortgeschritten - oder, pardon, im globalen Kapitalismus degeneriert - wie übersetzen wir heute "logos"? Gar nicht! Wir nehmen ihm nur das End-"s" weg und wechseln vom Präteritum ins Präsens. "Im Anfang ist das logo"! Doch doch, das geht! Ein kleiner Beweis gefällig? Was nehmen wir als erstes wahr auf der Homepage des Zentrums für Lehrerbildung? Richtig, die drei übereinander gestapelten Flügel, als sollten demnächst Lehrer künftig abheben können! Und beim Projekt des Studienbüros "Brücke zum Studium"? Richtig: Ein Mensch im Salto rückwärts schlägt eine Brücke! Bei KoBra, unserer Koordinierungsstelle für den Berufseinstieg? Nein, nicht das Auge Gottes, aber doch angedeutet ein freundlicher Blick! Und was steht nun, im Anfang der neuen Stabstelle "pro personal"? Klaro: ihr Logo!, bezeichnender Weise eine Ansammlung Spielfiguren wie wir sie aus "Halma" oder "Mensch ärgere dich nicht" kennen. Kein Wunder also bei der Konkurrenz, dass es unsere beiden alten Griechen, Prometheus und Epimetheus, so schwer im Siegel der RUB haben. jk |
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| 02.11.2001 |