Abschied von Tagrid Yousef
   
  Erste "Zwergenmutter" geht
 
  Bei Dr. Tagrid Yousef herrscht Aufbruchstimmung. Nach 15 Jahren sind ihre Tage in Bochum gezählt. "An der Uni sah ich für mich keine Perspektive", so die promovierte Biologin, die bei Prof. Ulf Eysel zum Sehsystem forschte. Ihr Wissen gibt sie nun am Düsseldorfer Albrecht-Dürer-Berufskolleg an angehende Augenoptiker/innen weiter, die sie in Anatomie und Physik unterrichtet. Yousef: "Im Lehrbereich außerhalb der Uni habe ich bessere Aufstiegschancen. Auch ist dort der Job mit der Familie besser vereinbar." Die 34-jährige Mutter von zwei Töchtern muss es wissen: 1998 begründete sie aus der Not heraus die Eltern- und Kurzzeitbetreuungsinitiative "Bochumer Uni-Zwerge" mit und erhielt dafür stellvertretend den Lore-Agnes-Preis der RUB; bei den sozialdemokratischen Frauen ASF stellte sie die Bezirksvorsitzende Süd.
Die geborene Palästinenserin aus dem Westjordanland verlässt Bochum und die RUB mit einem weinenden Auge: "Die Uni und die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen. Ich hatte mich an diesem Ort sehr engagiert." Mit dem Engagement wird aber auch in naher Zukunft nicht Schluss sein: Denn auch am neuen Duisburger Wohnort, wo Ehemann Samir ebenso Lehrer ist, gibt es Kindergärten: "Die warten dort schon sehr gespannt auf mich und meine dreijährige Samira", gibt die Ziehende zu. "Allah jusahel aleiki" - "Gott begleite deinen Weg mit guten Wünschen" - das rief die Mutter der jungen Tagrid nach, als sie für immer ihr Haus verließ. Und das sagen wir ihr auch heute. Thea A. Struchtemeier
   
   
   
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01.10.2001