| Genetik zum Anfassen | |
| Schülerkongress an der RUB | |
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| Kein Interesse an Biologie oder Biochemie, das unterstellt
man Schüler/innen oft. Auf dem Schülerkongress "Der genetische
Fingerabdruck" (10.-12.9.) machte sich diese Ablehnung nicht bemerkbar:
Die Experimentierkurse an der RUB, die vom "Gläsernen Labor Berlin"
sowie den Firmen Bio-Rad Laboratories und Roche Diagnostics angeboten wurden,
waren lange vor Kongressbeginn ausgebucht. Insgesamt hatten sich mehr als
1.700 Oberstufenschüler/innen aus 70 Schulen der Region zum Kongress
angemeldet. Neben den Kursen gab es Vorträge, in denen auch Wissenschaftler/innen
der RUB Hintergründe und Aktuelles zur Gentechnik erläuterten.
Der Kongress fand zeitgleich mit der Herbsttagung der Gesellschaft für
Biochemie und Molekularbiologie (GBM) statt. Hier hielt u.a. Nobelpreisträgerin
Christiane Nüsslein-Volhard, deren Arbeiten Grundlagen der Erforschung
des menschlichen Genoms sind, einen Vortrag. Eine für den 11.9. geplante
Podiumsdiskussion zu "Stammzellen" fiel angesichts der Terroranschläge
in den USA aus. "Schneidet die Nektarine einfach klein, es kommt nicht auf geometrische Formen an." Das ist keine Anleitung für einen Obstsalat, sondern Schritt eins, wenn man die DNA der Frucht isolieren will - wie es die in NC experimentierenden Schüler/innen versuchten. Dr. Christian Unger, Mitarbeiter des Gläsernen Labors und Leiter des "Nektarinen-Versuchs", überbrückte die Zeit, in der die klein geschnittenen Früchte zum Auflösen der Zellmembranen in einer Spülmittel-Kochsalzlösung blieben: "Schätzt mal, wie lang die DNA-Fäden in einer eurer Zellen sind, wenn ihr sie aneinander reiht?" "Einmal um den Äquator", tippte ein Schüler. So lang sind sie natürlich nicht; die richtige Antwort lautet zwei Meter - trotzdem ganz schön lang. Nach einigen weiteren Arbeitsschritten hatten die Schüler/innen eine Flüssigkeit im Becherglas, die gar nicht mehr appetitlich nach Nektarine duftete. "Und wie kriegen wir die DNA jetzt da raus?" Ganz einfach: Per Ethanol-Fällung - der Alkohol entzieht der Lösung das Wasser, und die DNA-Fäden schwimmen als Flocke im Glas. Die schleimige Masse konnten die Schüler/innen auf ein Stäbchen wickeln - ein bisschen wie klebrige Spaghetti. Wer Lust hat, wiederholt den Versuch privat - das Gläserne Labor hat für die DNA-Isolierung "Zutaten" eingesetzt, die jeder im Haus hat. Einen anderen Versuch kann man zu Hause nicht so ohne weiteres durchführen: einen Täter mithilfe seines "genetischen Fingerabdrucks" überführen. An der RUB probierten Oberstufenkurse die Methode aus - mit DNA von einem fiktiven Tatort und der DNA von drei "Verdächtigen". Das Verfahren ist zurzeit häufig Thema in den Medien - besonders im Zusammenhang mit Sexualverbrechen und Mord. Doch wie es funktioniert, das wussten viele der Schüler/innen nicht so genau. Unger erklärte den Trick: Jeder Mensch hat individuelle Abweichungen in seinem Genom - schneidet man die DNA mit Enzymen klein und trennt die Stücke dann im elektrischen Feld, entstehen unterschiedliche "Bandenmuster", die für jeden Menschen einzigartig sind. "Es war Täter zwei", erkannten die Schüler/innen schließlich. Die winzigen Mengen an DNA und Enzymen, mit denen sie arbeiteten, sowie die kleinen technischen Tricks und Arbeitserleichterungen im Labor faszinierten sie: "Im Mittelalter hätte man per Hand geschüttelt, heute gibt es dafür Maschinen", erklärte Unger. Am Ende des Kurses waren fast alle überzeugt: Biologie kann spannend sein, wenn man mal selbst experimentieren darf und Einblicke in den Laboralltag außerhalb der Schule bekommt. Christina Heimken |
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| 01.10.2001 |