Terror in den USA
   
  Hektik in Bochum
 
  Nur drei Tage nach den Anschlägen in den USA war der Terror plötzlich ganz nahe bei der RUB angelangt. Einer der mutmaßlichen Attentäter hat in Bochum studiert, hieß es - an der RUB oder an der FH, das war zunächst nicht klar: Presserummel. Pressestellenleiter und Rektor verbrachten das halbe Wochenende am Telefon. Sogar der Boston Chronicle fragte an, und natürlich waren BKA und Bundesstaatsanwaltschaft involviert. Deshalb war Geheimhaltung angesagt, für die Pressestelle ein Drahtseilakt: Man wusste Namen, durfte diese aber gegenüber der Presse nicht weitergeben. Allerdings standen den Medien auch andere Quellen zur Verfügung, so dass trotzdem schnell Namen bekannt wurden.
Schließlich wurde klar: Der mutmaßliche Terrorist studierte nicht in Bochum, wohl aber dessen türkische Freundin. Das tat dem Rummel freilich keinen Abbruch. Jetzt stand besagte Freundin (die offensichtlich vom Treiben des Freundes nichts wusste) im Mittelpunkt, sie musste von der Polizei geschützt werden: vor den Medien und wohl auch vor all jenen, die nicht differenzieren, für die nun alle Muslime verdächtig sind.
Genau hier bezieht auch die RUB ganz klar Stellung: Als Hort der offenen Diskussion kann sie selbstverständlich keine absolute Sicherheit garantieren und nicht ausschließen, dass es unter ihren Studierenden Extremisten gleich welcher Couleur gibt. Sie fühlt sich andererseits ihrer Offenheit und Internationalität verpflicht und beteiligt sich natürlich nicht an möglichen Hexenjagden, sondern weiß sehr wohl zu differenzieren.
Das zeigt sich auch in ersten wissenschaftlichen Reaktionen aus der Uni. Ein Aufsatz aus der Fakultät für Sozialwissenschaft fordert konkret die differenzierte Betrachtung von Moslems ein. Und eine beim Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht verfasste Pressemitteilung regt ein kurzfristig einzurichtendes internationales Tribunal zur Verfolgung von Terroristen an, das schneller und effizienter als das so genannte Jugoslawien-Tribunal arbeiten soll. ad
   
   
   
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01.10.2001