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"Sagt doch mal was", kommt es deutlich vernehmbar über
den Bildschirm im Studio des Multimedia Support Zentrums (MMSZ) der RUB
an. Die sechs Bochumer Studierenden blicken sich an, bis einer das Wort
ergreifen will. Doch er wird vom Lachen aus Lüneburg unterbrochen,
das sofort auf Bochum überspringt. So lockert sich die bislang steife
und inszenierte Atmosphäre auf, und fortan diskutieren die Studierenden
in Lüneburg und Bochum - wie geplant - lebhaft übers Lehren
und Lernen.
Allem Frohlocken über die multimediale Informations-
und Lerngesellschaft zum Trotz steckt das praktische Umsetzen noch in
den Kinderschuhen. Dazu passt, dass erst an diesem Mittwoch im Juli 2001
an der RUB die erste vom MMSZ betreute Gruppen-Videokonferenz stattfand
- obwohl die entsprechende Technik längst vorhanden ist. Studierende
der Pädagogik aus Bochum und Hamburg (mangels technischer Möglichkeiten
mussten Letztere nach Lüneburg ausweichen) nahmen daran teil und
ließen sich von Kameras beobachten, damit man von Bochum aus nach
Lüneburg blicken konnte und andersherum. Eine Stunde lang diskutierten
die angehenden Lehrer/innen über "(Multimediales) Lernen für
Europa im Rahmen der europäischen Bildungsdimension" - und erörterten
zunächst mit viel Schmunzeln, was das überhaupt sein soll: die
"europäische Bildungsdimension". Anschließend sprach
man u.a. über "Telelearning" oder "Globalisierung".
Die Studierenden kannten sich schon vor der Videokonferenz. Verantwortlich
dafür ist die in Bochum und Hamburg tätige Kooperationsgruppe
"Netztransfer", die seit 1998 parallel an beiden Unis "Studienmodule
zum Internet" anbietet. Darin erlernen die Studierenden den Umgang
mit dem Internet: Mit Hilfe von synchronen (Chat) und asynchronen (Message
Board, E-Mail) Kommunikationstools erarbeiten sie gemeinsam Themen der
europäischen Bildungspolitik und -praxis.
Per Video sah man nun auch erstmals seine Chatpartner/innen und konnte
von Auge zu Auge diskutieren oder einfach nur herzlich lachen ;-). Deshalb
wurde zu guter Letzt die Frage "Was hat uns das Seminar gebracht?"
ziemlich eindeutig mit "eine ganze Menge" beantwortet; und darum
wird das Seminar im nächsten Jahr wieder angeboten - inklusive dreier
Videokonferenzen (s. Interview). ad
Interview: "Wie beim Film"
An der RUB wurde die Kooperationsgruppe "Netztransfer" von
Dr. Sabine Hornberg (Vergleichende Erziehungswissenschaft) ins Leben gerufen
und betreut. Mit ihr sprach Arne Dessaul.
RUBENS: Wie kamen Sie auf die Idee,
zusätzlich zum Seminar "Studienmodule zum Internet" eine
Videokonferenz zu veranstalten?
Hornberg: Die Studierenden sollten sich einmal
von Angesicht zu Angesicht begegnen, nachdem sie als virtuelle Gruppen
ein Semester lang zusammen gearbeitet haben. Das ist bei den Studierenden
sehr gut angekommen, so dass wir Dozent/innen beschlossen haben, im nächsten
Sommersemester (wenn das Seminar, allerdings mit veränderten Inhalten,
wieder stattfindet) einmal zu Beginn, einmal in der Mitte und zum Abschluss
je eine Videokonferenz zu veranstalten.
RUBENS: Welche Tipps zu Organisation
und Aufwand können Sie anderen Dozent/innen der RUB geben, die ebenfalls
eine Videokonferenz durchführen möchten?
Hornberg: Der Aufwand ist für die Seminarleiter/innen
gut zu bewältigen, denn die technische Unterstützung durch das
MMSZ ist hervorragend. Alles, was die Lehrenden tun müssen, ist folgendes:
a) Da eine für alle Beteiligten gut nachvollziehbare Diskussion (wegen
eventueller Störgeräusche etc., es geht zu wie bei Filmaufnahmen)
nur zwischen wenigen Personen sinnvoll ist, bietet es sich an, bei einer
größeren Seminargruppe die Studierenden in kleinen Gruppen
diskutieren zu lassen. Wir hatten deshalb für jede Gruppe eine Frage
vorbereitet, die an die Seminarinhalte anknüpfte und jeweils im Rahmen
eines festgelegten Zeitplanes (fünf Minuten) diskutiert wurde. An
der Abschlussdiskussion waren jedoch alle Teilnehmer/innen beteiligt.
b) Es ist äußerst wichtig, rechtzeitig mit dem MMSZ einen Termin
zu vereinbaren und den Studierenden eine kurze Einführung in den
richtigen Umgang mit der virtuellen Diskussion bzw. den technischen Möglichkeiten
und Grenzen zu geben (dies übernimmt auch das MMSZ).
c) Generell gilt, dass bei dieser Seminarform vorausschauende Vorarbeiten
und Absprachen unter den Lehrenden zentrale Voraussetzungen fürs
Gelingen sind. Unser gesamtes Seminar ist bereits vor der Durchführung
komplett fertig (Themen pro Sitzung, Literatur usw.), bis hin zum detaillierten
Zeitplan für jede Seminarsitzung.
MMSZ: Die Unterstützer
Die technische und organisatorische Unterstützung
für Videokonferenzen liefert das Multimedia Support Zentrum der RUB
(MMSZ, früher Audiovisuelles Zentrum, AVZ) und selbstverständlich
können alle Lehrstühle, Einrichtungen etc. Videokonferenzen
im MMSZ veranstalten. Videokonferenz ist jedoch nicht gleich
Videokonferenz; es gibt vollkommen unterschiedliche Szenarien. Die Pädagogen
(s. Haupttext) hielten eine Punkt-Zu-Punkt-Konferenz ab. Aufgrund der
(geringeren) technischen Möglichkeiten in Lüneburg musste sie
über sechs ISDN-Leitungen durchgeführt werden - und verursachte
dadurch Kosten (Telefongebühren) von rund 60 DM. Der gängige
(und kostenlose) Weg führt übers Internet. Neben Punkt-Zu-Punkt-Konferenzen
sind auch Mehrpunkt-Konferenzen mit mehr als zwei Teilnehmern denkbar.
Gleiches gilt für moderiertes Telelecturing mit Übertragung
in den Seminarraum des MMSZ. "Letztlich ist in diesem Bereich so
ziemlich alles möglich", meint Mihran Müller-Bickert, der
im MMSZ u. a. für Videokonferenzen zuständig ist und gerne detailliert
über das Angebot informiert (-29902). Müller-Bickert koordiniert
die Konferenzen mit dem Rechenzentrum der RUB sowie den jeweiligen Gegenstellen
und kümmert sich am Tag X um die Technik. Wer jedoch regelmäßig
Videokonferenzen abhält, wird dies eines Tages selbst erledigen (können).
Müller-Bickert und seine Kolleg/innen greifen dann nur noch bei Problemen
unter die Arme; bei technischen, versteht sich, denn fürs Inhaltliche
sind die Dozent/innen verantwortlich.
Wer eine Videokonferenz durchführen möchte, sollte sich möglichst
einen Monat vorher ans MMSZ wenden (Jürgen Nawrot, -23741); dann
bleibt auch noch genug Zeit zum Üben. Über die anderen Leistungen
des MMSZ (z. B. Ausleihe von Geräten, Schulungen, Mitschnitte, Produktionen,
Multimedia) informieren wir in den kommenden Ausgaben der RUBENS; wer
sich jetzt schon mal einen Überblick verschaffen möchte, kann
dies im Internet tun: www.uv.ruhr-uni-bochum.de/avz.
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