Unverschuldeter Notstand
   
  Wasserschäden in der OAW-Bibliothek
 
  In der Unibibliothek (UB) tropft es von der Decke, und das seit Jahren: Durchsickerndes Regenwasser hat in der in der UB beheimateten Fakultät für Ostasienwissenschaften (OAW) an Büchern und Einrichtung immer wieder Schäden verursacht. Die OAW-Bibliothek liegt in der vierten Etage unterm Dach. Das Wasser dringt durch undichte Lichtkuppeln und Dehnungsfugen ein - die Bücher in den Regalen darunter werden nass. Das Problem ist nicht neu: "Ich habe die Planen über den betroffenen Regalen zum Teil schon vor mehr als zehn Jahren dorthin gelegt", erinnert sich OAW-Bibliotheksleiterin Kira Rohde-Liebenau. Doch weder die Planen noch die als Regenfänger aufgestellten Eimer haben verhindert, dass etliche Bücher dem eindringenden Wasser zum Opfer gefallen sind.
Viele der Bände sind beschädigt, aber noch lesbar. Andere sind zerstört und durch die Feuchtigkeit sogar verschimmelt - sie liegen in Plastiktüten verpackt in der Bibliothek und sollten nicht mehr ausgewickelt werden. Die wertvollsten Bücher haben Mitarbeiter/innen der Bibliothek soweit möglich in nicht gefährdete Bereiche geräumt.
Warum ist in den vergangenen 27 Jahren immer wieder Wasser eingedrungen? Die Ursache liegt im Bau: Konstruktionsmängel im Dach haben die feuchte Plage beschert. "Es ist nicht so, dass das Baudezernat nichts unternommen hat." Doch die Bibliotheksleiterin weiß, dass die Reparaturen die Konstruktionsfehler nicht beheben. Und für eine Dachsanierung fehlt das Geld.
Die gefährdeten Bereiche innerhalb der Bibliothek sind bekannt. Dennoch kann die OAW-Fakultät sie nicht umgehen: Platzmangel hat die Bibliothekar/innen dazu gezwungen, Bücherregale in den Gefahrenzonen aufzustellen. Die Bereiche unter den undichten Lichtkuppeln z. B. sind eigentlich als Lesebereich für die Studierenden gedacht. Auch unter den Dehnungsfugen sollten keine Bücher stehen, aber der fehlende Raum lässt keine andere Lösung zu.
Nicht nur die Bücher nehmen durch diese Situation Schaden. Die Studierenden und Wissenschaftler/innen müssen Einschränkungen hinnehmen. Zudem haben die Studierenden hier noch weitere Probleme. Ein Beispiel: Die Räume, in denen ihre Lehrveranstaltungen stattfinden, liegen ebenfalls im Bibliotheksgebäude. "Diese fensterlosen Räume haben zwar eine Zuluft, aber teilweise keine Abluft - die Studierenden, die hier den ganzen Tag sitzen müssen, leiden unter der stickigen Luft", weiß Rohde-Liebenau. Die Ursache ist auch hier eine Zweckentfremdung - ursprünglich sollten in den Räumen Bücher aufbewahrt werden. Die Bibliotheksleiterin erinnert sich: Der vorherige Kanzler Wiebel hat die Situation der OAW bei einer Besichtigung als "unverschuldeten Notstand" bezeichnet.
Der Bibliotheksbeauftragte Dr. Raoul Findeisen befürchtet, dass sich die Probleme der OAW in Zukunft noch weiter verschärfen: Die Fakultät soll ins GB umziehen, wo bereits der Fachbereich Politik und Wirtschaft Ostasiens untergebracht ist. Aus Platzgründen müssten aber rund fünf Sechstel der Bücher im Keller untergebracht werden, wären also für die Studierenden und Wissenschaftler/innen unzugänglich. Wenn die Fakultät zudem die Abgaben für die Nutzung der Räume gemäß "BLB-Gesetz" (s. RUBENS 62) selbst tragen muss, spitzt sich die Situation noch weiter zu: Die OAW könnte sich die Abgaben für die GB-Kellerräume nicht leisten, müsste vielleicht mit dem Großteil ihrer Bücher an den Stadtrand ziehen. Das wäre für die betroffenen Studierenden eine unerträgliche Situation.
Das letzte Wort zum Schicksal der OAW ist noch nicht gesprochen. Aber Findeisen befürchtet: "Es geht an die Substanz, denn unser Forschungsgegenstand sind die Bücher." Christina Heimken
   
   
   
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01.07.2001