Die RUB in Indonesien
   
   
 
  Beteiligung der RUB an der Education, Training and Technology Expo 2001, in Jakarta, Indonesien, 3. - 6. Mai 2001, Gemeinschaftsstand des DAAD "The German Pavilion", mit anschließendem Besuch der Technischen Universität Bandung (ITB)


Teilnehmer/innen der RUB:
Prof. Dr. Volker Staemmler, Fakultät für Chemie (nur Jakarta),
Dr. Wolfgang Budach, Unikontakt, Dez. 2,
Petra Henseler, Dez. 2.

Sonstige Teilnehmer:
Neben der RUB waren auf dem Gemeinschaftsstand des DAAD vertreten:
Universitäten: TU Darmstadt, TU Ilmenau, Universität Osnabrück, Universität Paderborn
Fachhochschulen: Bremen, Bremerhaven und Erfurt, die Internationale Bodenseehochschule, die Swiss-German University Asia
private Hochschulen: European Business School (Oestrich-Winkel), International University (Bruchsal), Stuttgart Institute of Management and Technology
Schulen: Deutsche Internationale Schule Jakarta, Salem International College, Goethe-Institut Jakarta, German-Swiss Business Training Foundation, Indonesien
Die Deutsche Botschaft
Der Alumni-Verein "Perhimpunan Alumni Jerman"
Unternehmen: Lufthansa, Daimler-Chrysler Indonesia, Siemens Indonesia

Warum Indonesien?

Indonesien ist ein Land, das nach der Erlangung seiner Unabhängigkeit 1949 Tausende von jungen Menschen zum Studium nach Deutschland geschickt hatte. Vielfältige - auch familiäre - Verbindungen sind so entstanden, die bis heute anhalten. Insgesamt sind es ca. 17.000 ehemalige Studenten, die zurückgekehrt sind und einflussreiche Stellungen in Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft einnehmen. Noch bilden sie die Transmissionsriemen zwischen Deutschland und einem Land, das mit 210 Mio. Einwohnern nach China, Indien und den USA zum viertbevölkerungsreichsten Land der Erde geworden ist. Inmitten der asiatischen Krise, trotz zahlreicher politischer Probleme, hat Indonesien, übrigens auch mit deutscher Hilfe, den Weg zu Demokratie und sozialer Marktwirtschaft eingeschlagen. Es ist ein rohstoffreiches Land, ein riesiger Markt und ein attraktiver Produktionsstandort. Studieren ist in Indonesien aber immer noch ein Luxus. Nur für knapp fünf Prozent der Schulabgänger stehen Studienplätze an lokalen Universitäten zur Verfügung. Im Juli 1999 bewarben sich etwa 500.000 Schulabgänger der indonesischen Oberschulen um ca. 73.000 Studienplätze an den staatlichen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. An den privaten Hochschulen sind die Studiengebühren hoch und können nur von einer Minderheit der Bevölkerung aufgebracht werden.

Andere Länder haben diese grundlegenden Tatsachen längst entdeckt und betreiben eine intensive und erfolgreiche Werbung: Ca. 18.000 Indonesier studieren z.Zt. in den USA, ca. 20.000 in Australien - und die meisten zahlen die Studiengebühren selbst. In Deutschland studieren nur etwa 2600 Indonesier. An der RUB sind zur Zeit 15 indonesische Studenten eingeschrieben - es waren einmal 200!
Deutschland hat die großen Bildungsmärkte in Südostasien lange vernachlässigt. Doch der fruchtbare Boden für den Erfolg ist noch da, denn noch hat sich der Begriff der Qualität nicht vom Bild der Deutschen getrennt. Nicht zuletzt aufgrund der neuen englischsprachigen Studiengänge gewinnt es zunehmend wieder an Attraktivität. Die steigende Zahl international orientierter Bildungsgänge und -abschlüsse tragen den Anforderungen des weltweiten Bildungsmarktes Rechnung. Der tiefste Punkt scheint überwunden zu sein - bei der Deutschen Botschaft in Jakarta gehen wieder mehr Visaanträge zu Studienzwecken in Deutschland ein.

Zum vierten Mal seit 1997 hat Deutschland an einer Bildungsmesse in Jakarta teilgenommen. Die RUB war zum ersten Mal dabei.

Standort, Organisation und Betreuung

Die zehnte internationale Bildungsmesse in Jakarta, die Education, Training & Technology Expo 2001 fand im hochmodernen Jakarta Convention Center statt. Den beiden Organisatoren des German Pavilion, der Deutschen Botschaft und dem DAAD, ist es gelungen, den Eingangsbereich und damit den attraktivsten Standort der Messehalle für den German Pavilion zu reservieren, getreu dem Motto "An uns führt kein Weg vorbei".
Durch das gemeinsame Briefing der Außenstelle des DAAD in Jakarta zusammen mit der Deutschen Botschaft am Vortag der Messe, erhielten wir Informationen über die politische Lage und das Bildungswesen in Indonesien. Sinnvoll wäre allerdings auch ein Vorbereitungstreffen durch den DAAD in Bonn vor der Abreise gewesen.
Die Firma GFA-Management GmbH in Hamburg war für den professionellen Standbau und Organisation verantwortlich. Das Zusammenspiel dieser drei Partner, die während der gesamten Messezeit im German Pavilion präsent waren, erwies sich als perfekt und sorgte für eine optimale Betreuung vor Ort. Jedes größere oder kleinere Problem wurde umgehend gelöst. Alles, was der eigene Messekoffer nicht hergab, wurde schnellstens besorgt. Während der gesamten Messedauer standen zudem Alumni zur Verfügung, was sich als ausgesprochen hilfreich erwies.

 

Messe

Die Messe hat für die Dauer von vier Tagen ca. 150 - 200.000 Besucher - Studenten, Schüler und deren Eltern - angezogen. Auf dem RUB-Stand waren wir zu dritt dem Ansturm einigermaßen gewachsen.

Staatspräsident Wahib eröffnete die Messe aufgrund ihrer strategischen Bedeutung für die Bildungs- und Erziehungspolitik Indonesiens. Dadurch erhielt die Education Expo in der lokalen und nationalen Presse große Aufmerksamkeit.

Jede Hochschule hatte die Gelegenheit, ihr Bildungsangebot im Rahmen einer Vortragsreihe einem größeren Publikum vorzustellen. Herr Prof. Staemmler nahm diese Aufgabe für die RUB wahr und nutzte die Gelegenheit, beispielhaft für die Fächervielfalt seinen Fachbereich mit großem Enthusiasmus zu präsentieren. Ein "leibhaftiger" Chemie-Professor aus Deutschland kam bei den meist jugendlichen Zuhörern besonders gut an und erhielt den meisten Applaus.

Die Einzelstände im German Pavilion boten die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung, die wir voll nutzten. Unsere beiden Laptops, der Beamer und das Videogerät, auf dem die Präsentation von Prof. Staemmler zur laserinduzierten Photodesorption von Oberflächen dem staunenden Publikum vorgeführt wurde, haben den Viertage-Dauertest bestanden und viele Besucher zusätzlich angezogen. Neben allgemeinen Fragen der Schülerklientel zu Zulassungsbedingungen, Deutschkursen, Lebenshaltungskosten, geografischer Lage etc. gab es auch eine Vielzahl gezielter Anfragen nach speziellen Studiengängen. Im Vordergrund standen die Ingenieurwissenschaften, gefolgt von den Naturwissenschaften, der Medizin und den Geisteswissenschaften. Als sehr nachteilig erwies sich, dass wir zu vielen Fachbereichen überhaupt kein Infomaterial hatten. Außerdem fehlten kleine Broschüren mit Facts and Figures zur RUB - und ein paar Tausend Handzettel mit allgemeinen Informationen und unserer Internet-Adresse, wie sie auf indonesischen Bildungsmessen üblicherweise verteilt werden.
Bei den Besuchern, die nach ihrem Bachelor-Abschluß an einer indonesischen Universität den Master im Ausland erwerben wollten, fanden unsere international orientierten Masterstudiengänge, wie z.B. Computational Engineering, der sich quasi als Juwel erwies, das größte Interesse. Es ist äußerst bedauerlich, dass er nicht auch die Elektrotechnik umfasst und zudem begrenzt ist auf 30 ausländische Studierende. Ähnlich aufgebaute interdisziplinäre, englischsprachige Masterstudiengänge würden die Attraktivität der RUB international ungemein steigern!

Der direkte Zugang zum Studium in Deutschland ist mit dem Abschlusszeugnis einer indonesischen Oberschule nicht möglich. Die Voraussetzungen zum Studium sind das Erlernen der deutschen Sprache und der Besuch des Studienkollegs. Zwei Jahre erfolgreiches Studieren in Indonesien ermöglichen bei entsprechend ausreichenden Deutschkenntnissen den direkten Zugang zum Studium in Deutschland (ins 1. Semester). Diese schwierigen bzw. langwierigen Zugangsvoraussetzungen wiegen die Vorteile des Fehlens von Studiengebühren in Deutschland wieder auf.
Die Bereitschaft, die Mühen des Deutschlernens auf sich zu nehmen, ist in den letzten Jahrzehnten, nicht zuletzt wegen fehlender Informationen über den Studienstandort Deutschland und aggressiver Werbung amerikanischer, australischer und japanischer Hochschulen stark gesunken.
Positiv anzumerken ist, dass die Deutsche Schule von Jakarta ab diesem Jahr auch indonesische Schüler (25 %) zulässt und manche Hochschule, wie z.B. die ITB von Bandung neuerdings auch Deutschkurse anbieten.

Neben den Schülern und Studenten sollte eine weitere Gruppe von Besuchern nicht unerwähnt bleiben: die Ehemaligen. Viele Besucher, die in Bochum oder benachbarten Hochschulen studiert haben, waren freudig überrascht, dass die Ruhr-Universität sich auch einmal in Jakarta präsentiert. Es ergaben sich teilweise stundenlange Gespräche, und manche Ehemalige kamen sogar gleich an mehreren Tagen vorbei. Gemeinsam mit der Leiterin der DAAD-Außerstelle Jakarta und dem auf dem German Pavilion vertretenen Alumni-Verein wurde schließlich sogar die Möglichkeit eines im Rahmen eines DAAD-Programms zu beantragenden Alumni-Projekts erörtert.

Auch mit weiteren Standnachbarn auf dem German Pavilion, den Vertretern der Swiss German University of Applied Sciences (SGU) - Asia, die etwas außerhalb von Jakarta, bestens ausgestattet im German Center, angesiedelt ist, ergaben sich interessante Gespräche und Kooperationsmöglichkeiten. Die SGU wurde im Jahr 2000 als deutsch-österreichisch-schweizerisch-indonesische Gemeinschaftsinitiative gegründet und ist die erste internationale Privat-Universität in Indonesien. Sie ist als indonesische Universität voll anerkannt und hat im Oktober 2000 den Studienbetrieb mit zunächst drei Bachelor-Studiengängen aufgenommen: Mechatronics, Business Administration und Informatik. Ab August 2001 kommen weitere Studiengänge hinzu: Hotel und Tourismus, Multimedia, angewandte Weltwirtschaftssprachen (Deutsch, Englisch, Mandarin, Arabisch). Die SGU finanziert sich über Kredite, Schenkungen und Studiengebühren (4.400 Dollar p.a.). Unterrichtssprache ist Englisch.



Besuch der Technischen Universität von Bandung "Institut Teknologi Bandung" (ITB)

Der Besuch einer indonesischen Universität gehörte leider nicht zum Messeprogramm des DAAD, daher haben wir ihn - allerdings mit freundlicher Unterstützung der DAAD-Außenstelle Jakarta - selbst organisiert.
Mit der renommierten ITB, die oft als M.I.T. von Südostasien bezeichnet wird, hat die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik bereits seit vielen Jahren wissenschaftliche Verbindungen auf Lehrstuhlebene. Die ITB kooperiert sehr eng mit allen großen technischen Universitäten in Deutschland. Nur mit der RUB gibt es bisher keine vertragliche Vereinbarung.

Ein Alumnus hat uns die gesamte Universität gezeigt und wir hatten Gelegenheit, mit verschiedenen Wissenschaftlern - u.a. mit Bochumer Absolventen und Kooperationspartnern - zu sprechen. Seit einem halben Jahr hat die ITB auch ein Büro für Internationale Beziehungen. Mit der Leiterin, Frau Dr. Handojo, einer Chemie-Ingenieurin und Absolventin der Universität Hannover, konnten wir ebenfalls ausführlich sprechen. Sie wird zu einem Gegenbesuch am 29.6.01 nach Bochum kommen und u.a. Gespräche in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, der Fakultät für Chemie und der Fakultät für Maschinenbau führen.

 

Fazit

Die Teilnehmer der RUB haben ebenso wie alle anderen Teilnehmer des German Pavilion auf der Education, Training and Technology Expo 2001, in Jakarta, die Messe als sehr spannend, erfolgreich und perfekt organisiert empfunden. Die RUB sollte daher im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein. Erfahrene Asien-Messe-Teilnehmer wiesen uns darauf hin, dass es ratsam sei, mindestens dreimal hintereinander mit den gleichen Personen auf die gleiche Messe zu gehen. Die Standbesetzung bestehend aus einem Fachvertreter (Prof. Staemmler, Chemie) und zwei Vertretern des Dezernats für Internationale Angelegenheiten hat sich als vorteilhaft erwiesen. Gespräche mit den Fakultäten für Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Bauingenieurwesen im Anschluss an die Messe und den Besuch der ITB haben darüber hinaus ergeben, dass großes Interesse an einer Beteiligung an der "Postgraduate Expo 2001" in Jakarta mit anschl. Promotion Tour mit Besuchen an verschiedenen indonesischen Universitäten unter dem Motto "Engineering Sciences in Germany", 3.-10. November 2001, besteht. Zielgruppe der Messe sind hier fortgeschrittene Studierende, die mindestens schon einen ersten akademischen Abschluss erworben haben und nun gezielt nach Möglichkeiten eines postgraduierten Studiums im Ausland suchen. Erwartet werden bis zu 10.000 Besucher. Die RUB sollte auch diese Chance nutzen.
P. Henseler
petra.henseler@ruhr-uni-bochum.de

   
   
   
  Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief!
zurückblättern zur Themenübersicht weiterblättern

01.07.2001