Die RUB in Thailand und Vietnam
   
   
 
  Beteiligung der RUB an der Promotion Tour "Study and Research in Germany" des DAAD in Bangkok, Hanoi, Ho Chi Minh-Stadt/Saigon; 31. März - 7. April 2001, Veranstalter: DAAD in Kooperation mit Partnern vor Ort

Teilnehmer/innen der RUB:
Monika Sprung (Leiterin des Akademischen Auslandsamts),
Prof. Klaus Wiesemann (Fak. für Physik und Astronomie).

Sonstige Teilnehmer:
RWTH Aachen,
TU München,
TU Darmstadt,
U Freiburg,
TU Dresden,
U Hamburg,
TU Hamburg-Harburg u.a.

Die RUB gehört zu den Hochschulen, die aktiv das neue Instrument des Hochschulmarketing nutzen. Diese Entwicklung ist für deutsche Hochschulen ganz neu: Der DAAD bietet seinen Mitgliedshochschulen, die sich in der neuen Initiative GATE Germany zusammengeschlossen haben, Unterstützung bei der Teilnahme an internationalen Bildungsmessen im Ausland an bzw. organisiert eigene Veranstaltungen dort, wo über Goethe-Institute bzw. DAAD-Lektoren oder wie im Falle von Hanoi/Vietnam mit dem Vietnamesisch-Deutschen Zentrum Plattformen zur Verfügung stehen.
In Bangkok ist der Veranstaltungsort das Goethe-Institut, recht idyllisch, aber auch ein wenig abseits gelegen in einer Großstadt, die dauernd einem Verkehrskollaps zu erliegen droht. Wer hier die erste deutsche Bildungsmesse besucht, muss schon ein gezieltes Interesse an deutschen Hochschulen haben. Mit Laufkundschaft ist nicht zu rechnen. Die Spannung ist groß unter den Vertretern von insgesamt 12 deutschen Universitäten und Fachhochschulen, die z.T. ihre Einrichtung insgesamt, z.T. auch nur gezielt einzelne auslandsorientierte Masterprogramme vorstellen wollen. Die Ruhr-Universität Bochum wird vertreten von Prof. Dr. Klaus Wiesemann, Fakultät für Physik und Astronomie, und von Monika Sprung, der Leiterin des Akademischen Auslandsamtes. Mit im Gepäck waren vor allem Informationen über die internationalen Masterprogramme sowie die grundständigen Angebote im Bereich der Ingenieur- und der Naturwissenschaften. Wie würde das Interesse sein? Professionell gestaltete Messestände und ein breit angelegtes Vortragsprogramm warten auf Besucher. Und sie kamen. An zwei Tagen zählten die deutsch- und englischsprechenden Messehelferinnen an der Rezeption ca. 1.500 Besucher. Dies waren zum größten Teil Studierende in Bachelor-Programmen an thailändischen Universitäten, die gezielt nach englischsprachigen Masterprogrammen fragten. Einige kamen auch mit ihren Eltern zur Beratung, manchmal kamen auch die Eltern allein, um die ersten Erkundigungen selbst einzuziehen, bevor am zweiten Tag dann der studierwillige Nachwuchs auftauchte. Die Vorstellungen waren sehr angloamerikanisch bzw. australisch geprägt. Ein Jahr Studienkolleg bzw. langwieriges Deutschlernen kam für die meisten nicht in Frage, aber für eine rasche Bewerbung in einem interessanten Masterprogramm den Samstagabend zu opfern, das war kein Problem. Wir erhielten am zweiten Tag der Messe eine makellos ausgefüllte Bewerbung für das Masterprogramm "Computational Engineering" - zusammen mit einem Strauß Plastikrosen.
Die zweite Station war Vietnam, zunächst Hanoi, dann Ho Chi Minh-Stadt, das frühere Saigon.
Schon bei der Ankunft in Hanoi sind die Unterschiede zu Bangkok sehr deutlich. Der Flughafen verbreitet sozialistisches Flair und die Fahrt führt uns zunächst einmal durch leuchtendgrüne Reisfelder, bevor wir nach Hanoi kommen, wo uns die Massen an Fahrrädern und Motorrädern schier den Atem rauben.
Vietnam gilt unser besonderes Interesse. Hier sind schon Hochschulkontakte vorhanden, an die sich anknüpfen lässt. Prof. Wiesemann plant, ein Sandwich-Programm in Plasmaphysik einzurichten, ein Angebot, was an beiden Standorten mit großer Begeisterung aufgenommen wird. Weitere Kontakte zu Institutionen in Ho Chi Minh-Stadt gibt es im Bereich Ökologie im Bauingenieurwesen von Prof. Stolpe, der die Region im Herbst vergangenen Jahres besucht hat.
Um es gleich vorwegzunehmen: In Hanoi war das Echo überwältigend. Auf eine solche Resonanz war keiner von uns vorbereitet. Material musste eilig nachkopiert werden, und der Zugang in den Ausstellungsraum wurde eingeschränkt, so dass immer nur 50 Personen auf einmal Einlass erhielten.
In Hanoi führten wir zum Teil allgemeinste Studienberatung durch, aber es kamen auch immer wieder Besucher, die selbst in Deutschland studiert hatten und nun auch ihren Kindern ein Hochschulstudium in Deutschland ermöglichen wollten. Hier waren die Fragen breiter angelegt und sehr konkret. Von Interesse waren alle Fächer, auch die grundständigen Angebote und die Bereitschaft, Deutsch zu lernen und auch das eine Jahr Studienkolleg in Kauf zunehmen, war durchaus bei vielen der vietnamesischen Studieninteressierten vorhanden. In vielen Beratungsgesprächen wurde deutlich, dass das Problem der Sprachkenntnisse ein entscheidender Punkt ist. Weniger die Tatsache, dass man sie erlernen muss, als vielmehr die Frage wo und wie? Es fehlt im Ausland, aber auch an deutschen Hochschulen selbst entsprechende Angebote, die den Studienbewerbern ein hohes Maß an Planungssicherheit ermöglichen. Sprachkurse, wie sie zur Zeit in einer Pilotphase unter dem Dach der Akademie der RUB mit chinesischen Studienbewerbern erprobt werden, entsprechen genau dem auch dort artikulierten Bedarf.
In Ho Chi Minh Stadt fand die deutsche Bildungsmesse in einem der größeren Hotels statt, was internationalen Gepflogenheiten entspricht. Das Interesse war auch hier sehr lebhaft, aber nicht zu vergleichen mit der Resonanz in Hanoi. Man merkte den Studienbewerberinnen und -bewerbern durchaus an, dass dies sicherlich nicht die erst Messe dieser Art war, die sie besuchten. Tatsächlich wird gerade auch Ho Chi Minh-Stadt sehr stark von amerikanischen und australischen Hochschulen umworben, die mit Sofort-Einschreibungen direkt am Stand die zahlungskräftige Kundschaft gleich an sich binden wollen. Hier fiel uns die große Zielstrebigkeit auf, eine andere Dynamik war spürbar. Nicht nur, dass die Besucherinnen und Besucher sehr genau wussten, was sie wollten, sie wollten es auch sofort und schnell und vollständig.
Die Angebote der RUB stießen auf großes Interesse. Neben den Studieninteressierten kamen auch Vertreter von einzelnen Hochschulen, welche die Möglichkeit nutzen wollten, internationale Kontakte zu knüpfen. Eine gute Gelegenheit ebenfalls, bereits bestehende Kontakte zu pflegen und kurze Treffen mit den vietnamesischen Hochschullehrern zu vereinbaren. Darüber hinaus brachten uns die Kontakte unserer Fakultät für Bauingenieurwesen zu Institutionen in Vietnam eine Privataudienz bei dem Vertreter des MOSTE, des Ministery of Science and Technology, ein.
Was auf dieser Reise ein wenig zu kurz kam, war die Chance, nach den Messen eventuell noch einzelne Hochschulen zu besuchen, um neue Kontakte zu vertiefen bzw. sich ein Bild von den Verhältnissen an den Hochschulen der Region zu verschaffen. Das gleiche gilt für ein minimales Kulturprogramm. Es stieß bei unseren einheimischen Gesprächspartnern schon auf ein gewisses Unverständnis, dass wir ankamen, zu einem offiziellen Empfang eilten, an den nächsten zwei Tagen die Messe veranstalteten, um am dritten Tag gleich wieder abzureisen. Dies wiederholte sich an jedem Standort in ähnlicher Form. Ein wenn auch nur minimales Kennenlernen der Kultur des Gastlandes würde zu einem tieferen Verständnis führen und vor allem ein gegenseitiges Interesse signalisieren. Dennoch: Insgesamt war diese Reise extrem anstrengend, extrem spannend und sehr erfolgreich. Auch die Leistungen des DAAD, der mit dieser Art von Aktivitäten Neuland betritt, können nur positiv beurteilt werden.
M. Sprung
monika.sprung@uv.ruhr-uni-bochum.de

   
   
   
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01.07.2001