Die RUB in Chile
   
   
 
  Bericht über die Teilnahme der RUB an der DAAD-Veranstaltung "Nuevos Horizontes para ti - Estudiar en Alemania" in Santiago de Chile vom 18.-25. April 2001

Teilnehmer/innen der RUB:
Prof. Wolfgang Leiner,
Dr. Marcus Petermann (beide Fakultät für Maschinenbau),
Jutta Schmid (Stellv. Leiterin Akademisches Auslandsamt).

Sonstige Teilnehmer:
U Freiburg,
U Leipzig,
TU München,
U Hohenheim.

1. Vorbereitung und Betreuung durch den DAAD

Am 22.03.01 fand ein sehr informatives Vorbereitungstreffen beim DAAD in Bonn statt, an dem Prof. Leiner und Frau Schmid teilnahmen. Die Betreuung der Reisegruppe durch den DAAD von Bonn aus und vor Ort in Santiago war sehr intensiv und gut organisiert. Durch den IBZ-Leiter des DAAD vor Ort erhielten wir viele nützliche Hintergrundinformationen zum Bildungssystem, zu den Universitäten und zum Land allgemein. Der Programmablauf funktionierte reibungslos.
Das Informationsmaterial wurde durch den DAAD nach Santiago geschickt und stand beim Standaufbau bereit. Für die Veranstaltung waren vom DAAD Poster, Programmflyer und Uniprospekte über die teilnehmenden Hochschulen in professioneller und ansprechender Form erstellt worden.
Ein Problem schien allerdings die Verbreitung der Information über unsere Veranstaltung in den chilenischen Universitäten und in der Presse gewesen zu sein. Eine stärkere Werbung - evtl. auch durch Anzeigen in den wichtigen (und leider teuren) Tageszeitungen oder durch direkte Ansprache von Hochschulangehörigen - wäre sinnvoll gewesen, wurde jedoch aus Kostengründen unterlassen.

2. Messe

An den ersten beiden Messetagen (10-19 Uhr) wurden von einigen Hochschulvertretern (darunter von allen drei Vertretern der RUB) Vorträge gehalten. Am Samstag war der Zulauf insgesamt besonders gut. Ein "Runder Tisch" mit DAAD-Alumni bot eine gute Werbung für das Studium in Deutschland mit anschaulichen Erfahrungsberichten. Neben Interessenten aus Santiago waren auch einige Studierende von Universitäten aus der Provinz angereist.

2.1. Stand/Infrastruktur
Die Standgestaltung erfolgte durch Fotos der RUB und kleinere Plakate von RUB und DAAD. Der Stand selbst bot genug Platz zur Informationsauslage und zu Gesprächen am Tisch. Infrastruktur und Unterstützung waren insgesamt sehr gut. Es standen Internetplätze, Video, Overheadprojektor und Beamer zur Verfügung. Die Räume waren groß genug und sehr gut geeignet.

2.2. Infomaterial
Als Infomaterial hatten wir rd. 100 CD-ROMs des englischsprachigen Study Guide, Mappen mit allgemeiner Info zur RUB auf Deutsch und Englisch, allgemeine Informationsblätter zur RUB und zu den Ingenieur- sowie Naturwissenschaften auf Spanisch, sowie verschiedene Flyer zu Internationalen Studiengängen geschickt bzw. mitgebracht. Reste des Infomaterials ließen wir nach Ende der Veranstaltung zur Auslage im Goethe-Institut zurück - der überwiegende Teil wurde aber während der Messe verteilt. Auch an Alumni, die jetzt an chilenischen Universitäten lehren, sowie verschiedene andere Universitätsvertreter wurden Informations-Pakete weitergegeben.

2.3. Beratung
Für die Beratung war es sehr vorteilhaft, Gespräche auf spanisch führen zu können (Leiner/Schmid). Interesse bestand vor allem an ingenieurwissenschaftlichen Studienmöglichkeiten/Promotionen (durchaus auch an deutschsprachigen Studiengängen) sowie an weiterführenden Studien im Bereich Wirtschaftswissenschaften (hier wiesen wir vor allem auf die Masterstudiengänge ECUE und Development Management hin). 5-6 Personen führten konkretere Gespräche mit Prof. Leiner über die Möglichkeiten der Diplomarbeit bzw. Promotion im Maschinenbau an der RUB. Viele der Beratungsgespräche hatten auch allgemeine Fragen zur Bewerbung, zu den Sprachkenntnissen, der Unterbringung, den Lebenshaltungskosten in Deutschland etc. zum Inhalt.

3. Unibesuche

Der DAAD organisierte Besuche bei der UTFSM und der Universidad Católica in Valparaíso, sowie einen Besuch beim Dekan der Ingenieurwissenschaften an der PUC in Santiago. Wir erhielten so einen interessanten Einblick in die chilenische Universitätsstruktur und das Bildungssystem allgemein (zu konkreten Ergebnissen siehe unten). Prof. Leiner und Dr. Petermann besuchten darüber hinaus einen ehemaligen Doktoranden der RUB, der jetzt Leiter des Departamento de Ingeniería der Universidad de Chile ist.

4. Konkrete Ergebnisse/Weitere Schritte

Neben den Beratungen für die Studierenden und der Weitergabe von Informationsmaterial an Multiplikatoren gibt es folgende konkrete Ergebnisse der Reise:

4.1. Universidad de Chile
Prof. Valencia (Leiter des Dep. de Ingeniería an der Universidad de Chile) hat in Bochum promoviert, und mit ihm gibt es bereits seit 10 Jahren informelle Kontakte. Die Universidad de Chile ist zusammen mit der PUC die Nummer 1 der chilenischen Universitäten und auf internationalem Niveau anerkannt. Während des Besuchs von Prof. Leiner/Dr. Petermann wurde besprochen, dass Prof. Valencia im Juli nach Bochum eingeladen wird, um ein bereits im Groben abgesprochenes gemeinsames Forschungsprojekt zu konkretisieren. Es sollen dann auch Details zu Möglichkeiten des Dozenten-, Diplomanden- und Doktorandenaustauschs besprochen werden. Weiter konkretisiert wird dann ebenfalls der Beginn eines Studierendenaustauschs im Sandwich-Modell. Geplant ist der Abschluss eines Fakultätspartnerschaftsabkommens, in dem die o.g. Punkte enthalten sind.
Frau Schmid prüft die Möglichkeit, beim DAAD einen Antrag auf Förderung dieser Partnerschaft zu stellen.

4.2. Universidad Técnica Federico Santa María
Beim Besuch der UTFSM in Valparaíso stellte sich heraus, dass Prof. de la Fuente aus dem Bereich des Chemie-Ingenieur-Wesens sehr ähnliche Forschungsschwerpunkte wie Herr Dr. Petermann bearbeitet. Die UTFSM gehört im Ingenieurbereich zu den anerkannt guten Universitäten des Landes. Bei der Besichtigung fielen der sehr gepflegte und gut ausgestattete Campus und die angenehme Atmosphäre auf. Die Gründungsprofessoren der Universität waren Deutsche, so dass bis heute eine starke deutsche Tradition und somit auch Offenheit in bezug auf verstärkte Kooperationen mit deutschen Hochschulen besteht. Auch heute noch sprechen relativ viele Professoren gut deutsch, sind deutscher Abstammung oder haben in Deutschland studiert. Herr Dr. Petermann wird den Kollegen de la Fuente nun offiziell nach Bochum einladen, um ein gemeinsames Projekt zu erörtern. Ebenfalls angesprochen wurde schon die Möglichkeit des Studierendenaustauschs.
Eine Förderung des Aufenthalts durch Mittel der DLR oder evtl. des DAAD wird geprüft.
Prof. Jorge Pontt vom Departamento de Electrónica äußerte Interesse daran, Studierende für ein Jahr nach Bochum zu schicken und auch Dozenten auszutauschen. Für die Studierenden wären hier Teilstipendien nötig, z.B. durch Studentische Hilfskraft-Stellen von ca. DM 600,- pro Monat.

4.3. Universidad Católica de Valparaíso
Bei der Universidad Católica de Valparaíso diskutierten Prof. Leiner und Herr Dr. Petermann mit Prof. Ernesto Urbina V., dem Leiter der Ingenieur-Fakultät. Studierenden- oder Dozentenaustausch wäre bei Interesse einzelner Personen formlos von beiden Seiten aus möglich. Vereinbart wurde, dass beide Seiten sich gegenseitig ab sofort die ausgeschriebenen Themen für Studien- und Diplomarbeiten zusenden und diese an der jeweiligen Fakultät bekannt gemacht werden.

4.4. Pontífica Universidad Católica
Bei einem Gespräch mit dem Dekan (Prof. Aldo Cipriano) der Ingenieurwissenschaften der Pontífica Universidad Católica (PUC) in Santiago de Chile (eine der zwei besten Universitäten Chiles, in den Ingenieurwissenschaften die größte), erwähnte dieser, dass er Prof. Unbehauen gut kenne und auch schon an der RUB war. Die PUC hat einen Kooperationsvertrag mit der TU München, und der Dekan würde gern etwas ähnliches mit Bochum beginnen. Besonderes Interesse besteht an der Entsendung von Doktoranden nach Deutschland, u.a. mit DAAD-Sandwichprogrammen. Andere Fakultäten könnten bei Interesse dazukommen.

4.5. Universidad de Tamulco
In einem Gespräch mit der Leiterin der Abteilung Internationale Beziehungen der Universidad de Tamulco, Lillian González, legte diese das Interesse ihrer Universität an Kontakten mit der RUB im Bereich Sozialwissenschaften und Medizin dar. Die Universität ist eine "arme" Universität in einer noch sehr wenig entwickelten Gegend, die aber großes Engagement und Einsatz für die Ausbildung auch ärmerer Gesellschaftsschichten aufbringt. Für Sozialwissenschaftler wären die Möglichkeiten der Forschung im Bereich Entwicklung dort besonders interessant. Medizinstudierende könnten in Praktika interessante Erfahrungen in Tamulco sammeln, die sie z.B. in Deutschland in der Praxis so gar nicht machen könnten. Interesse bestünde speziell in den Sozialwissenschaften auch am Dozentenaustausch.

4.6. DAAD-Stipendienprogramm für Ingenieure
Frau Dr. Althoff, DAAD-Referat Lateinamerika Süd, ist dabei, das o.g. Programm für Chile auszuweiten. Ingenieur-Studierende bestimmter Universitäten gehen dabei vom DAAD unterstützt für 1 Jahr an ausgewählte deutsche Hochschulen. Sie absolvieren vorher einen Intensivsprachkurs und nachher ein Industriepraktikum. Mit Frau Dr. Althoff wurde die Möglichkeit der Beteiligung der RUB an diesem Programm besprochen. Weitere Informationen dazu sind angefordert und können demnächst mit den ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten besprochen werden.

5. Schlussfolgerungen

Für die RUB:
Mehr und professionelleres Info-Material der Universität (Uni-Broschüre!) und der Fakultäten zumindest auf Deutsch und Englisch ist dringend notwendig.
Die Verbindung von Messe und Universitätsbesuchen ist sehr sinnvoll und lohnt die Reise. Wichtig sind (auch in der Beratung) engagierte und kompetente Mitfahrer, die als Sympathieträger der RUB fungieren können. Interessant ist auch der Erfahrungsaustausch mit den anderen deutschen Universitätsvertretern und mit den DAAD-Kollegen.

Generell:
Spanisch-Kenntnisse sind zur Beratung in Lateinamerika sehr sinnvoll, teilweise unersetzbar.
Englischsprachige Angebote können nicht das vorrangige Angebot für Chile sein (wahrscheinlich auch nicht für Lateinamerika generell). Man sollte den Einfluss der deutschstämmigen Bevölkerung, der in Deutschland ausgebildeten Professoren und das vorherrschende recht positive Bild der deutschen Hochschulbildung zur Werbung für den Hochschulstandort Deutschland nutzen. Die Englischkenntnisse aus der Schulzeit stellen zumeist keine Basis für ein Studium in englischer Sprache dar. Die Personen, die sich für ein Studium bei uns interessierten, hatten zumeist (familiären) Bezug zu Deutschland oder/und oft schon begonnen, Deutsch im Goethe-Institut o.ä. zu lernen.
Die chilenischen Hochschulen zeigen großes Interesse an Kooperationen. Reine Studierendenwerbung der deutschen Hochschulen dort kann aber durchaus als Konkurrenz empfunden werden. Immerhin finanzieren sich alle - auch die staatlichen - Universitäten aus Studiengebühren und sind daher auf zahlende Kunden angewiesen.
J. Schmid
jutta.schmid@uv.ruhr-uni-bochum.de

   
   
   
  Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief!
zurückblättern zur Themenübersicht weiterblättern

01.07.2001