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Dank einer 1.100 m langen Funkbrücke, 5.500 m Glasfaserkabel,
40 fleißigen Helfer/innen sowie einer Investition von 250.000 Mark sind
180 Studierende nun 50 mal schneller als alle anderen. Um so weit zu kommen,
genügten etwa 200 mindestens 3 cm breite Löcher und knapp 4 Monate schwerer
Arbeit - doch die Quelle der Idee reicht quasi bis ins Jahr 633 zurück.
Im April jenes Jahres verstarb der heilige Isidor von Sevilla. Der Geistliche
Isidor hat das gesamte theologische und weltliche Wissen seiner Zeit gesammelt
und aufgeschrieben und rettete so das Wissen der Antike ins Mittelalter
hinüber. Ums Retten (Bewahren, Verbreiten) von Wissen kümmert sich heutzutage
in erster Linie das Internet - und zu dessen Schutzpatron wurde kürzlich
eben jener Isidor ernannt. Womit wir wieder in der Gegenwart wären. Das
Internet haben wir gleich mitgebracht, denn darum dreht sich der gesamte
Zahlensalat des ersten Absatzes.
Und jetzt der Reihe nach: 1.100 m beträgt die Entfernung zwischen dem
Studentenwohnheim Haus Michael und dem Zentralrechner der RUB. Zwecks
Zugang ins Internet zapft man den Rechner normalerweise mit Hilfe der
Telekom an. Nicht so Haus Michael. Es überwindet die Strecke seit letztem
Jahr (siehe Rubbits 2/2000) mit Richtfunk. "Das ist schneller, direkter,
preiswerter und eleganter", erklärt Heimsprecher Christian Busche. Die
Funkbrücke erreicht einen Server im Haus Michael, aber natürlich nicht
automatisch auch die 180 Bewohner/innen des katholischen Wohnheims (Erbauer
und Eigentümer ist das Bistum Essen, Träger das Studentenwohnheim Trägerwerk
St. Michael e.V.). Hier nun kommen die 5.500 m Glasfaserkabel ins Spiel.
Glasfaser ist in puncto Vernetzung der letzte Schrei
und halt 50 mal schneller als herkömmliche Technik. Vor allem
ist es leistungsstärker und wesentlich dünner als konventionelle Kupferkabel.
Das erwies sich als unschlagbarer Vorteil beim Verlegen der Kabel. Die
entsprechenden Löcher brauchten gerade mal 3 cm breit zu sein - was exakt
den aktuellen Vorschriften im Brandschutz entspricht.
Dennoch hatten die 40 Helfer/innen, allesamt Bewohner/innen
von Haus Michael, 4 Monate lang alle Hände voll zu tun. Sie
verrichteten alle Arbeiten selbst ("Ehrenamtlich, versteht sich", so Christian
Busche), z. B. Kabelkanäle installieren, Löcher in Decken bohren (25 mal),
Wände durchbrechen (162 mal), Schneiden, Fräsen, Feilen, Sägen, Messen,
Kabel verlegen und Dosen an die Computer der 180 Studierenden anschließen.
Zum rein Handwerklichen kamen u. a. Programmieren, Organisieren und Managen.
Schließlich mussten die Studierenden Anträge stellen, mussten vielerlei
Dinge kaufen, mussten Arbeit verteilen und vieles, vieles mehr. Vor allem
mussten sie einen Sponsor finden, der die Vernetzung finanziell unterstützt.
Zum Glück erklärten sich die Firma 3 M Deutschland und der Träger des
Wohnheims dazu bereit und übernahmen einen Großteil der Kosten, einen
weiteren Teil kompensiert der Initiativkreis "Haus Michael auf Draht e.V."
durch die ehrenamtliche Eigenleistung und durch das Vermieten von Netzkarten,
die letztlich den Zugang zum Internet gewährleisten. "Die Studis erhalten
gegen ein Pfand von 30 Euro ihre Netzwerkkarte. Wenn sie irgendwann ausziehen,
geben sie die Karte zurück und bekommen ihr Geld wieder. Die Karte geht
- auf Wunsch, die Sache ist natürlich freiwillig - an den Nachmieter,
der wiederum 30 Euro hinterlegt und so weiter", verdeutlicht Busche, "ansonsten
zahlen die Nutzer/innen einen monatlichen Beitrag von 10 Euro."
Nach einer kurzen Verzögerung aufgrund von Lieferschwierigkeiten konnte
das Projekt "Haus Michael per Glasfaser ans Netz" Anfang Mai feierlich
abgeschlossen werden. Einen Grund, ausgelassen zu feiern, gab es in der
Tat. In Sachen Kommunikation ist Haus Michael jetzt
das modernste Studentenwohnheim in Europa. Alle 180 (!) Bewohner/innen
haben nicht nur einen enorm schnellen Zugang zum Internet, sondern sind
auch miteinander vernetzt. Kein Wunder, dass dabei 5,5 km Kabel
drauf gingen. Und: Der heilige Isidor hätte an all dem bestimmt seine
Freude. ad
Link ins Haus Michael: www.hausmichael.de
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