| Sind Sie Inder? | |
| Osterbesuch beim DAAD in Neu Delhi | |
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| Entwicklungschancen und Potenziale haben aus indischer Sicht
betrachtet sehr viel mit dem Durchschnittsalter der Bevölkerung zu tun:
In dem über eine Milliarde Einwohner starken Land, dessen jährlicher Bevölkerungszuwachs
der Gesamteinwohnerzahl Australiens entspricht, stimmt der Alterskegel:
Mehr als die Hälfte aller Inder sind 25 Jahre und jünger. Trotz hoher Analphabetenrate
produziert das Bildungssystem eine große Zahl junger, Englisch sprechender
Hochschulabsolventen. Diese haben in den letzten Jahren mehr journalistische
Weltaufmerksamkeit bekommen denn je: Die Diskussion über die Erhöhung der
Expertenvisa in den USA ging in erster Linie um indische Jungakademiker
mit IT-Abschluss; erhöht wurde die Zahl letztlich von 150.000 auf 195.000. Das deutsche Pendant nimmt sich vergleichsweise luxemburgisch aus. Die vollmundig "Green Card" genannten Expertenvisa mit beschränkter Dauer sollten zunächst zu 20.000 ausgegeben werden, schließlich freute man sich über 5.000 vergebene von 10.000 geplanten Visa. Jürgen Rüttgers hat dabei mit seiner tumben Kampagne für den indischen Touch gesorgt. Die indische Öffentlichkeit sieht das alles mit selbstbewusster Gelassenheit und mit der Überzeugung, dass Bangalore bald Palo Alto überholen wird und/oder ihr junges Land die senilen Industrieländer Europas und Nordamerikas. Der "Export" von Experten ist nach dem Empfinden vieler Inder nur ein Zwischenstadium. Warum sollte man den Menschen reisen lassen, wenn das Produkt ein universelles ist, das leicht über das Internet jeden beliebigen Platz erreichen kann? Das deutsche Angebot zu temporärer Umsiedlung zieht bei großem politischen Aufwand nur eine relativ kleine Gruppe Inder an. Dabei erfreut sich Indien in den letzten Jahren großer politischer Aufmerksamkeit von deutscher Seite. Der Besuch von Außenminister Fischer samt hochkarätiger Delegation war nur ein Teil der politischen Werbung ums Personal, Finanzminister Eichel war ebenfalls da und im Oktober kommt Kanzler Schröder ins Land der IT-Experten. Etwa 2.000 der deutschen "Green Card Inhaber" sind Inder. Die Flaute in der New Economy sorgt ihrerseits für Zurückhaltung. Auch halten möglicherweise Phänomene von Ausländerfeindlichkeit, die 5-Jahres-Befristung und der - jedenfalls für den Alltag notwendige - Erwerb der deutschen Sprache bislang noch einige Interessenten ab. Nur ein drastisches Abflauen der amerikanischen Wirtschaft könnte die Tendenz, in die USA auszuwandern, gegenüber der europäischen und speziell deutschen Konkurrenz relativieren. Im Gegensatz zu den Studienbewerbern aus China, die Deutschland derzeit überfluten, ist der Strom indischer Studierender eher zurückhaltend: Etwas mehr als 800 Studenten jährlich zieht es in unser Land (an der RUB studieren derzeit 20 Inder, darunter 13 Bildungsinländer, die ihr Abi in Deutschland erworben haben, bleiben also nur 7 "echte" Inder). Im Zusammenhang mit der "Green Card" Kampagne kommt dieser Gruppe eine besondere Bedeutung zu. Als "Botschafter" und Vermittler könnten sie einen essentiellen Schritt zur Imageveränderung tun und ihre Kommilitonen von den Segnungen einer Tätigkeit in Deutschland überzeugen. Der DAAD leistet mit seiner Außenstelle in New Delhi Außergewöhnliches. Eine Road Show mit Partizipation vieler deutscher Hochschulen, die die wichtigsten Metropolen Indiens besuchte, erfreute sich großer Aufmerksamkeit. Die deutschen Stipendiaten in Indien sind für DAAD-Verhältnisse eher atypische Kandidaten, die sich durch besondere Anpassungsfähigkeit und Fähigkeit zum Zurückschrauben von persönlichen Ansprüchen an Alltagskomfort auszeichnen. Der Einsatz scheint sich zu lohnen, denn die Erfahrung dieses Subkontinents ist wirklich eine Auslandserfahrung, die fürs Leben prägt. Manfred Nettekoven |
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| 01.06.2001 |