Nichts geht mehr!
   
  Baumaßnahmen an der RUB
 
 

Ob sich das Land die Sache so vorgestellt hat, als es zum 1.1.2001 den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) ins Leben rief und seitdem landeseigene Grundstücke und Gebäude u.a. an die NRW-Hochschulen vermietet? An der RUB jedenfalls tut sich seitdem in Sachen Baumaßnahmen so gut wie nichts mehr - und das ruft in vielerlei Hinsicht Unmut und Chaos hervor. Unter anderem möchte das Rechenzentrum gerne weiter den Campus vernetzen und allen Angehörigen der RUB einen Zugang ins Internet ermöglichen. Geht nicht. Unter anderem möchten Unileitung und Fakultäten herausragende Professor/innen berufen und ihnen eine attraktive Ausstattung (Geräte, Büros, Labors, Werkstätten) bieten. Geht nicht. Unter anderem müssen weitere Tierställe gebaut werden. Geht nicht. Unter anderem muss die Asbestsanierung weiter laufen. Geht nicht. Nichts geht momentan.
Johannes Schevel (Leiter des Dezernat 5, Technische Hochschulbetriebe) erklärt, woran das liegt: "Bis Ende April wussten wir nicht, wie viel Geld uns der BLB überhaupt für Baumaßnahmen zur Verfügung stellt. Deshalb konnten vier Monate lang keine Aufträge erteilt, konnte noch nicht einmal ausgeschrieben werden. Jetzt wissen wir, dass mindestens acht Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr fehlen. Da hatten wir rund 28 Millionen, diesmal sind es nur etwas über 20 Millionen."
Das heißt: Nun muss erst einmal festgelegt werden, was gebaut (erweitert, ausgebessert, neu errichtet etc.) wird. Dann muss ausgeschrieben werden, dann müssen Aufträge erteilt werden - und dann ist das Jahr fast um. Chaos, wie gesagt. Fast ein ganzes Jahr geht flöten, und dann ist noch nicht einmal genügend Geld da, um alles anzugehen. Das verdeutlicht ein Blick auf die unterschiedlichen Arten von Baumaßnahmen. Neuerdings werden dort vier Kategorien gebildet: Maßnahmen zur reinen Instandhaltung und Gefahrenabwehr (kurz "I"), Berufungsmaßnahmen ("B"), Investitionen in Neu- und Umbau ("N") und politische Ziele wie Solaranlagen ("P"). Von den genannten 20 Mio. DM fallen allein 18 auf den Bereich "I"; dem Fortgang der Asbestsanierung steht also nichts im Wege, auch undichte Dächer und bröckelnde Fassaden und Wege können repariert werden. Für Tierställe und Vernetzung ("N") sowie Neuausstattungen bei Berufungen sieht es hingegen schlecht aus, von Solaranlagen und dergleichen darf man momentan noch nicht einmal träumen.
Verantwortlich ist das neue Mietsystem. Es verpflichtet - wie ein normaler Mietvertrag - den Vermieter (BLB) zur Instandhaltung und Gefahrenabwehr. Dafür tauchen die 18 Mio. im Haushalt auf. Für Verschönerungen, Erweiterungen etc. trägt allerdings allein der Mieter (RUB) die Kosten - und dafür ist kaum Geld da. Das bis Ende 2000 gültige System gab dem Dezernat 5 einen gewissen Spielraum beim Festlegen, bis wann etwas Instandhaltung bzw. ab wann es Umbau oder Neubau ist. So konnten Gelder zwischen den seinerzeit maßgeblichen "Haushaltstiteln" hin und her geschoben werden. Ob das jetzt (bei "I", "N", "B", "P") auch wieder möglich sein kann, ob also die 18 Mio. auch für Tierställe, Berufungen oder Vernetzung genutzt werden können, weiß noch niemand. "Wir stecken mitten in einer Übergangsphase. Weder wir noch der BLB kennen die neuen Spielregeln", erklärt Johannes Schevel, "wir wissen im Prinzip noch nicht einmal, ob uns das neue Gesetz letztlich Verbesserungen oder Verschlechterungen bringt."
Fest steht allerdings, dass die neuen Spielregeln rasch feststehen müssen. Schließlich sollten endlich alle Angehörigen der RUB ans Netz angeschlossen werden. Und immerhin stehen aufgrund der Altersstruktur der Professorenschaft in den nächsten Jahren zahlreiche Berufungsverhandlungen an. Wenn die RUB (wie alle anderen NRW-Hochschulen) weiterhin Spitzenkräfte verpflichten soll (woran dem Land wohl gelegen ist), dann muss man den Kandidaten in puncto Ausstattung einiges bieten. Andernfalls gehen die guten Leute in andere Bundesländer - und die Eingangsfrage muss wiederholt werden: "Ob sich das Land die Sache so vorgestellt hat ...?" ad

BLB
Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) ist zum 1. Januar 2001 per Landesgesetz errichtet worden und löste die bisherigen Staatlichen Hochbauämter ab. Seine Aufgabe: ein "modernes, betriebswirtschaftlich orientiertes Immobilienmanagement." So formulierten es jedenfalls die Minister Peter Steinbrück (Finanzen) und Michael Vesper (Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport). Auf den BLB sind rund 1.700 Grundstücke und 3.700 Gebäude zur Bewirtschaftung übertragen worden, darunter alle Hochschulgebäude. Der BLB vermietet diese Gebäude und Grundstücke nun an die Nutzer/innen. Das Land hofft, so jährlich bis zu 250 Mio. DM einzusparen. ad

   
   
   
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01.06.2001