Auf Leben und Tod
   
  Auszüge aus RUBIN 1/01
 
 

Dass eine U-Bahn mal im Tunnel stehen bleibt ist keine Seltenheit: defekter Triebwagen, technische Störung - das ganze ist zwar lästig aber zumeist ungefährlich. Was aber, wenn plötzlich Rauch in den Wagen dringt? Wenn Flammen hochschlagen? Wohin soll man fliehen, welche Richtung einschlagen?
Solche Unglücke fordern nicht selten viele Menschenleben, wie zuletzt etwa 1995 in Baku oder beim Giftgasanschlag in Tokio. U-Bahnnetze sind tückisch: Durch ihre verzweigten Querverbindungen und komplexen Luftströme kann sich Rauch oder Gas auf unzähligen Wegen verbreiten. Mit heute üblichen Mitteln ist einer solchen Bedrohung kaum zu begegnen, denn die Rettungskräfte verfügen zurzeit über keine fortlaufend aktualisierte Übersicht über die sichersten Rettungswege. Die Ausbreitung von Rauch und Gas ist noch eine unberechenbare Größe. Nach feststehendem Plan werden deshalb Fehlentscheidungen getroffen, die Leben kosten können.
Bochumer Klimageographen führen seit 1998 im Dortmunder Stadtbahnnetz und in der New Yorker Subway Untersuchungen zur Luftströmung durch. Anhand von fest installierten Messgeräten und Tests mit ungiftigem Rauch erforschen sie die Einflüsse verschiedener Faktoren auf die Luftbewegungen im Tunnel. Nicht nur die Züge, sondern auch die Außenwitterung beeinflussen die klimatischen Verhältnisse unter der Erde. Mit den gewonnen Daten planen die Forscher "NADiS", ein Notfallanalyse- und Diagnosesystem, das es Rettungskräften im Ernstfall erlauben soll, schnell und gezielt Menschen über sichere Wege zu evakuieren und so Katastrophen zu verhindern. Bereits zur Fußball-WM 2006 könnte das System zum Einsatz kommen.

Ein ganz anderes Rettungssystem erforschen die Bochumer Mediziner: Bei zahlreichen Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson sterben Nervenzellen ab. Beim erwachsenen Menschen bilden sich diese Zellen nicht neu, so dass der geistige und körperliche Verfall nicht zu stoppen ist. Die Forscher wollen sich bei der Heilung dieser Erkrankungen nun ein - eigentlich ebenfalls krankhaftes - Phänomen zunutze machen. In Krebszellen ist nämlich ein zentraler Schalter auf "unbegrenzte Zellteilung" eingestellt. Diese Eigenschaft könnte Nervenzellen vor dem Untergang retten. Nervenzellen verfügen über einen ein bestimmtes Protein, das Ras, das als Schalter funktioniert: Wird er durch Botenstoffe aktiviert, schaltet sich das Selbstzerstörungsprogramm der Zelle ab, wird er nicht aktiviert, stirbt sie. Dieser Mechanismus funktioniert bereits bei der Embryonalentwicklung, so dass nur notwendige Nervenzellen wachsen. Tumorzellen haben erhöhte Ras-Aktivität und sind daher "unsterblich". Durch Übertragung dieser Eigenschaft auf Nervenzellen könnte ihr Selbstzerstörungsmechanismus abgeschaltet werden. Mit Hilfe von Krebszellen könnten Ärzte dann möglicherweise in Zukunft den Nervenzellenschwund von Alzheimer- oder Parkinsonpatienten stoppen. md

Die vollständigen Beiträge lesen Sie in RUBIN 1/01. Dort finden Sie zudem folgende Themen: Chemische Tricks mit molekularen Klümpchen; Checkpoint im Gehirn: Jetzt in der Kulturschale; Stoßfrei durch die Nanostruktur; Simulation Intelligenter Netze; Der Islam und die europäische Kultur; Münzen machen Geschichte. RUBIN ist in der Pressestelle für 5 DM erhältlich.
RUBIN im Internet: www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm

   
   
   
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01.06.2001