RUB nur Mittelmaß?
   
  Editorial: Ranglisten
 
  Über Sinn und Zweck von Ranglisten für Deutschlands Hochschulen wurde genug gestritten. Fest steht: Sie sind eine Visitenkarte der Uni. Fest steht zudem: Wer auch immer Ranglisten bildet, kommt stets zur Einschätzung: Die RUB ist eine mittelmäßige Hochschule. So auch nachzulesen im aktuellen Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), veröffentlicht im Stern Spezial "Campus & Karriere".
Befragt wurden Profs nach ihren Empfehlungen und Studierende nach ihrer Einschätzung. Zu diesen weichen Faktoren gesellten sich harte, in Zahlen messbare: Studiendauer, Ausstattung sowie Forschung (gerechnet nach eingeworbenen Drittmitteln pro Prof). Alle fünf Kategorien wurden bundesweit für 15 Fächer abgeklopft und bewertet: Spitzen-, Mittel- oder Schlussgruppe. Die RUB kam dabei zwölfmal zum Zuge: Anglistik, Bauingenieurwesen, Chemie, Elektrotechnik, Erziehungswissenschaft, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Jura, Maschinenbau, Mathematik, Physik und Psychologie.
Die Befunde sind ernüchternd und drücken sich in vereinfachten Zahlen wie folgt aus: Von 60 gezählten Urteilen (zwölf Fächer - ohne Lehramt - à fünf Kategorien) erhält die RUB fünfmal das Urteil "Spitze", 31 mal das Urteil "Mitte" und 16 mal das Urteil "Schluss" (achtmal waren die Fallzahlen zu gering).
Besonders gerupft wurden die Juristen, die fünfmal das Urteil "Schluss" bekamen. Warum eigentlich? Neulich in der zufällig besuchten Vorlesung zu Kriminologie war die Bude voll und die Stimmung enthusiastisch. Gerade erst haben die Juristen einen neuen Studiengang in Wirtschafts- und Steuerrecht konzipiert, und dann ist da noch die neuartige, spannende Wissensvermittlung mit den neuen Medien. Drei Gegenbeispiele, die einem spontan einfallen - die aber u.U. noch zu neu waren, um in die Einschätzung einzufließen.
Hinzu kommt, dass einzelne, zudem meist von oben angestoßene Initiativen zur Verbesserung der Lehre an der RUB (wie z. B. Kobra oder Tutorenprogramme) nicht ausreichen, um die Wahrnehmung der Studierenden zu verändern und/oder die ersehnte Identifikation zu erreichen. Dazu bedarf es eines ganz großen Rucks, der durch die gesamte Uni zu gehen hat. Der Ruck muss aus einer gemeinsamen Kraftanstrengung herrühren. Gefragt sind einerseits die Lehrenden und die Mitarbeiter/innen der Verwaltung; Sie müssen sich selbst an der RUB begeistern und die Begeisterung an die Studierenden weitergeben; und selbstverständlich dürfen sie die Studierenden nicht wie lästige Störenfriede behandeln. Andererseits stehen die Studierenden selbst in der Pflicht: Sie dürfen sich nicht aufs bloße Konsumieren und Pendeln beschränken, sondern müssen - dort wo sie können - die Dinge selbst in die Hand nehmen. ad
   
   
   
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01.06.2001