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Nach mehr als 50 Jahren ist das Kapitel Zwangsarbeit im Zweiten
Weltkrieg immer noch nicht abgeschlossen: Betroffene warten noch auf ihre
symbolische Entschädigung, auch das volle Ausmaß der Zwangsarbeit ist längst
noch nicht erforscht. Viele Themen sind vernachlässigt worden, so das der
Zwangsarbeit im deutschen Kohlenbergbau, der aufgrund seiner großen Bedeutung
für die Kriegswirtschaft einer der wichtigsten Einsatzorte für ausländische
Zivilarbeiter und Kriegsgefangene war. Diese Forschungslücke schließen zurzeit
Historiker der RUB - auf Initiative der RAG AG und gefördert von der Stiftung
Bibliothek des Ruhrgebiets. Die Forschungen stehen unter wissenschaftlicher
Leitung von Prof. Klaus Tenfelde (Leiter des Instituts für Soziale Bewegungen
der RUB). Ein mit prominenten Wissenschaftlern besetzter Beirat unterstützt
und berät die Mitarbeiter.
In mehreren Einzelprojekten begeben sich Bochumer Wissenschaftler auf Spurensuche:
Bisher wurde z. B. vernachlässigt, dass dem Einsatz von Zwangsarbeitern
während des Zweiten Weltkriegs Erfahrungen mit Zwangsarbeit aus dem Ersten
Weltkrieg zugrunde lagen. Auch die vergleichende Erforschung der Arbeitsverhältnisse
und -beziehungen zu jener Zeit ist geplant. Außerdem soll erstmals der Steinkohlenbergbau
in den von Deutschland besetzten Gebieten, etwa im Donezk-Becken in der
Ukraine und in Nordfrankreich und Belgien, berücksichtigt werden. Ein
Teilprojekt wird die Zwangsarbeit im Ruhrbergbau detailliert erforschen.
In den hiesigen Gruben waren im Dezember 1943 über 150.000 ausländische
Zivilarbeiter und Kriegsgefangene, vor allem Russen, eingesetzt.
Einen Überblick über die bis ins Jahr 2005 geplanten Forschungen verschaffte
Ende März die Tagung "Archivische und historiographische Aspekte von Zwangsarbeit"
im Haus Geschichte des Ruhrgebiets. Drei Tage lang trafen sich hochrangige
Wissenschaftler und Politiker, um die vielfältigen Aspekte des Themas zu
diskutieren. ad |