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Wie sah bei der Kommunalwahl 1999 der durchschnittliche Bürgermeisterkandidat
aus? Diese Frage beantwortet der frisch diplomierte Sozialwissenschaftler
David H. Gehne in seiner Diplomarbeit "Sozialstruktur und Profile der
Kandidatinnen und Kandidaten bei der ersten Direktwahl der Bürgermeister/innen
in Nordrhein-Westfalen. Ergebnisse einer landesweiten schriftlichen Befragung
aller Bügermeisterkandidatinnen und -kandidaten in NRW 1999" (Betreuer:
Prof. Uwe Andersen, Dr. Rainer Bovermann, Fakultät für Sozialwissenschaften).
Für seine Arbeit wurde Gehne mit einem der Preise an Studierende 2000
der RUB ausgezeichnet.
Die Kommunalwahl in NRW 1999 war in mehrfacher Hinsicht eine Uraufführung.
Neben der Erweiterung des aktiven und passiven Wahlrechts wurden die seit
der Kommunalverfassungsreform von 1994 hauptamtlichen Bürgermeister zum
ersten Mal direkt gewählt. Das Hauptaugenmerk der
Studie liegt auf einer eher vernachlässigten Gruppe: der Wahlverlierer.
David Gehne hat 1.482 Kandidaten aus 396 Städten und Gemeinden in NRW
angeschrieben - drei Viertel von ihnen nahmen an der Studie teil. Sie
war Teil eines Forschungsprojektes zur Kommunalwahl, das am "Zentrum für
interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung" (ZEFIR) an der RUB durchgeführt
wurde.
Trotz der Möglichkeit, als Einzelbewerber zu kandidieren, wurden 90 Prozent
der Kandidaten von Parteien und Wählergruppen nominiert. Ihr Sozialprofil
war recht homogen. Männlich, um die 50, von hoher formaler Bildung, im
öffentlichen Dienst tätig und wohnhaft im Ort seiner Kandidatur - so sah
der typische Kandidat aus. Deutliche Abweichungen gab es bei Kandidaten
kleinerer Parteien und bei Einzelbewerbern. Die meisten Kandidaten hatten
Erfahrung in Kommunalpolitik oder in der Verwaltung. Die Amtsinhaber kandidierten
hauptsächlich für die großen Parteien SPD und CDU, jedoch auch als Einzelbewerber.
Auch nach der Wahl werden die meisten Gemeinden weiter von Vertretern
der großen Parteien regiert - wobei die CDU deutlichen Zuwachs hatte.
In einigen kleinere Städten und Gemeinden konnten sich auch parteiunabhängige
Einzelbewerber mit Verwaltungserfahrung durchsetzen. In knapp 60 Prozent
der Städte und Gemeinden wählten die Bürger/innen den vorigen Amtsinhaber
wieder. Dabei handelt es sich zumeist um CDU- und Einzelkandidaten. Die
SPD-Amtsinhaber hatten wegen des (damaligen) Bundestrends zugunsten der
CDU eine deutlich niedrigere Wiederwahlquote. Die Sozialstruktur der Wahlsieger
entspricht weitgehend derjenigen der Kandidaten. md
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