| Auf Kazunobu Kanokogis Spuren | |
| Japanerin studiert Japanologie an der RUB | |
|
|
|
| Ich danke Thea Struchtemeier, die in
RUBENS 57 fragt, warum sich "eine Studentin der Kyushu Universität in
Fukuoka für ein Japanologiestudium in Deutschland mehrere tausend Kilometer
auf den Weg macht, als spräche man in Bochum besser japanisch als in Japan.
Es gibt mir die Gelegenheit, darauf zu antworten und den Grund meines Hierseins
darzustellen. Zunächst besteht Japanologie nicht nur aus der Erforschung
der Sprache Japans, sondern umfasst daneben auch das Studium der Geschichte,
Gesellschaft und Kultur des Landes. Dennoch ist auch die Sprache für mich
von Interesse oder besser gesagt: der Sprachunterricht. Ich habe an der
Kyushu Universität zwölf Jahre lang Studierenden aus über 30 Ländern Japanisch
gelehrt. In diesen Jahren lernte ich, dass es für den internationalen Austausch
sehr wichtig ist, Sprachen zu lehren. Aber es gibt auch eine andere Seite
des Sprachunterrichts im internationalen Kontext: So hatte Japan während
des 2. Weltkriegs große Teile Asiens besetzt und die dortigen Bewohner gezwungen,
Japanisch zu sprechen. Ein solcher, von einer Besatzungsmacht aufgezwungener
Sprachunterricht unterscheidet sich in seiner Wirkung auf die internationalen
Beziehungen zweifellos von dem, was wir heute damit verbinden. Es erscheint
mir deshalb wichtig, nachzuforschen, was es mit der Sprachlehre beim internationalen
Austausch unter verschiedenen, auch politischen Aspekten, auf sich hat. Sprachlehrer können die geistige Haltung, die internationalen Beziehungen und damit die Geschichte beeinflussen. In dieser Hinsicht gibt es bereits eine Reihe von Forschungen über den Japanischunterricht in Asien. Darauf zielt mein Interesse. Mich interessiert zudem die Frage, wie japanische Spracherziehung im damals mit Japan verbündeten Dritten Reich praktiziert wurde. Innerhalb meiner Studien fand ich recht schnell heraus, dass damals neben dem Sprachunterricht auch die deutsch-japanischen Beziehungen in Wissenschaft und Kultur wichtig waren. Deshalb muss man auch die Tätigkeit der mit Deutschland in Verbindung stehenden japanischen Wissenschaftler (u.a. in Philosophie, Jura, Medizin, Wirtschaft, Geschichte oder Soziologie) in die Betrachtung einbeziehen. Über japanische Wissenschaftler in Deutschland vor dem 2. Weltkrieg sind auf japanischer Seite Forschungen im Gange. Die damaligen Tätigkeiten der japanischen Wissenschaftler und der deutschen Japanologen sind ein wichtiger Faktor, wenn man über die Beziehungen zwischen Japan und Deutschland in den 1920er- und 1930er-Jahren forschen will. Nach dem 1. Weltkrieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan beeinträchtigt. Eine Initiative zur Wiederbelebung des Austausches ging während der 1920er-Jahre von engagierten Persönlichkeiten wie dem deutschen Botschafter Wilhelm Solf, seinem Freund Shinpei Goto und dem Nobelpreisträger Fritz Haber aus. Es begann mit der Gründung zweier Forschungsinstitute in Tokio bzw. Berlin, deren Aufgabe die Vertiefung des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches war - und deren Geschichte und Rolle in den deutsch-japanischen Beziehungen von Japanologen der RUB untersucht wurden. Im Zuge der konkreten Vorbereitung und des Aufbaus beider Institute spielte der Philosophieprofessor Kazunobu Kanokogi (1884-1949) eine entscheidende Rolle. Seine Person und seine Aktivitäten im Rahmen der deutsch-japanischen Kulturbeziehungen stehen im Mittelpunkt meiner derzeitigen Forschungen. Kanokogi war Japanologe und hatte Philosophie auch in Deutschland, u.a. beim Nobelpreisträger Rudolf Eucken, studiert. Kanokogi kam nach Berlin als Leiter des Japaninstitutes und war Gastprofessor an der Humboldt Universität (1927-29). Bald wurde er ein begeisterter Anhänger von Hitler. Nach 1930 wirkte er im negativen und im positiven Sinne als Vermittler zwischen Japan und Deutschland. Während meines Aufenthaltes an der RUB möchte ich in ganz Deutschland Material über Kazunobu Kanokogi suchen und analysieren. Nach meiner Rückkehr nach Japan möchte ich an der Kyushu Universität über "Kazunobu Kanokogi und die Rolle des Kulturaustausches in den deutsch-japanischen Beziehungen der Weimarer Republik und des Dritten Reiches" promovieren. Die Japanologie der RUB besitzt wichtiges Quellenmaterial zu diesem Thema und hat dazu ausgezeichnete Studien hervorgebracht, die auch in Japan mit großem Interesse rezipiert worden sind. Teruko Yoh (Frau Yoh forscht zurzeit - auf Vermittlung des Altkanzlers und derzeitigen Geschäftsführers der Gesellschaft der Freunde der RUB, Dr. Bernhard Wiebel, - als Rotary Stipendiatin bei Prof. Regine Matthias, Sektion Geschichte Japans, Fakultät für Ostasienwissenschaft) |
|
| Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief! |
| zurückblättern | zur Themenübersicht | weiterblättern |
| 01.04.2001 |