Verlagspraktikum als Gewinn
   
  Workshop für Philologen
 
  "Welches sind mögliche Berufsfelder für examinierte Romanisten bzw. Philologen?" Dieser Frage widmet sich Prof. Franz Lebsanft (Romanischen Seminar) seit längerem und veranstaltete bereits den 6. Workshop mit dem Ziel, interessierte Studierende mit Berufspraktikern zusammen zu bringen. Ein mögliches Arbeitsfeld für Romanisten sind Verlage, z. B. Wörterbuchverlage. Um die Studierenden nicht allein mit theoretischem Wissen über Inhalte der Lexikographie zu versorgen, sondern sie auch mit den alltäglichen Aufgaben von Wörterbuchredakteuren zu konfrontieren, organisierte Lebsanft zusammen mit Elmar Eggert am 2. Februar den ganztägigen, berufsorientierten Workshop "Wie macht man ein zweisprachiges Wörterbuch?", zu dem Barbara Krüger von der Redaktion Pons des Ernst Klett Verlags (Stuttgart) eingeladen war.
Die Teilnehmerzahl des Workshops, der sich an Studierende der Philologie mit guten Kenntnissen in Französisch, Englisch oder Italienisch richtete, war auf 20 begrenzt. Die fanden sich schnell und bereiteten sich anhand verschiedener Wörterbuchtypen eigenständig auf den Workshop vor. Nach einer kurzen Einführung über Grundbegriffe der Lexikographie durch Prof. Lebsanft stellte Frau Krüger mittels einzelner Wörterbucheinträge aus den drei behandelten Sprachen allgemeine Grundlagen und Konzepte ihrer Arbeit vor. Dabei präsentierte sie auch die Arbeitsaufteilung beim Erstellen eines Wörterbuchs, an dem viele Autoren eigenverantwortlich zu bestimmten Bereichen arbeiten. Krüger wies auf die kreative und daher schützenswerte Leistung der Autoren und damit der eines gesamten Wörterbuchs hin. Zudem gab sie Einblicke in ihre Arbeit als Koordinatorin und Verantwortliche. Sie zeigte auf, welche Gedanken zu Beginn eines Projekts stehen und wie es vorbereitet wird. Dazu zählt das Erstellen von umfangreichen (bis zu 100 Seiten umfassenden) Richtlinien und Vorgaben zur Einheitlichkeit der einzelnen Arbeiten. Die Teilnehmer des Workshops stellten viele Fragen, die zu einem großen Teil die konkrete Arbeit eines Autors betrafen.
An den theoretischen Teil schlossen sich praktische Übungen an, z. B. einen Wörterbucheintrag anhand von Beispielsätzen und nach einem vorgegebenen Muster zu schreiben. Das praktische Herangehen war für viele neu, jedoch hatten sich nach kurzer Zeit alle eingearbeitet. Eine weitere Aufgabe bestand darin, eine Wörterbuchseite um die Hälfte zu kürzen. Diese Aufgabe sowie das Verfassen eines Eintrags zu einem vorgegebenen Wort in der jeweiligen Fremdsprache galt als "Hausaufgabe". Die Lösungen wurden bei Krüger eingereicht - und die Autorin der besten Lösung gewann ein Gastpraktikum bei Klett. Es war eine gelungene Veranstaltung, die zeigte, dass Verbindungen der Uni zur Berufswelt möglich und gewünscht sind, sowohl von den Studierenden als auch von (in diesem Fall) den Verlagen, die somit erste Kontakte zu zukünftigen Mitarbeitern knüpfen können. Elmar Eggert
   
   
   
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01.04.2001