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Corporate Codes: Es gibt inzwischen kaum noch transnationale Unternehmen,
die sich nicht mit einem Kodex selbst formulierter Verpflichtungen über
Arbeits- und Produktionsbedingungen schmücken so wie Nike, Levi Strauss,
Toyrus oder Ikea. "Sauber" sollte das moderne Image der Bekleidungsbranche
und der Industrieverbände sein, damit betriebliche Öffentlichkeitsarbeit
so recht zur Geltung kommt und auch die Unternehmeskommunikation stimmt.
Die hauseigenen Kodizes, aber auch außerbetriebliche Initiativen und Kampagnen,
beleuchtet Dr. Bettina Musiolek in dem unlängst erschienenen Sammelband
"Gezähmte Modemultis". Die Herausgeberin legt damit
ein Ergebnis des an der RUB bei Prof. Dr. Ilse Lenz (Fakultät für Sozialwissenschaft,
Lehrstuhl für Frauen- und Sozialstrukturforschung) angesiedelten Forschungsprojekts
"Globalisierung und Strukturwandel der Frauenarbeit in der Bekleidungsindustrie"
vor.
In einem dokumentarischen Anhang kommen zertifizierte Unternehmer selbst
zu Wort, so der Bochum-Wattenscheider Klaus Steilmann, der den "Armutstransfer"
mit dem weltweiten "Run auf die billigsten Produktionskapazitäten" als
"Teufelskreis" beschreibt, der im Handel mit seinem Preisdruck beginne
und bei "kannibalisierender Konkurrenz" der Fernostländer mit Staaten
der GUS ende. Er wird ergänzt durch Auszüge aus dem Arbeitsverhaltenskodex
der "Kampagne für Saubere Kleidung" (Clean Clothes Campaign) für die Bekleidungsindustrie.
Bislang forderten schon Gewerkschaften und außerbetriebliche Initiativen
ähnliche Labels gegen unmenschliche Produktionsbedingungen in der Spielwaren-
und Öl-/Gasindustrie, gegen die Überfischung der Meere in der Fischwirtschaft
sowie gegen den Kahlschlag von Tropenholz beim Holzhandel. Thea A.
Struchtemeier
Bettina Musiolek (Hrsg.): Gezähmte Modemultis. Verhaltenskodizes:
ein Modell zur Durchsetzung von Arbeitsrechten? Eine kritische Bilanz".
Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a. M., 208 S., DM 29,80, ISBN3-86099-185X.
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