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"Es gibt drei große Lügen in Irland, so behaupten jedenfalls die Einheimischen
- und die müssen es ja wissen. Erstens: 'Das ist wirklich das letzte Bier
für heute.' Zweitens: 'Der Scheck ist bereits unterwegs.' Drittens: 'Wir
treffen uns um halb neun.' Die Iren drücken damit selbstironisch aus,
dass sie alkoholischen Getränken nicht abgeneigt sind, gerne ein wenig
flunkern und grundsätzlich zu spät kommen. Mit diesem Wissen können Sie
sich getrost auf den Weg nach Irland machen."
Aber auch ohne die "Gebrauchsanweisung für Irland" des Irlandkorrespondenten
Ralf Sotscheck kann man sich ruhig hierher aufmachen, und zwar zum Arbeiten.
Warum? Weil Irland boomt und europäische Arbeitskräfte rar sind. In Dublin
passiert zurzeit, worüber in Deutschland noch immer heftig diskutiert
wird: Leute unterschiedlichen Alters und Kultur
treffen sich bei der Arbeit. Abiturienten, Studenten mit und
ohne Abschluss, ehemalige Arbeitslose sowie Berufstätige, die einfach
mal was Anderes machen wollen. Deutsche arbeiten in Dublin für den Customer
Service der Citibank Wien, Franzosen verkaufen Produkte von IBM nach Frankreich
und Spanien, Skandinavier betreiben Marketing für den Norden Europas.
Die meisten Jobs finden übers Telefon statt. Die
Tante aus Bad Salzufflen, die wissen will, wo ihr Geburtstagsgeschenk
ans Patenkind steckt, merkt gar nicht, dass sie mit UPS in Dublin telefoniert.
Ebenso wird der Teenager, der das neueste Programm von Oracle nicht installiert
kriegt, ins irische Callcenter verbunden. Der in Irland hoch entwickelten
Branche fehlen Tausende von Arbeitskräften. So viele, dass die Unternehmen
auf Berufserfahrung in ihrem Sektor oder Berufserfahrung überhaupt nicht
mehr bestehen. Wer der deutschen Sprache mächtig ist, hat den Job so gut
wie sicher. Der deutsche Markt ist groß und die Steuervorteile sind in
Irland so erstaunlich, dass hier immer mehr internationale Unternehmen
ihre Kundenbetreuung zentralisieren.
Wörter, die einem in Deutschland langsam auf die Nerven gehen, haben sich
hier binnen weniger Jahre mit Leben gefüllt: flexibel, innovativ, kreativ,
global. Flexibel muss man in Dublin allein schon
beim Weg zur Arbeit sein. Weder Bus, Bahn noch Dart (eine Art
S-Bahn) sind zuverlässige Transportmittel, mit dem Auto steckt man im
Dauerstau, Radfahren ist lebensgefährlich, zu Fuß gehen langwierig - und
doch schafft man es fast immer überall hin.
Trotzdem ist es natürlich ein Abenteuer, in ein fremdes Land zu ziehen.
Wer es wagt, kann viel neues erleben - vor allem sich selbst. Wer es geschafft
hat, mit rudimentären Sprachkenntnissen ein Vorstellungsgespräch übers
Telefon zu führen oder eine Wohnung zu mieten, der wird auch in anderen
Belangen mutiger. "Internationale Geländegängigkeit" nannte ein Manager
diese Eigenschaft (Spiegel vom 13.11.2000). Nicht wegen der Sprachkenntnisse
allein fischen Personalchefs aus der Bewerbermasse heute diejenigen heraus,
die einige Zeit im Ausland verbracht haben. Einen Weg finden, wo man sich
nicht auskennt, Kontakte knüpfen, wo man keinen kennt, kommunizieren,
ohne die Sprache zu beherrschen - lebensnotwendig für Unternehmen, die
die besten Standorte der Welt nutzen wollen. Bürger der EU benötigen übrigens
weder Aufenthalts- noch Arbeitsgenehmigung, die irische Bürokratie hat
ihren Namen nicht verdient: Um steuerlich erfasst zu werden (es gibt nur
zwei Steuersätze) genügt ein Formular, mit dem man gleichzeitig auch angemeldet
ist (für die Statistik).
Man sollte aber neben dem Lebenslauf den Spaß nicht
vergessen. Der ist am einfachsten im Pub zu haben. Hier treffen
sich die Iren mehrmals in der Woche. Wer Kontakte knüpfen, sich ein bisschen
unterhalten oder Leute fürs anschließende Clubbing finden will, hat hier
immer gute Chancen. Stefanie Gruber
Infos + Kontakt: Stefanie Gruber, Project Co-ordinator MarketREACH,
Tel. 00353 86 806 8362, Fax 00353 1 679 0318, E-Mail: stefanie@marketreach.ie,
Internet: http://www.marketreach.com
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