Bekömmlicher Zahlensalat
   
  Mathematikroman
 
 

Wer beim Roman "Die wilden Zahlen" komplizierte Rechnungen und unverständliches Mathematikgeschwafel erwartet, der kann beruhigt werden. Einmal in die Hand genommen, lässt der Roman einen nicht mehr los. Liebevoll und doch satirisch wird man durch einen kleinen, aber entscheidenden Lebensabschnitt des Mathematikprofessors Isaac Swift geführt.
Swift ist Mitte 30, ein ehrgeiziger, aber eher erfolgloser Dozent an einer Uni irgendwo in den USA. Seine ganze Liebe gilt der höheren Mathematik, in die er sich immer wieder flüchtet. Sein größter Traum ist es, endlich wie seine Kollegen einen Artikel in der hoch angesehen Fachzeitschrift "Number" zu veröffentlichen. Nur worüber? Als die Midlife-Crisis ihn schon zu zerfressen droht, taucht plötzlich ein älterer Herr namens Leonard Vale in seinen Vorlesungen auf.
Eines Tages legt Vale ihm einen Beweis vor, der die Lösung des Problems der so genannten wilden Zahlen enthalten soll, das die Mathematik schon seit über 150 Jahren beschäftigt. Die Lösung ist zwar völliger Humbug, aber Swifts Ehrgeiz ist geweckt. Tagelang brütet er über einer richtigen Lösung und muss dabei feststellen, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Endlich gelingt ihm der Durchbruch und der lang erträumten Veröffentlichung in "Number" steht nichts mehr im Wege. Aber da gibt es ja immer noch Herrn Vale, der sich geistig bestohlen fühlt. Das Ende jedenfalls kommt unerwartet ...
Autor Schogt zeigt auf amüsante Art und Weise, wohin übertriebener Ehrgeiz führt und dass man auch ein erfülltes Leben haben kann, ohne immer die Nummer Eins zu sein. Der Autor, 1960 in Amsterdam geboren, verbrachte selbst einen großen Teil seiner Jugend in Amerika und Kanada. Er studierte Philosophie und Mathematik an der Universität von Amsterdam. "Die wilden Zahlen" ist sein erster Roman und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Mein Urteil: Absolut lesenswert! Claudia Wessolly

Philibert Schogt: "Die wilden Zahlen", Knaus, München 2000; 224 S., DM 36.

RUBENS verlost das Buch unter allen, die uns bis zum 16.2.2001 eine Postkarte schicken: Pressestelle der RUB, Redaktion RUBENS, UV 3-366, 44780 Bochum; Stichwort ist die Antwort auf folgende Frage: "Wer spielt den Don Juan in der aktuellen Inszenierung der Studiobühne?" Viel Glück!

   
   
   
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01.02.2001