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Mit Beginn des WS 2000/2001 startete der internationale
Studiengang "Master of Arts in Development Management" am Institut für
Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE). Das neue Lehrangebot
der RUB ist in vielerlei Hinsicht innovativ.
Ein kalter Oktobermorgen am Düsseldorfer Flughafen. Ich stehe auf der
Ankunftsebene und warte auf einen Gast: Herrn Adyawarman aus Indonesien.
Endlich kommt er durch den Zoll und begrüßt mich. Er ist sichtlich übermüdet,
sein Gepäckwagen voll beladen mit Koffern und Taschen. Welche Erwartungen
hat er mitgebracht? Adyawarman ist einer von 21 Studierenden aus Afrika,
Asien, Europa, Lateinamerika und Ozeanien, die am neuen Lehrangebot teilnehmen.
Die meisten von ihnen haben in ihrer Heimat erste Berufserfahrungen im
Umfeld der Entwicklungszusammenarbeit gesammelt. Ihnen
sollen im Verlauf des drei Semester dauernden Studiengangs vor allem Methoden
des Programm- und Projektmanagements vermittelt werden. Denn nach wie
vor gibt es in Entwicklungsländern zu wenig heimische Fach- und Führungskräften
als Partner zur Planung und Durchführung von Entwicklungsprojekten.
Das neue Lehrangebot ist, entsprechend des Forschungsansatzes des IEE,
interdisziplinär. Die Vorlesungen umfassen einschlägige Veranstaltungen
aus den Bereichen Ökonomie, Sozial- und Politik-, Rechts- sowie Geowissenschaften.
Deshalb besitzt jeder Studierende in dem Fachbereich, in dem er in seinem
Heimatland einen Abschluss gemacht hat, sehr gute Vorkenntnisse. In vielen
anderen Fächern betritt er hingegen Neuland. Er wird allerdings durch
regelmäßige AGs unterstützt. Das individuelle Coaching in den AGs - bestehend
aus zwei bis drei Studierenden und einem Mentor -bildet eine der tragenden
Säulen des Studiengangs. Es trägt in erheblichem Maß dazu bei, die heterogenen
Vorkenntnisse zu homogenisieren. Diese individuelle Betreuung, sonst nicht
unbedingt eine Stärke deutscher Hochschulen, leistet das IEE überwiegend
aus eigenen Mitteln.
Neben Dozent/innen der RUB werden auch externe Referenten - Praktiker
aus der Entwicklungszusammenarbeit - an der Lehre beteiligt. Diese Verknüpfung
von theoretischen und praktischen Elementen der Ausbildung ist ein wichtiges
Kennzeichen des neuen Studiengangs. So werden alle Studierenden nach Abschluss
des ersten Semesters (Entwicklungstheorien und entwicklungspolitische
Strategien) ein vom IEE vermitteltes Praktikum in einer deutschen Institution
der Entwicklungszusammenarbeit absolvieren. Nach Ende des zweiten Studienabschnitts
(Vertiefung des Programm- und Projektmanagements) sind Feldforschungen
in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in den Heimatländern der Studierenden
vorgesehen. Sie dienen der weitergehenden Auseinandersetzung mit gewählten
Schwerpunkten und zum Vorbereiten auf die Masterarbeit, die im dritten
Semester geschrieben wird. Die Unterrichtssprache Englisch, individuelles
Coaching und Praxisrelevanz sind wohl die Gründe dafür, dass sich der
Studiengang bereits bei seinem ersten Durchgang einer beträchtlichen internationalen
Resonanz erfreut. So lagen IEE 162 Bewerbungen aus allen Kontinenten vor,
aus denen leider nur 21 ausgewählt werden konnten. Auch für den zweiten
Durchgang (Start: WS 2002/2003) sind bereits 59 Bewerbungen eingegangen.
Ein neuer Studiengang stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung
dar. Dies gilt vielleicht in besonderem Maße dann, wenn sowohl das Lehrangebot
interdisziplinär angelegt ist als auch die Studierenden aus ganz unterschiedlichen
Kulturkreisen stammen. Die ersten Erfahrungen sind jedoch durchaus positiv.
Es gehört zu den bleibenden Eindrücken, wenn bei der Weihnachtsfeier des
Instituts zwei Studierende aus Kamerun und Indonesien ein spanisches Weihnachtslied
singen. Ich bin bereits darauf gespannt, mit welchen
Eindrücken ich Herrn Adyawarman am Ende seines Studiums zum Düsseldorfer
Flughafen fahren werde. Hartmut Janus
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