21 Studierende aus 13 Ländern
   
  Neuer Studiengang am IEE
 
 

Mit Beginn des WS 2000/2001 startete der internationale Studiengang "Master of Arts in Development Management" am Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE). Das neue Lehrangebot der RUB ist in vielerlei Hinsicht innovativ.

Ein kalter Oktobermorgen am Düsseldorfer Flughafen. Ich stehe auf der Ankunftsebene und warte auf einen Gast: Herrn Adyawarman aus Indonesien. Endlich kommt er durch den Zoll und begrüßt mich. Er ist sichtlich übermüdet, sein Gepäckwagen voll beladen mit Koffern und Taschen. Welche Erwartungen hat er mitgebracht? Adyawarman ist einer von 21 Studierenden aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und Ozeanien, die am neuen Lehrangebot teilnehmen. Die meisten von ihnen haben in ihrer Heimat erste Berufserfahrungen im Umfeld der Entwicklungszusammenarbeit gesammelt. Ihnen sollen im Verlauf des drei Semester dauernden Studiengangs vor allem Methoden des Programm- und Projektmanagements vermittelt werden. Denn nach wie vor gibt es in Entwicklungsländern zu wenig heimische Fach- und Führungskräften als Partner zur Planung und Durchführung von Entwicklungsprojekten.
Das neue Lehrangebot ist, entsprechend des Forschungsansatzes des IEE, interdisziplinär. Die Vorlesungen umfassen einschlägige Veranstaltungen aus den Bereichen Ökonomie, Sozial- und Politik-, Rechts- sowie Geowissenschaften. Deshalb besitzt jeder Studierende in dem Fachbereich, in dem er in seinem Heimatland einen Abschluss gemacht hat, sehr gute Vorkenntnisse. In vielen anderen Fächern betritt er hingegen Neuland. Er wird allerdings durch regelmäßige AGs unterstützt. Das individuelle Coaching in den AGs - bestehend aus zwei bis drei Studierenden und einem Mentor -bildet eine der tragenden Säulen des Studiengangs. Es trägt in erheblichem Maß dazu bei, die heterogenen Vorkenntnisse zu homogenisieren. Diese individuelle Betreuung, sonst nicht unbedingt eine Stärke deutscher Hochschulen, leistet das IEE überwiegend aus eigenen Mitteln.
Neben Dozent/innen der RUB werden auch externe Referenten - Praktiker aus der Entwicklungszusammenarbeit - an der Lehre beteiligt. Diese Verknüpfung von theoretischen und praktischen Elementen der Ausbildung ist ein wichtiges Kennzeichen des neuen Studiengangs. So werden alle Studierenden nach Abschluss des ersten Semesters (Entwicklungstheorien und entwicklungspolitische Strategien) ein vom IEE vermitteltes Praktikum in einer deutschen Institution der Entwicklungszusammenarbeit absolvieren. Nach Ende des zweiten Studienabschnitts (Vertiefung des Programm- und Projektmanagements) sind Feldforschungen in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in den Heimatländern der Studierenden vorgesehen. Sie dienen der weitergehenden Auseinandersetzung mit gewählten Schwerpunkten und zum Vorbereiten auf die Masterarbeit, die im dritten Semester geschrieben wird. Die Unterrichtssprache Englisch, individuelles Coaching und Praxisrelevanz sind wohl die Gründe dafür, dass sich der Studiengang bereits bei seinem ersten Durchgang einer beträchtlichen internationalen Resonanz erfreut. So lagen IEE 162 Bewerbungen aus allen Kontinenten vor, aus denen leider nur 21 ausgewählt werden konnten. Auch für den zweiten Durchgang (Start: WS 2002/2003) sind bereits 59 Bewerbungen eingegangen. Ein neuer Studiengang stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar. Dies gilt vielleicht in besonderem Maße dann, wenn sowohl das Lehrangebot interdisziplinär angelegt ist als auch die Studierenden aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Die ersten Erfahrungen sind jedoch durchaus positiv. Es gehört zu den bleibenden Eindrücken, wenn bei der Weihnachtsfeier des Instituts zwei Studierende aus Kamerun und Indonesien ein spanisches Weihnachtslied singen. Ich bin bereits darauf gespannt, mit welchen Eindrücken ich Herrn Adyawarman am Ende seines Studiums zum Düsseldorfer Flughafen fahren werde. Hartmut Janus

   
   
   
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01.02.2001