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Es ist natürlich etwas Grundverschiedenes, einen Artikel über eine Ausstellung
zu redigieren und diese selbst zu besuchen. Natürlich: Bilder haben ein
ganz andere Wirkung als Worte. Diesmal freilich war der Unterschied größer
als gewöhnlich.
Die Fotograf/innen des Musischen Zentrums (MZ) waren auf Exkursion in
Krakau, der polnischen Kulturhauptstadt. Über 30 großformatige Schwarzweißfotografien
entstanden dabei und vermitteln einen einprägsamen Eindruck dieser dynamischen
Metropole. Gezeigt werden belebte Plätze, Fassaden, Straßenbahnen, Szenen
des Alltags - mal bei Sonne, mal im Regen. Doch die schönen Bilder von
Krakau sind nur ein Teil der aktuellen MZ-Ausstellung. Schließlich hatte
auf dem Programm der Exkursion auch das nahe gelegene Konzentrationslager
Auschwitz gestanden. Nach anfänglichem Zögern wurde auch hier fotografiert.
"Die Kamera half den Teilnehmern dabei, die schrecklichen Ereignisse der
Vergangenheit wenigstens in Ansätzen zu begreifen und emotional für sich
fassbar zu machen", erklärt Felix Freier, Leiter des MZ-Bereiches Fotografie.
Die Bilder von Auschwitz sollten jedoch nicht mit
den Krakau-Fotos vermischt werden; deshalb ist die Ausstellung in zwei
Bereiche geteilt.
Die Bilder von Auschwitz sind im hinteren Bereich des Foyer zu sehen.
Motive und Darstellungsformen sind sehr verschieden. Mal bilden - wie
zu Beginn des Rundgangs - viele kleine, ineinander gesteckte Fotos ein
großes Bild; gezeigt wird jeweils das Innere der Häftlingsbehausungen.
Darauf folgen eine extreme Großaufnahme von ein paar Zentimetern Stacheldraht,
verschwommene oder klare Aufnahmen von Gebäuden und Wegen, Negativbilder
und immer wieder Collagen.
Jedes Foto bildet einen Ausschnitt des Schreckens
ab. Egal, ob die Motive eindeutig sind (Stacheldraht, Baracken,
Kofferberge, Schuhberge) oder auf den ersten Blick harmlos wirken, wie
zum Beispiel eine Aufnahme, die Bahnschienen vor einem idyllischen Wald
zeigt. Im Konzentrationslager Auschwitz der vierziger Jahre war jedoch
nichts harmlos oder idyllisch. Dass die jetzige Situation ein wenig ambivalent
zu sein scheint, verdeutlicht nicht nur die Infotafel des Bereichs Fotografie.
Auch eines der Ausstellungsstücke - ein Filmstreifen - verknüpft geschickt
das Auschwitz von heute und gestern und deutet an, dass das ehemalige
Konzentrationslager derzeit auch einen Anziehungspunkt für Touristen darstellt.
Die Fotograf/innen des MZ waren jedoch weit davon entfernt, sich Auschwitz
als fotografierende Touristen zu nähern. Stattdessen dokumentierte jede/r
Einzelne die Eindrücke von Grausamkeit und Unmenschlichkeit auf ganz eigene
Art und Weise. Deren Wirkung wiederum sollte man
sich selbst stellen, indem man die Ausstellung besucht. Arne
Dessaul
Die Doppelausstellung "Krakau - Auschwitz" ist noch
bis zum 3. April im Foyer des MZ zu sehen, sie ist an Werktagen ganztägig
geöffnet und der Eintritt ist selbstverständlich frei.
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