GC: Schlipsträger und Ökosandalen
   
  Serie: Die Gebäude der RUB
 
 

Jeder kann sich sicher noch an sein erstes Semester an der RUB erinnern. Wer hat sich da anfangs nicht in den Kellern verirrt und verzweifelt den Ausgang gesucht? Wieso liegt der mal auf 05, mal auf 06? Gibt es bei den Raumnummern überhaupt ein System? RUBENS liefert Antworten, heute welche zu GC.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das GC nicht sonderlich von GA und GB, die zusammen den Block der Geisteswissenschaftler bilden. Im strahlenden Gelb steht es im Süden des westlichen Campus und ist das dritte und letzte Gebäude vom Forum aus gesehen. Auf den zweiten Blick fallen einem im Inneren des Hauses aber die verschiedenen Leute auf, die in großer Eile über die Flure hetzen oder auch ganz gemütlich mit einer Tasse Kaffee in der Hand zum Seminar schlendern.
Es sind diese unterschiedlichen Studierenden, die das GC so besonders machen. Zunächst wären da die Juristen, die ihre Zeit nicht nur im HZO verbringen, wie so mancher denkt; hinzu kommen Wirtschaftswissenschaftler und Sozialwissenschaftler - drei Studiengänge und drei Typen von Studierenden, die unterschiedlicher kaum sein können - und die freundlicherweise nebenbei ein paar Klischees bestätigen: Während viele Wiwis gern mit Anzug und Schlips zur Uni kommen, um zu zeigen, wie nahe sie bereits im Hörsaal dem Vorstandsvorsitzenden ihres Lieblingsunternehmens stehen, laufen einige Sowis in der Tat in Schlabberlook und Ökosandalen über die Gänge. Die Juristen erkennt man spätestens an den dicken roten Büchern unterm Arm. Apropos: Man erzählt sich gern, dass die Bücher in der Juristenbibliothek per akustischem Signal gesichert seien, da sonst ein Großteil der Bücher geklaut oder zerstört werden würde. Von wegen Recht und Gesetz!
Klar gibt es im GC genauso viele "Normale" wie Paradiesvögel, das ist wohl überall an der RUB so. Zum Glück kann man die drei Grüppchen meist friedlich zusammen in der Cafete sitzen sehen, die übrigens die Verrauchteste der G-Reihe ist. Vielleicht liegt das am Stress, den die zukünftigen Manager und Anwälte bereits im Studium spüren?! Jedenfalls wird man den Eindruck nicht los, dass es nebenan Germanisten oder Theologen ruhiger angehen lassen.
In GC sind die Männer in der Mehrheit, gerade mal 38 Prozent der Studierenden sind weiblich. Bei den Wiwis sind gar 71 Prozent männlich. Von der Zahl der Studierenden bilden die Juristen mit 4.268 die größte Gruppe. Es folgen die Wiwis mit 3.583 und die Sowis mit 1.980. Allerdings ist von der Überzahl der Juristen in GC wenig zu merken, da sie nach ihrer 1. Staatsprüfung ihre zweijährige Referendarausbildung haben, in der sie die Uni selten zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich sind viele ganz froh darüber, denn wer liebt schon überfüllte Hörsäle? Die gibt es bei den Juristen vor allem dann, wenn die Vorlesungen in HGC stattfinden und nicht im HZO. Auch die Wiwis bleiben von vollen Hörsälen nicht verschont und müssen dem Prof schon mal vom Flur aus zuhören. Besonders nützlich in GC ist die Garderobe auf Ebene 02. Dort nehmen freundliche Mitarbeiter/innen kostenlos Jacken und Taschen entgegen, wenn man z.B. mal in die Bibliothek will und nicht seinen ganzen Kram in die Schließfächer stopfen möchte.
Eine kleine Parallele zu Gebäude GA existiert übrigens doch. Hier wie dort sind die Fakultäten deutlich voneinander getrennt. Während man sich in GA von ganz unten (Psychologen) langsam (Pädagogen/Philosophen/Publizisten; Historiker) sprichwörtlich nach ganz, ganz oben (Katholische bzw. Evangelische Theologen) hoch arbeitet, könnten böse Zungen behaupten, im GC entspräche die Anordnung der drei Fakultäten dem Image des späteren Berufes: unterirdisch (03, 04, 05) lernen die Sowis, mittendrin die Wiwis (1, 2, 3, 4) und auf dem Gipfel die Juristen (5, 6, 7, 8). Zum Glück widersprechen die zahlreichen Erfolgsgeschichten Bochumer Sowis diesem Vorurteil. Man denke nur an den RUB-Absolventen Dr. Ludger Volmer, der als "grüner" Staatsminister im Auswärtigen Amt immerhin Deutschlands zweitwichtigster Außenpolitiker ist. Na gut, wir wollen fair sein: Bekanntlich leistet sich Außenminister Joschka Fischer zwei Staatsminister. Der andere heißt Dr. Christoph Zöpel (SPD). Auch er studierte an der RUB (war sogar mal Chef des AStA) und erwarb sein Diplom in Wirtschaftswissenschaft im GC. Laut seiner Vita besuchte Zöpel darüber hinaus Veranstaltungen im Öffentlichen Recht. So: Kreis geschlossen, Artikel beendet. Claudia Wessolly/ad

 

 

Steckbrief GC / GCFW
Errichtet: 1966 bis 1971 (endgültiger Bezug)
Größe: 34.685 qm
Anzahl der Räume: ca. 480
Nützlich: Garderobe auf 02, die jeder kostenlos nutzen kann

   
   
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01.02.2001