Besuch aus Tokio
   
  Nippon Foundation
 
  Volle drei Tage verbrachten Rieko Harue und Haruko Uchida an der RUB. Ihr Programm ließ nur wenig Platz für Freizeit. Im Mittelpunkt des Besuchs standen stattdessen Gespräche und Informationen. Schließlich arbeiten die beiden Japanerinnen in der Stipendienabteilung der Tokyo Foundation (RUBENS 18). Die Tokyo Foundation stellte der RUB im Sommer 1996 1 Mio. US Dollar zur Verfügung. Aus den Zinserträgen des Stiftungskapitals werden seitdem Forschungsvorhaben von Studierenden und Doktorand/innen gefördert, die das Thema "Europa im Wandel - Europäische Integration durch gemeinsame Entwicklungs-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik" behandeln. Das entsprechende Programm nennt sich "Sasakawa Young Leaders Fellowship Fund" und wird weltweit kurzerhand SYLFF genannt.
Konkret fördert die RUB mit dem SYLFF-Geld Forschungen der Institute für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV), für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE) sowie für Europäische Wirtschaft (IEW). Die Stipendien werden zur Teilnahme am Ausbildungsprogramm, für Reisebeihilfen und für kleinere Vortrags- und Forschungsvorhaben verwandt. Herauszufinden, wie das im Einzelnen funktioniert und welche Arbeit die drei Institute leisten, war Ziel der Reise von Harue und Uchida. Sie schauten dabei nicht nur hinter die Kulissen der RUB, sondern besuchten ebenfalls die Unis in Leipzig und Coimbra (Portugal), die gleichfalls am SYLFF-Programm teilnehmen.
Gleich zu Beginn ihres Aufenthalts an der RUB trafen die beiden Japanerinnen mit dem kompletten Team der Bochumer SYLFF-Verantwortlichen zusammen - und waren anschließend höchst erstaunt, wie effizient das Programm an der Ruhr-Uni organisiert ist. Vor allem wurde das Stiftungskapital besonders Gewinn bringend angelegt, so dass in Bochum verhältnismäßig viele Stipendiaten gleichzeitig gefördert werden können. Zusätzlich zum Finanziellen erfahren die "SYLFF-Fellows" der RUB enorme ideelle und wissenschaftliche Unterstützung seitens der drei beteiligten Institute. "Das Bochumer System ist einzigartig und sollte Vorbild für die anderen geförderten Unis sein", meinte Rieko Harue, die seit zwei Jahren in der Stipendienabteilung der Tokyo Foundation arbeitet und genau wie ihre Kollegin Haruko Uchida (sie ist seit einem Jahr dabei) etwa zwei- bis dreimal pro Jahr quer durch die Welt jettet, um geförderte Unis zu besuchen. "Trotz der technischen Möglichkeiten wie virtuelle Konferenz oder E-Mail ist der direkte Kontakt doch immer noch am besten", erklärt Uchida. Deshalb sind auch die vier anderen Kollegen der Stipendienabteilung regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs.
Klar, dass man so die unterschiedlichsten Kulturen kennen lernt und Vergleiche ziehen kann: beispielsweise zwischen einer altehrwürdigen Unistadt wie Coimbra und dem modernen Bochum. Allerdings ist man in Asien viel zu höflich, um in solchen Momenten zu drastisch zu unterscheiden. Dennoch kannte die Begeisterung fürs mittelalterliche Coimbra und seine historischen Bibliotheken kaum Grenzen, während Bochum eher in puncto Organisation und Perfektion gut abschnitt. Letztlich geht es jedoch nicht um die Attraktionen einer Stadt, sondern darum, dass man in Bochum, in Coimbra, in Tokio und allen anderen SYLFF-Orten am gleichen Strang zieht und intensiv kooperiert. Insbesondere die ehemaligen Stipendiaten (7.000 sind es seit der Einführung von SYLFF im Jahre 1987) sollen ein Netzwerk bilden. Aktuelle Geförderte sollen möglichst von vornherein in internationalen Teams zusammenarbeiten - so will eines der neueren Unterprogramme von SYLFF. Zwei aktuelle Bochumer SYLFF-Fellows trafen Rieko Harue und Haruko Uchida am Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht. Einer der beiden reiste eigens aus Brüssel an, um sein Projekt zu erläutern. Das beeindruckte selbst die beiden weit gereisten Frauen, denen das Besuchsprogramm übrigens doch ein paar Freizeitaktivitäten gestattete: u. a. einen Restaurantbesuch, von dem sie in höchsten Tönen schwärmten. Nicht nur deswegen wird es in absehbarer Zeit gewiss erneut Besuch aus Tokio geben. ad
 

 

Nippon Foundation
Ryoichi Sasakawa hat die Nippon Foundation 1962 mit dem Ziel gegründet, das Leiden in der Welt zu verringern und die Situation der Menschen zu verbessern. Er war der Überzeugung, dass die Welt eine Familie und alle Menschen Brüder und Schwestern seien. Seit ihrer Gründung arbeitet die Foundation weltweit mit verschiedenen Institutionen zusammen. Zur Nippon Foundation wiederum gehört die Tokyo Foundation. Eines der Programme dieser Stiftung ist der Sasakawa Young Leaders Fellowship Fund (SYLFF), der vor allem Universitätsabsolventen Hilfestellung leisten soll. Für dieses Programm erhielt die RUB vor rund vier Jahren das 1 Mio. Dollar umfassende Stiftungskapital. Die RUB war - nach Leipzig - die zweite deutsche Uni in diesem mittlerweile 61 Hochschulen umfassenden Kreis. Zu ihm gehören u.a. Princeton, Yale, Harvard (USA), Coimbra (Portugal), Uppsala (Schweden), Nairobi (Kenia), Sao Paulo (Brasilien). Alle zwei Jahre treffen sich die Verantwortlichen der geförderten Unis. Das letzte "SYLFF-Administrators' Meeting" fand im Mai 2000 in San Diego statt. Für die RUB war "Administrator" Petra Henseler (Dezernat 2) in Kalifornien und schwärmt noch ein halbes Jahr später von der "phantastischen Atmosphäre" und der "perfekten Organisation". Kein Wunder, dass sie sich auf nächste Treffen im Jahre 2002 freut. Das soll - pünktlich zum 15. Geburtstag von SYLFF - erstmals "daheim" in Tokio stattfinden. ad

SYLFF-Stipendien an der RUB
Insgesamt können an der RUB pro Jahr circa zehn Forschungsvorhaben bezuschusst werden. Über die Vergabe der SYLFF-Stipendien entscheidet ein Komitee. Ihm gehören die Leiter der geförderten Institute IFHV (Prof. Horst Fischer), IEE (Dr. Wilhelm Löwenstein) und IEW (Prof. Dieter Bender) sowie der ehemalige Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs (Prof. Peter Scheid) und die Leiterin des Dezernats 2 - Internationale Angelegenheiten, Forschungs- und Studierendenförderung (Petra Henseler) an. Stipendien werden vergeben an Studierende im Hauptstudium, Doktorand/innen und Postdoktorand/innen, die in den folgenden Bereichen über europäische Integration forschen: Jura, Humanitäre Hilfe, Sozialwissenschaft, Politikwissenschaft, Geowissenschaften, Wirtschaftswissenschaft oder Soziologie. Ein durchschnittliches, sechsmonatiges Stipendium im Inland beträgt maximal DM 6.200, ein entsprechend langer Auslandsaufenthalt wird mit höchstens DM 15.000 gefördert. Anträge können im Internet herunter geladen werden: http://www.ruhr-uni-bochum.de/sylff. Hier erfährt man auch weiteres zu den Voraussetzungen und über SYLFF selbst. ad

   
   
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02.01.2001