Bekenntnis einer Bakkalaurea
   
  Es geht doch: Job statt M.A.
 
  Ich bekenne: Ich bin ein Bachelor. Manche Leute sagen, ich bin NUR ein Bachelor. In der Zeitung stand sogar einmal was von "niederen Akademikern". Aber als fünfter Jahrgang der Spezies "gemeiner Bachelor" gehört man ja quasi noch zur Ursuppe des Magister-Reformmodells - da kann es schon mal passieren, dass Journalisten unsereins für eine niedere Lebensform halten. Immerhin: Wir scheinen einen schützenswerte Art zu sein, denn seit diesem Jahr gibt's den Bachelor in Bochum zum Teil als Regelstudiengang.
Um es vorweg zu nehmen: Der gemeine Bachelor an und für sich ist weder zu doof noch zu faul, um seinen Magister zu machen. Er entscheidet sich auch nicht aus reiner Nächstenliebe für das "kleine" Studium, damit Vater Staat bzw. das Land ein bisschen Geld spart. Nein, sechs Semester Uni (plus ein Prüfungssemester) haben mir schlicht und ergreifend gereicht! Gereicht für einen Job. Warum also hätte ich noch zwei Semester dran hängen sollen? Es gibt Jobs, da ist das Zeugnis zweitrangig. Stattdessen zählen die berühmt-berüchtigten Zusatzqualifikationen. Allein mit meinem Studium - Geschichte, Germanistik und Anglistik -wäre ich nicht weit gekommen. Brotlose Kunst, tote Römer und tote Dichter. Also: Praktika machen, sich als freie Mitarbeiterin verdingen. Und ehrlich gesagt: Bei keinem einzigen Bewerbungsgespräch hat mich jemand gefragt, warum ich denn "nur" ein Bachelor bin. Interessiert hat, was ich neben der Uni gemacht habe, meine Arbeit bei Zeitung, Radio und Pressestelle. Die Leute haben meine Arbeitsproben gelesen, nicht mein Unizeugnis.
Jetzt texte ich in einer PR-Agentur - und hätte als Magister die gleichen Konditionen bekommen. Weil die Note eben nicht alles ist. Ich möchte die Zeit an der Uni nicht missen, bestimmt nicht. Aber ich bin auch froh, dass ich die Möglichkeit hatte, mich mit dem Bachelor (und einem topmodischen blauen Talar) von der schönen RUB zu verabschieden. Denn der "kleine" Abschluss hat in meinem Fall voll und ganz gereicht.
Und mal ehrlich, wenn man erst mal ein paar Jahre Berufserfahrung hat, ist die Art der Graduierung ohnehin nicht mehr so wichtig (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Mit anderen Worten: Für manche Jobs braucht man einen Magister, für andere reicht der "kleine" Bachelor. Welcher Grad der Bessere ist, muss jeder selber entscheiden. Nur eins ist klar: DEN Abschluss gibt es nicht. Aber schließlich gibt es ja auch nicht DEN Job. In diesem Sinne: Ich bin ein Bachelor. Und ich bin stolz darauf! Sabine Raddatz (erwarb ihren B.A. vor knapp zwei Jahren an der RUB)
   
   
   
  Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief!
zurückblättern zur Themenübersicht weiterblättern

02.01.2001