| Leserbrief | |
| "Unter der Haut" Rubens Nr. 56 | |
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| Warum trifft ausgerechnet die Zeitung
der eigenen Universität die Studierenden der Medizin mit einer Kombination
aus sprachlicher Entgleisung, Taktlosigkeit und anmaßender Selbstgerechtigkeit
bis ins Mark? Thema der Artikel war der sensibelste Teil der
vorklinischen Ausbildung, das Sezieren von Leichen im Kursus der Anatomie.
Dieser Kurs lebt inhaltlich davon, dass das, was man als Student einmal
selbst sehen, fassen und spüren kann nicht mehr vergessen wird. So werden
profunde Kenntnisse über den Aufbau des Menschen vermittelt, die in fast
allen Bereichen später die Grundlage ärztlichen Handelns darstellen. Dafür
ist es nötig, dass sich Privatpersonen der Uni "spenden", will heißen, sich
nach Ihrem Tod für eben diesen Kurs zur Verfügung zu stellen. Obwohl man
denken könnte, dass die Wenigsten von dieser Idee angetan sind, gab es praktisch
nie Mangel an solchen Körperspendern, deren Motive durchaus vielfältig waren.
In den letzten Jahren allerdings ist hier ein eklatanter Rückgang der Spenderzahlen
eingetreten, der den Kurs in seiner Existenz bedroht. Daher ist dem Institut
für Anatomie viel daran gelegen, auf diesen Zustand in der Öffentlichkeit
hinzuweisen, um diesem Trend über Aufklärung entgegenzuwirken. Wer aber die in der Rubens erschienenen Artikel aufmerksam gelesen hat, muss entsetzt sein über die Art und Weise, wie hier mit der menschlichen Würde umgegangen wird. Auf dem Titelfoto war der Name einer Körperspenderin deutlich sichtbar inklusive Geburtsjahrgang abzulesen und direkt nach der nüchternen Beschreibung der Trauerfeier, der die Autorin nicht beigewohnt haben dürfte, wird auf das Verteilen des Sterbegeldes hingewiesen. Mit exakt dieser Unsensibilität darf solch ein Thema nicht angegangen werden. Darüber hinaus wirft die Autorin in ihrem Kommentar, der sich in zynischen Bildern verliert, der Uni und damit auch uns Studierenden Undank vor. Vielleicht hatte die Autorin beim Anblick der Gräber das Bedürfnis nach einem Denkmal oder einer anderen plastischen Dankbekundung unsererseits, daraus aber das Fehlen von Dank abzuleiten ist eine unfassbare Geringschätzung der Absolventen dieses Kurses. Jedes Jahr, trotz anstehender wichtiger Prüfungen, organisieren die Studierenden aus ihren Reihen heraus Monate im Voraus den feierlichen Rahmen der doppelten Begräbnisfeier mit Musik, Texten und Blumen als Beitrag zur Trauerfeier. Dass danach die Körperspender auf ihrem letzten Weg begleitet werden, ist Ehrensache und drückt besser als jedes Denkmal das aus, was wir für diese vorbildlich handelnden Menschen empfinden: den tiefen Dank, dass wir Ihnen die Grundlage unseres Wissens verdanken. In jedem Handgriff, den wir später in Ausübung unseres Berufes tätigen werden, manifestiert sich diese Verbundenheit auch ohne Dank-Mal, einfach als Denk-Mal! Hendrik Rüddel, Medizinstudent im 5. Semester Tobias Klein, Medizinstudent im 3. Semester Christine Purps, Medizinstudentin im 5. Semester Kai Tintrup, Medizinstudent im 5. Semester Jan-Mike Mertens, Medizinstudent im 5. Semester Roshan Mamarvar, Medizinstudent im PJ Dominique Versteegen, Medizinstudent im PJ |
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| 02.01.2001 |