| Habilitation auf Umwegen | |
| Sozialwissenschaftler an der Juristischen Fakultät | |
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| Ein Schlagbaum am Eingang, ein Wachhaus daneben, zwei Dienst
habende Offiziere, und den Ausweis muss man auch abgeben, wenn man das Gelände
betritt, dafür gibt es dann eine Aufenthaltserlaubnis. Was nach Kaserne
klingt und sich auch tatsächlich in einer ehemaligen Kaserne befindet, ist
der Campus der Bundeswehruni in München. Hier hat
sich Dr. rer. soc. Dr. rer. pol. habil. Stefan Machura am 29. Juni 2000
habilitiert. Der ebenso vorläufige wie ungewöhnliche Höhepunkt in einer
hindernisreichen akademischen Laufbahn. Stefan Machura, Jahrgang 1962, ist Absolvent der Sozialwissenschaft in Bochum, wo er 1992 auf einem ungewollten Umweg promovierte - nicht etwa der Vorschriften wegen, sondern, weil sein Doktorvater starb, kurz bevor Machura seine Dissertation beendet hatte. In Prof. Wilhelm Bleek (Politikwissenschaft) fand er jedoch einen Adoptivdoktorvater, der ihm keine Steine in den Weg legte und die Dissertation so annahm, wie Machura es mit seinem ursprünglichen Doktorvater abgesprochen hatte. Noch im gleichen Jahr kam er an die Juristische Fakultät, genauer an den Lehrstuhl für Rechtssoziologie und -philosophie von Prof. Klaus F. Röhl. Fragen des Rechts und der Rechtsprechung im Kontext zu sehen mit sozialen Strukturen und gesellschaftlichen Prozessen, ist das wissenschaftliche Steckenpferd von Machura - und sein Ziel war ursprünglich, sich auf diesem Gebiet zu habilitieren. Allerdings ist dies in der Rechtswissenschaft nicht möglich ohne das erste juristische Staatsexamen, was Stefan Machura durchaus kritisch betrachtet: "Zwar betont alle Welt, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, aber wenn es darauf ankommt, gibt es viele Regelungen, die das versperren." Dafür aber war ihm sein Adoptivdoktorvater dabei behilflich, einen externen Betreuer der Habilitation zu finden. Machura schaute sich um: Welche C4-Professoren Mitglied waren in einer Vereinigung für Rechtssoziologie? Diese, so seine Überlegung, müssten ein besonderes Interesse an dem Thema haben. Drei Namen kristallisierten sich dabei heraus, und Bleek knüpfte schließlich den Kontakt zu Prof. Rüdiger Voigt in München, Universität der Bundeswehr. Es mag ungewöhnlich klingen, dass sich jemand ausgerechnet dort habilitiert, aber Stefan Machura sieht gerade darin eine Chance für Außenstehende: "Wegen der untypischen Studenten, die allesamt Offiziere sind bzw. die Offizierslaufbahn einschlagen wollen, gibt es dort quasi keinen akademischen Nachwuchs und nur selten Habilitationen." Die Hacken zusammenschlagen musste er freilich nicht, als er den Campus betrat, und tatsächlich war er für den mündlichen Teil seiner Habilitation zum ersten und bisher letzten Mal an der Uni. Als "habilitierter Doktor der Staats- und Sozialwissenschaften", so der offizielle Titel nach bayerischer Lesart, hat Stefan Machura, der Sozialwissenschaftler an der Juristischen Fakultät der RUB, nun seit Juni eine Venia für Verwaltungswissenschaft - und befindet sich sodann in einer interessanten Situation. Mit einem Lächeln sagt er über sich selbst, er sei zwar habilitiert, aber als vermutlich einziger Habilitierter an der RUB kein Privatdozent (PD). Dafür müsste er in Bayern sowohl einen gesonderten Antrag stellen als auch Vorlesungen an der Bundeswehruni halten - und das wäre wegen der Entfernung recht unpraktisch. Mit sechs Semesterwochenstunden Lehrdeputat und begrenzt auf vier Jahre ist Machura seit dem 1. Oktober Oberassistent bei Prof. Röhl, um hier in Bochum dem Metier nachzugehen, das ihn interessiert: der Rechtssoziologie. jw |
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| 02.01.2001 |