| Wer woran glaubt | |
| Religionen im Ruhrgebiet | |
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| Darbysten, Buddhisten, Hinduisten, Urchristliche Mission
- und Sie? Das Ruhrgebiet ist Europas größter Ballungsraum mit mehr als
5 Mio. Einwohnern und einer entsprechend großen Vielfalt an Religionen und
Glaubensgemeinschaften. Was liegt da näher als die Frage: Wer glaubt eigentlich
was im Revier? Mit dem Ziel, einen "Atlas der Religionsgemeinschaften
im Ruhrgebiet" zu erstellen, startete ein Forschungsprojekt am Ökumenischen
Institut der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Prof. Erich
Geldbach, Dr. Peter Noss und Dr. Wolfgang Hering werden in den nächsten
zwei Jahren Daten und Fakten der unterschiedlichen Religionen zusammentragen
und daraus ein Nachschlagewerk erstellen, das auch im Internet zugänglich
sein soll. Dass christliche Traditionen nicht allein das religiöse Leben in Deutschland bestimmen, wird der Öffentlichkeit immer dann bewusst, wenn sich vor Ort z. B. die Frage stellt, ob der Ruf des Muezzin zum Gebet per Lautsprecher vom Minarett erschallen darf oder nicht. Doch es sind nicht nur die großen Weltreligionen, die im Ballungsraum nebeneinander existieren und zuweilen konkurrieren: Zugezogene Arbeitsuchende, ehemalige Gastarbeiterfamilien in zweiter oder dritter Generation und aufgenommene Flüchtlinge prägen ein vielfältiges religiöses Miteinander zwischen Duisburg und Hamm, Marl und Velbert. Ebenso sachlich wissenschaftlich wie behutsam wollen die Forscher vorgehen. Sie knüpfen Kontakte zu allen Religionsgemeinschaften und erheben Daten mit Hilfe eines Fragebogens; so hat jede Gemeinschaft die Möglichkeit einer Selbstdarstellung, z. B. zur eigenen Geschichte, Lehre und Aktivität. Diese überprüfen die Wissenschaftler mit offiziellen Verlautbarungen der Gemeinschaft, erstellen einen ersten Entwurf zu ihrer Darstellung und lassen diesen dann gegenlesen. So erarbeiten sie die endgültige Fassung für das Lexikon. Im Mittelpunkt der Darstellung einzelner Glaubensgemeinschaften stehen die Aspekte: Regionale Geschichte, Glaube und Lehre, Gottesdienst und Versammlungsweise, Organisation (Verwaltung, Finanzen, Status, Mitarbeiter) sowie Öffentlichkeit (Werbung, Kontakte, Dialog). Doch was ist Religion und was nicht? Die RUB-Theologen gehen pragmatisch vor und legen zwei Kriterien an eine Glaubensgemeinschaft an: Ein irgendwie gearteter "Glaube" muss fassbar und formulierbar sein, zudem muss sie eine Organisation erkennen lassen. Die so genannten neuen Psychogruppen, die New-Age-Religiosität und der Bereich Esoterik fallen somit weitgehend heraus, neue religiöse Bewegungen sollen hingegen aufgenommen werden - obgleich die Theologen bei einigen erhebliche Bedenken haben ... Durch das Lexikon sollen die Glaubensgemeinschaften selbst von- und übereinander lernen können. Ziel ist außerdem, dass sich Journalisten, Lehrer, die interessierte Öffentlichkeit sowie Behörden über die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften zuverlässig informieren können. Das Werk soll zahlreiche Auswirkungen haben, z. B. in der Städteplanung und bei der Vergabe von Grundstücken zum Bau von Kirchen und Gebetshäusern, bei Rechts-, Steuer- und Versicherungsfragen, bei der Planung von Kindergärten (aus welchem religiösen Milieu kommen die Kinder?) und bei Eheschließungen von religiös-gemischten Paaren. jw Infos: Prof. Dr. Erich Geldbach, Tel.: 0234/32-24793, eMail: erich.geldbach@ruhr-uni-bochum.de; seit dem 1.1.2001 sind die Beteiligten des Forschungsprojekts auch über die Mailingliste LexRelGem@ruhr-uni-bochum.de erreichbar. |
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| 02.01.2001 |