| Nicht so halbherzig | |
| Editorial zum Lehramt an der RUB | |
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| Der Senat der RUB hat sich am 14. Dezember
2000 einstimmig für die Beibehaltung der Lehrerausbildung ausgesprochen.
Die RUB böte wegen ihrer großen Fächervielfalt die besten Voraussetzungen,
um Lehrer fachlich qualifiziert für alle Schulformen der Sekundarstufe II
auszubilden, heißt es in der Resolution, die vom früheren Prorektor für
Lehre, Prof. Harro Müller-Michaels, und dem Lehrerbildungszentrum kurzfristig
in den Senat eingebracht und die ohne große Diskussion oder Emphase verabschiedet
worden ist. Ob das Signal dieser Resolution ausreichen wird, muss sich noch zeigen. Nur halbherzig haben sich einige Fakultäten in der Vergangenheit für die ungeliebte Lehrerausbildung eingesetzt. Ihre Berufungslisten auf Professuren für Fachdidaktik wiesen häufiger Fachwissenschaftler denn echte Fachdidaktiker mit Schulerfahrung aus; und bei der Gründung des Zentrums für Lehrerbildung (Juni/Juli 1999) ist die RUB auch nur in letzter Minute auf einen bereits fahrenden Zug aufgesprungen. Nun sprechen einige Indizien dafür, dass der Expertenrat der Landesregierung empfehlen wird, die Lehrerausbildung auf wenige Standorte zu konzentrieren - und die RUB soll nicht zu diesen gehören. Das Land könne sich nur noch leisten, so viele Lehrer auszubilden, wie es laut Prognosen tatsächlich bedürfe; gleichzeitig plane es, die Lehrerausbildung vom ersten Semester an zu professionalisieren - etwa wie früher in den Pädagogischen Hochschulen. Ob aus einer solchen Professionalisierung der Lehrerausbildung zwar der Pädagoge gestärkt, aber sein Fachwissen auf der Strecke bleiben wird, ist noch nicht ausgemacht. Fachwissen braucht er aber dringend in den höheren Klassen der Gymnasien und Gesamtschulen, in denen die wissenschaftliche Propädeutik an der Tagesordnung ist. Nun weiß man, dass auch Arbeitsmarkt- und Bedarfsprognosen keine besonders hohe Halbwertzeit besitzen. Derzeit suchen mehrere Länder per Zeitungsanzeigen und sonstigen Werbeaktionen händeringend Pädagogen für mehrere Schulformen - so auch NRW! Daher sollte die RUB jenes Signal der Resolution verstärken, das die Reform der Lehramtsstudiums einfordert. Die RUB hat eine bundesweit anerkannte Vorreiterrolle bei der Reform von Studiengängen nach dem Bachelor-/Magistermodell. Diese Stellung sollte sie intensiver auch für eine Reform der Lehrerausbildung einsetzen. Mit einer Experimentierklausel könnte die RUB ein integriertes Modell entwickeln und erproben, das Absolventen mit der Doppelqualifikation Magister/Staatsexamen entlässt - damit es nicht weiter heißt: "Lehrer sind doch nur für das Lehramt zu gebrauchen". jk |
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| 02.01.2001 |