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Ich hatte Ihren Artikel gelesen und beschlossen, zu gegebener Zeit dem
anatomischen Nachwuchs unter die Arme zu greifen. Begab mich zu diesem
Zweck in das angegebene Institut für Anatomie, MA, 6. Etage. Die Zimmernummer
war selbst herauszufinden; nun ja, ich bin ein findiger Mensch.
Nun hatte ich vielleicht auch etwas zu viel erwartet: Sanfte Menschen
geleiten einen in einen wohl temperierten Raum mit unaufdringlicher und
angemessener Hintergrundmusik. Man versinkt in einem flauschigen Fauteuil
und bekommt ein Gratisgetränk seiner Wahl. Schließlich erscheint - diskret
- ein freundlicher, weißhaariger Professor, verwickelt einen in ein angenehmes
Gespräch und zeigt sich als kompetent, lebensklug, herzenswarm und sensibel.
Mit einem dankbaren Leuchten in den Augen ergreift er schließlich meine
Hand und drückt sie lange und innig. Zwei gute Menschen haben sich verstanden.
Stattdessen erfahre ich in der 6. Etage, dass ich mit meinem Ansinnen
ins Erdgeschoss muss, da wäre jetzt aber das Büro geschlossen, weil unter
der Woche nur bis 12 Uhr Personenverkehr. Ich wundere mich darüber, warum
das nicht bereits in der RUBENS stand und trolle mich unverrichteter Dinge,
wie man in Verwaltungskreisen immer so schön zu sagen pflegt.
An und für sich komme ich nur sporadisch zur Uni, will aber jetzt doch
Nägel mit Köpfen machen und begebe mich einige Tage später nur zu dem
obigen Behufe gegen 11 Uhr zur Uni. Das angegebene Zimmer MA 0/44 liegt
- offenbar bewusst - versteckt. Aber ich bin ja findig und suche auf eigene
Faust. Ausgehängte Pläne weisen diese Zimmernummer nicht aus. Nach geraumer
Zeit muss ich erkennen: Ich bin auf fremde Hilfe angewiesen. Der 4. Versuch
ist erfolgreich. Ein schon grauer Mann, der sich wohl erst im Laufe vieler
Jahrzehnte das System der Zimmernummern (gibt es eines?) aneignen konnte,
läuft auf eine möglicherweise abgeschlossene(!) Korridortür zu und ist
erleichtert, wie ich, als diese aufgeht. Ich beeile mich, das mir bedeutete
Zimmer zu erreichen, denn der Zeiger meiner Uhr neigt sich bedenklich
der Mittagsstunde zu. Nun stehe ich vor dem Zimmer Nr. MA 0/44 und will
schon klopfen, da fällt mein Blick auf ein Schild an der Tür: mittwochs
von 7.30 bis 11 Uhr geöffnet. Heute ist Mittwoch, noch vor 12, aber weit
nach 11 Uhr!! Ein hilfreicher Mensch im Nebenzimmer kann mir da auch nicht
weiterhelfen.
Schauder und Zorn übermannen mich. Schauder: Wenn die schon zu Lebzeiten
so mit dir umspringen, wie wird es dir ergehen, nach beendetem Lebensvollzug.
Vielleicht verlieren sie dich aufgrund verpasster Öffnungszeiten in einer
dunklen Ecke zwischen Cafeteria und Bibliothek und nach acht Jahren sagt
irgendeine Putzfrau: "Kuckt mal, da liegt ja was." Zorn (bebender): Sehet,
dies ist mein Leib. Aber IHR werdet ihn nicht bekommen! IHR nicht! Echt!
Nie und nimmer! Achtungslos: Klaus Wühler
Anmerkung: Falls sich anhand des Artikels weitere Personen zur Körperspende
aufgerufen fühlen, hier nochmals kurz die übliche Vorgehensweise: Anruf
in der Prosektur (Heidrun Schepers, 0234/32-23970, Mo-Fr 8-12 Uhr); von
dort werden Fragebögen und Merkblätter zugesandt, die alles Weitere erklären.
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