"Ich weiß, was ich nicht weiß"
   
  Ausländeramt kommt zur RUB
 
  Bürgerfreundlich: Wann kommt schon mal die Behörde zu ihren Antragstellern? "Wir sind die einzige Ausländerbehörde, die selbst zur Uni geht und vor Ort informiert", so Martina Beulen von der Stadt Bochum. Ausgestattet mit einem großen Packen grauer Anträge mit viel klein gedrucktem "Fachchinesisch" half sie mit ihren Kolleginnen Susanne Masanek und Nicoletta Strieb zu Semesterbeginn 123 Austauschstudierenden im HZO 80 beim Ausfüllen der melderechtlichen Formalitäten. Ruthild Schulte vom Akademischen Auslandsamt machte gleichzeitig über den Tageslichtprojektor und mit etwas Englisch das Amtsdeutsch verständlich.
Zwar sprechen die Programmstudierenden (Sokrates oder Erasmus) Deutsch, beherrschen jedoch nicht alle Feinheiten. Elena aus Madrid kommt alles immer noch Spanisch vor: "Brauchen wir nun ein oder zwei Fotos?" fragt sie ihren Nachbarn. Sie braucht eins, denn sie kommt aus einem EU-Land. Schulte erklärt gerade zum dritten Mal den Eintrag mit dem Datum der Reisepassausstellung. Ein Student aus der ersten Reihe hält verzweifelt den schon vor vier Jahren abgelaufenen Personalausweis vor sich, der in zwei Teile auseinander zu fallen droht. "Den muss ich wohl erneuern", murmelt er zerknirscht. Den erforderlichen Reisepass besitzt er erst gar nicht. Vito aus Catania (Sizilien), Charmeur mit hervorragenden Deutschkenntnissen, sagt mit gerunzelter Stirn: "Ich weiß jetzt, was ich nicht weiß."
Vito, Elena, Cäcilia und viele ihrer Kommiliton/innen sind erstmals im Rahmen eines europäischen Austauschprogrammes an der RUB. Die meisten von ihnen kommen in diesem Jahr aus Spanien, viele aus Italien, vereinzelt aber auch aus Ungarn, Aserbaidschan, Georgien oder dem fernen Kirgistan und Usbekistan. Am häufigsten wollen sie Germanistik oder Wiwi studieren. Für ein Japanologiestudium in Deutschland machte sich eine Studentin von der Kyushu Universität in Fukuoka mehrere tausend Kilometer auf den Weg, als spräche man in Bochum besser japanisch als in Japan. Ruthild Schulte: "Ohnehin scheinen die weiblichen Studierenden mobiler zu sein."
Nach 90 Minuten hat sich das Sprachenbabylon im HZO wieder gelöst. Die Meldebögen von 123 Studierenden sind komplett ausgefüllt und können nun in Ruhe von Martina Beulen und ihren Kolleginnen bearbeitet werden. Die Meldebestätigungen schicken sie anschließend zurück ins Akademische Auslandsamt, wo die Studierenden sie persönlich bei Ruthild Schulte abholen. "So entsteht ein ständiger intensiver Kontakt mit mir", freut diese sich über ihre lebhafte Gruppe. Nur die Nicht-EU-Studierenden müssen noch einmal kurz für die Verlängerung des Visa aufs Ausländeramt. Dass die Bochumer Behörde schon das fünfte Mal den Weg zur RUB fand, spricht für den Erfolg der eigentlich aus der Not geborenen Aktion. Denn, so Beulen, "wir hatten gar keinen so großen Raum." Nun hat die Stadt Bochum viel Zeit und vor allem für Austauschstudierende und Uni ein Gesicht gewonnen. tas
   
   
   
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01.12.2000