| Fit für die Wirtschaft | |
| Kobra stärkt Geisteswissenschaftler | |
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| "Ich studiere Geisteswissenschaften." - "Und was willst du
damit machen?" - "Tja, ich wüsste schon etwas, aber ob die mich nehmen...
Ich habe ja kaum Ahnung von Wirtschaft." So oder ähnlich laufen viele Gespräche
angehender Geisteswissenschaftler im Bekanntenkreis ab. Der Berufseinstieg
erscheint oft als unüberwindbares Hindernis, besonders wenn die Absolventen
"in die Wirtschaft" wollen. Denn mangelnde fachliche Qualifikationen einerseits
und fehlendes Zutrauen in den Chefetagen andererseits machen es Einsteigern
nicht leicht, sich in Personalabteilungen, Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing
zu etablieren. An diesem Punkt setzt ein neues Pilotprojekt an, das die Koordinierungs- und Beratungsstelle der RUB (KoBra), das Bochumer Arbeitsamt und die IHK gemeinsam am 12. Oktober auf den Weg brachten. 26 Studierende der Geisteswissenschaften absolvieren in zwei Semestern das studienbegleitende Praxisprogramm "Wirtschaft für Nichtökonomen". In Wochenendseminaren erarbeiten sie sich wirtschaftliches Grundwissen und Kenntnisse in Projektmanagement und Marketing. EDV-Kurse und Einführungen in Rechtsprobleme runden das Programm ab, das Dozenten der IHK leiten. Das IHK-Zertifikat "Marketingreferent", das die Teilnehmer im zweiten Teil des Programms erwerben, setzt das i-Tüpfelchen auf die Ausbildung. "Ich habe bei früheren Praktika gemerkt, dass man ohne Wirtschaftskenntnisse irgendwann nicht weiter kommt. Mit dem Wissen im Hintergrund kann ich souveräner arbeiten", erklärt Barbara Buchholz ihre Motivation. Die Teilnehmerin studiert Kunstgeschichte, Germanistik und Wiwi. Sie bringt die Gründe vieler Teilnehmer auf den Punkt, indem sie sagt: "Wenn ich einen Markt beeinflussen will, muss ich erst einmal wissen, wie er funktioniert." Sandra Bosnjak (sie studiert Philosophie, Germanistik sowie Film- und Fernsehwissenschaft) möchte sich später selbständig machen. Besonders betriebswirtschaftliche und juristische Kenntnisse sind daher für sie wichtig. "Im Selbststudium wäre ich vermutlich etwas überfordert. Aber ich will später den Experten nicht völlig unwissend ausgeliefert sein", schmunzelt die 26-jährige. Britta Freis, Leiterin von KoBra, erläutert: "In anderen Regionen laufen ähnliche Programme seit Jahren mit Erfolg. Ich bin sicher, dass unsere Qualifikation für Absolventen wie ein Türöffner in die Wirtschaft wirken kann." Im Sommer 2001 erhalten die Teilnehmer ihre Zertifikate. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt sollen danach in die Planung weiterer Programme einfließen. Tanja Schepers |
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| 02.11.2000 |