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Er ist ein Schnellentscheider, sagt er von sich und begründet damit
zugleich auch seine wirtschaftlichen Erfolge. Viel zu langsam mahlen für
Horst Görtz die Mühlen an der Universität. Dafür aber "vortrefflich fein",
was den Aufbau von EURUBITS - des Europäischen Instituts für IT-Sicherheit
an der RUB - betrifft. Am 5. Oktober hat sich der großzügige Stifter selbst
vom Stand der Dinge überzeugt. Seinen Besuch nutzte Dr. Barbara Kruse
zum Interview.
Ist es richtig, dass Ihr Interesse am Thema "Informationssicherheit"
mit einem verlorenen Auftrag Ihrer Firma erwachte?
Ja, ja, das ist genau richtig. Die Utimaco Software GmbH war erst ein
halbes Jahr alt. Wir hatten in einen Auftrag schon viel Arbeit investiert
- es ging darum, eine Software zu entwickeln, um Schwarzfahrer in regionalen
Datenbanken zu speichern und damit Mehrfachtäter zu erwischen. Und dann
hat der Datenschutzbeauftragte des Kunden entschieden: "Das kann und darf
unter keinen Umständen auf PCs gemacht werden". So ein Auftrag wäre Arbeit
für ein halbes Jahr oder länger gewesen. Das hat mich schon geärgert,
ich bin in mein Auto gestiegen, bis zur Utimaco war es eine Viertelstunde
zu fahren. Dort habe ich gesagt, ich entwickle ein Sicherheitssystem für
den PC. Das ist zwanzig Jahre her.
Mit nunmehr 8,7 Mio. DM fördern Sie bzw. die Horst-Görtz-Stiftung
EURUBITS. Wie kam es zu dieser großzügigen Förderung gerade für dieses
Institut hier an der RUB?
Ende 96 ist die Stiftung gegründet worden. Sie wurde mit 17.000 Aktien
von einer meiner Firmen ausgestattet, die damals mit 1.000 Mark pro Stück
gehandelt wurden. Dann hat es die Umstellung gegeben auf die Fünf-Mark-Aktie
und schließlich auf den EURO und dann Kapitalerhöhungen usw., da sind
eine Menge Aktien draus geworden, die heute etwa 60 Mio. wert sind, aber
auch schon mal 100 Mio. DM wert waren. In der Satzung steht, erstes und
wichtigstes Ziel der Stiftung ist die Förderung von Forschung und Lehre
im Bereich Informationstechnologie, vornehmlich im Bereich Informationssicherheit.
Um das umzusetzen, hab ich natürlich mit dem einen oder anderen gesprochen
und hier und da mal was gelesen und dann fiel mir plötzlich eine Zeitungsnotiz
in die Hand - und dann kam es zu einem ersten Zusammentreffen mit Professor
Bormann und Frau Henseler. Ja, ich hatte endlich das gefunden, was ich
gesucht hatte. Und da ich immer ein Schnellentscheider gewesen bin, ging
das dann auch ruck zuck.
Sie hatten heute Gelegenheit, sich über den Stand
der Dinge zu informieren, wie ist Ihr Eindruck?
Also zunächst
mal hab ich den Eindruck - ich bin ja vorgewarnt worden -, dass es in
der Uni nicht so schnell geht, wie man sich das manchmal wünscht. Wir
hatten ja gehofft, dass es jetzt zum Herbst wirklich losgeht, müssen aber
nun hinnehmen, dass es vielleicht noch ein halbes Jahr dauert. Manchmal
mahlen die Mühlen etwas langsamer, aber dafür vortrefflich fein. Ich glaube,
wenn die drei Lehrstühle so wie erhofft besetzt werden können, dann haben
wir eine gute Lösung. Was ich vor allen Dingen toll finde, ist, dass es
so viel Unterstützung von überall her gibt. Ob das Bundesministerien sind
oder Landesministerien, die öffentliche Hand - scheint mir - ist sehr
positiv zugetan. Jetzt gilt es nur noch, die Wirtschaft zu gewinnen. Aber
die können wir erst gewinnen, wenn das Ganze läuft. Denen können wir nicht
mit Plänen kommen, sondern müssen Fakten vorweisen. Es geht ja hier vor
allem um Ausbildung und die meisten Unternehmen sind wohl gerne bereit,
in Ausbildung zu investieren. Der Nutzen ist offensichtlich - besser geschulte
Mitarbeiter.
Nicht nur IT-Sicherheit steht auf Ihrem heutigen
Programm. Konnten Sie auch andere Seiten dieser Universität entdecken?
Beeindruckend ist schon die Größe des Komplexes, nicht so sehr beeindruckend
ist der Zustand der Bausubstanz. Da wird ja auch ständig nachgebessert.
Was mich persönlich heute ganz stark beeindruckt hat, war die Mineraliensammlung.
Ich war hin und weg und ich hab mich noch mal für einen halben Tag angesagt.
Ihr Hobby ist die Mineralogie. Was fasziniert Sie
an den Steinen?
Die Vielfalt natürlich, die Nähe zur Natur. Ich bin sehr reiselustig,
immer auf Tour. Ich hab dann Steine mitgebracht, von überall her, und
hab mir die ersten Bücher gekauft und versucht, die Steine zu bestimmen.
Und dann hab ich angefangen, Sand zu sammeln, inzwischen sind es 160 volle
kleine Boxen. Ich habe immer leere Filmdosen dabei und wenn ich irgendwo
bin, nehme ich mir eine Sandprobe mit.
Ein weiteres Hobby muss das "Geld vermehren" sein.
Über Ihre Homepage (http://www.horst-goertz.de)
lassen Sie auch andere an Ihren Erfahrungen teilhaben. Wie wär's mit einen
heißen Tipp für die Börsianer unter unseren Lesern?
Ein ganz genereller Tipp: Wer keine Zeit hat und keine Vorkenntnisse,
sollte sich an der Börse von allem, was spekulativ ist, fern halten, sollte
in ausgewählte Blue Chips investieren. Ich sage immer und jedem, man soll
nicht mehr als fünf Prozent spekulativ investieren. Da kann man natürlich,
wenn man das Richtige tut, auch mächtig Geld verdienen. Ich hab vor etwas
mehr als einem Jahr in eine Biotech-Firma investiert - HGSI - und weil
ich damals wirklich ein gutes Bauchgefühl hatte, hab ich 70.000 Mark in
Aktien investiert, das ist heute 700.000 Mark wert. Hätte natürlich auch
rückwärts laufen können.
Finden Sie neben Ihrem breiten Engagement auch
Zeit zum angenehmen Nichtstun nach dem Motto: "Es ist schön, Millionär
zu sein"? Wie dürfen wir uns Ihren Alltag im so genannten Unruhestand
vorstellen?
Seit sechs Jahren habe ich eine Immobilie auf Marbella und verbringe einen
Teil des Jahres dort. Aber glauben Sie nicht, ich läge da auf der faulen
Haut. Ich habe dort ein komplett eingerichtetes Büro und bin ständig in
Kontakt mit meiner Umwelt - natürlich auch mit Börsen. Weil ich sehr aktiv
investiere, muss ich genau wissen, was da läuft. Ich habe einen sehr großen
Geldbetrag der Stiftung gegeben; hab selbst einen viel kleineren Teil
behalten, den kann ich immer so vermehren, dass ich, ohne an die Substanz
zu gehen, perfekt leben kann. Dazu muss man aber was tun. Wenn ich das
aufs Sparkonto lege, könnte ich davon nicht leben. Zudem bin ich in den
Aufsichtsräten von vier Unternehmen, zweimal davon als Vorsitzender. Und
ich kann Ihnen sagen, das alles hält mich im Laufen.
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