Ein Stück vom Nobelpreis
   
  Gaos Werke an der RUB
 
  Als erster chinesischer Schriftsteller erhält Gao Xingjian im Dezember den Literaturnobelpreis. Ein kleines Stück vom Ruhm fällt dabei auch für die RUB ab, namentlich für den Lehrstuhl Sprache und Literatur Chinas. Dessen Inhaber, der im vergangenen Jahr verstorbene Helmut Martin, gab vier der Werke Gaos heraus. Die Dramen sind die einzigen auf Deutsch erhältlichen Bücher des künftigen Nobelpreisträgers. Prof. Martin und seine Frau Tienchi Martin-Liao (Geschäftsführerin des Richard-Wilhelm-Übersetzungszentrums der RUB) lernten Gao Mitte der Achtziger kennen. Martin erkannte die hohe Qualität der dichterischen Leistung und gab binnen kurzer Zeit in seiner Reihe "Chinathemen" drei Dramen Gaos heraus; Mitte der Neunziger folgte in der mittlerweile umbenannten Reihe ("Edition Cathay") das vierte Drama. Zugleich hielten die Martins engen Kontakt zu Gao Xingjian, der inzwischen in Paris lebte. Frau Martin-Liao beschreibt den Dichter als "einen sehr netten, sehr menschlichen Intellektuellen, mit dem man stundenlang über Literatur, Politik, Umwelt und vieles mehr sprechen kann." Persönlich empfiehlt sie den deutschen Leser/innen vor allem die Dramen Gaos, speziell das zuletzt von ihrem Mann herausgegebene "JA oder/und NEIN". Tienchi Martin-Liaos Lieblingswerk von Gao, "Der Berg der Seele", ist noch nicht ins Deutsche übertragen. "Eigentlich handelt es sich dabei um eine Reiseaufzeichnung", erklärt Martin-Liao. "Gao hat ganz China bereist und beschreibt in philosophischer Weise die Geographie und Geschichte seiner Heimat. Das Buch muss aber zunächst in einer guten deutschen Übersetzung vorliegen." ad
   
   
   
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02.11.2000