Weltenbummel als Nebenfach
   
  Zu Gast an der RUB: Alexandra Johnson
 
  Fröhlich, tolerant und offen für alles - drei Dinge, die Alexandra Johnson auszeichnen. Eine Menge hat sie bereits von der Welt gesehen - so war die Ruhr-Uni im Sommer nur ein weiterer Zwischenstop in dem beeindruckenden Lebenslauf der jungen Juristin aus St. Louis. Sechs Wochen verbrachte sie als Stipendiatin des Vereins zur Förderung der Rechtswissenschaft am Lehrstuhl von Prof. Helmut Siekmann, um eine Arbeit für ihr Graduiertenstudium an der St. Louis University zu schreiben.
Geboren als Tochter eines deutschstämmigen Amerikaners und einer mexikanischen Professorin ist die 27-Jährige zweisprachig und in einem bikulturellen Elternhaus aufgewachsen. "Meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass wir beide Seiten schätzen lernen. Jeden Sommer haben wir in Zentralamerika verbracht", erzählt Johnson. "Nicht nur die Zweisprachigkeit war eine absolute Bereicherung. Besonders als Frau kann man zwischen diesen beiden Kulturen die schönen Dinge für sich auswählen. Als Frau bin ich gerne Amerikanerin, aber als Mutter würde ich immer die Mexikanerin in mir vorziehen."
Nach dem Abitur in Mexiko verbrachte Johnson ein weiteres Jahr an einem Lycée im französischen Nantes. Nach drei Jahren Deutsch- und Französischstudium in St. Louis stand die nächste größere Reise an. Für drei Semester studierte Alexandra in Bonn und lernte das Leben in Deutschland erstmals richtig kennen. Die strengeren Regeln hier haben sie aber nicht gestört - die junge Weltenbummlerin glaubt, dass diese Erfahrungen sogar zu ihrem Entschluss, Jura zu studieren, beigetragen haben.
Von ihrem diesjährigen Aufenthalt war sie begeistert: "Bochum ist toll! Überall ist es so grün, Natur, wo man hinschaut. Außerdem ist man schnell in Köln oder Amsterdam. An der Uni beeindruckt mich besonders die europäische akademische Atmosphäre. Ich glaube, dass hier der menschliche Kontakt mehr zählt als nur Äußerlichkeiten." Kollegen und Studenten am Lehrstuhl für Öffentliches Recht (insbesondere Staatsrecht) haben sie herzlich aufgenommen. "Unheimlich unterstützt worden" sei sie insbesondere bei ihrem Forschungsvorhaben. Die Studienarbeit beschäftigt sich mit Meinungsfreiheit und der unkontrollierbaren Verbreitung von verbotenen Inhalten im Internet. Für Alexandra Johnson ein hochaktuelles Thema, das beim Vergleich der amerikanischen und deutschen Rechtslage oft eine Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit und moralischen Bedenken bedeutet.
"Leider", so sagt sie, konnte sie nur sechs Wochen hier bleiben. Mit Sicherheit aber war das nicht ihr letzter Aufenthalt in Deutschland. Im Herbst 2001 will sie als fertige Juristin wieder nach Deutschland kommen. Und selbst für die Zeit danach hat sie bereits Pläne. Mit einer Promotion will sie ihre Studienlaufbahn abschließen - ab 2002 in Japan! Tanja Schepers
   
   
   
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02.11.2000