| Sparen und werben | |
| Editorial | |
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| Allmählich wird's ernst. Ende September
hat das NRW-Wissenschaftsministerium per Erlass den Hochschulen die Bewirtschaftungsbefugnis
entzogen für die Stellen in den Fächern Evangelische und Katholische Theologie,
Chemie und Maschinenbau, sowie, unabhängig vom Fach, für die Stellen, die
überwiegend für die Lehrerausbildung gebraucht werden (siehe
nebenstehenden Artikel). Mit diesem Erlass signalisiert die Landesregierung, wo sie erste Konsequenzen aus dem Bericht des Expertenrats zu ziehen gedenkt. Ihr Vorgehen scheint auf dem ersten Blick folgerichtig: Mit den Theologien nimmt sie sich Fächer vor, die eine äußerst niedrige Auslastung aufweisen - in der RUB teilweise unter 20%. In Chemie und Maschinenbau greift sie in Fächer ein, die von Studienanfängern wenig nachgefragt werden und zudem sehr hohe Investitionskosten verursachen; allein die Neubesetzung eines Chemie- oder Maschinenbaulehrstuhls kostet meist weit mehr als 1 Mio. Mark - Folgekosten nicht mitgerechnet. Und mit dem Eingriff in die Lehrerausbildung sagt schließlich die ehemalige Paukerin Gabriele Behler: "So viele Lehrer werden wir in Zukunft einstellen." Und wie reagieren die Fächer auf die Situation? "Die Politiker sind doch nur von dem beeindruckt, was in der Zeitung steht", sagte mir vor wenigen Tagen ein Dekan am Telefon und bat uns, die Zeitungsbeiträge zusammenstellen, die in den letzten Jahren über sein Fach erschienen sind. Und das andere Fach hat vor wenigen Wochen eine eigene Stelle für "Öffentlichkeitsarbeit" ausgeschrieben. Das sind keine isolierten RUB-Erscheinungen. Blickt man in die Republik, so ist allenthalben in den Hochschulen das Bemühen sichtbar, die eigene Präsenz in der Öffentlichkeit zu verstärken. Es entstehen neue Stellen für Marketingreferenten, Öffentlichkeitsarbeit, Online-Redaktionen und Sponsoring-Akquisition. Selbst kleine Fachhochschulen weisen inzwischen dafür Sachmitteletats aus, von denen Kollegen in einigen altehrwürdigen Hochschulen kaum zu träumen wagen. Damit holt Deutschland nur eine Entwicklung ein, die in Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, usw. längst viel weiter fortgeschritten ist: Je mehr sich der Staat aus der Finanzierung der Hochschulen zurückzieht, je mehr diese ihr Geld gleichsam "selbst verdienen" müssen, desto mehr investieren sie in Werbung und öffentlicher Präsenz. Und dennoch bleibt die alte Devise wahr: "Tue Gutes und rede darüber" - in dieser Reihenfolge! In der zunehmenden Konkurrenz sollte man zunächst die innovativen Produkte schaffen und erst dann für sie werben. Sonst könnte der Schuss nach hinten losgehen. Die aktuellen Zuwächse bei den Studienanfängern in den Fakultäten Bauingenieurwesen sowie Elektrotechnik sind jedenfalls eine Folge ihrer neuen Produkte: "Ressourcenmanagement und Umwelttechnik" sowie "IT-Sicherheit". jk |
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| 02.11.2000 |