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  Prof. Knut Ipsen emeritiert
 
  Mit einem Festakt im Musischen Zentrum wurde am 12. Juli Prof. Knut Ipsen (Öffentliches Recht; Völkerrecht, Juristische Fakultät) emeritiert. Mit ihm verabschiedete die RUB einen ihrer bekanntesten und herausragenden Wissenschaftler und Hochschulpolitiker.
Die lange und abwechslungsreiche Liste der Ehrungen und Ämter demonstriert es nachhaltig: Knut Ipsen ist nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler, sondern eine prominente Persönlichkeit des öffentlichen Lebens im In- und Ausland. Sein Einsatz und fundiertes Wissen in Humanitären Völkerrecht oder Friedenssicherungsrecht prädestinierte ihn für leitende Aufgaben sowohl in der Uni als auch in Politik und Gesellschaft. So war der Völkerrechtsexperte nicht nur zehn Jahre lang Rektor der RUB und erhielt Ehrendoktortitel in Krakau, Sheffield, Breslau und Frankfurt/Oder, Ipsen ist zudem u.a. Mitglied des Ständigen Schiedsgerichtshofs in Den Haag und des Beirats der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Seit 1994 ist er Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Für seine Verdienste erhielt er neben wissenschaftlichen Ehrenbezeigungen häufig hohe staatsbürgerliche Anerkennung, so den Ehrenring der Stadt Bochum oder das Kavalierkreuz des Verdienstordens der Republik Polen.
Ipsens außergewöhnliches Engagement innerhalb und außerhalb der Universität brachte RUB-Rektor Prof. Dietmar Petzina in seinem Grußwort während der Emeritierung, direkt an Prof. Ipsen gerichtet, auf den Punkt: "Sie haben immer dann, wenn es die Sache oder die Probleme erforderten, im besten Sinne angepackt. Institutionelle Loyalität und problemorientiertes Handeln bilden den Nenner für das öffentliche Wirken in vielen Bereichen."
Ipsens wissenschaftliches Werk ist von friedenspolitischer Aktivität bestimmt. Die praktisch relevanten Probleme der völkerrechtlichen Regelungen standen im Mittelpunkt seines Schaffens. Gerade die Praxisorientiertheit seiner Arbeit ließ Ipsen zu neuen Ufern vorstoßen. Er hat in seinem Lehrbuch "Völkerrecht" dargelegt, dass sich den Völkerrechtlern die Aufgabe stellt, die Mechanismen der Krisenbeherrschung, Streitschlichtung, Konfliktverhinderung und -eindämmung rechtlich weiter abzusichern, auszubauen und fortzuentwickeln. Er war schon Ende der Siebziger Jahre überzeugt, dass die Bewältigung dieser Aufgabe zu einer neuen völkerrechtlichen Disziplin - dem Recht der Friedenssicherung - führen und die aufgezeigte systematische Unterteilung überwinden werde. Mit der Gründung des Instituts für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht an der RUB (1988) hat Ipsen institutionelle Zeichen für die anstehende dogmatische Innovation gesetzt. ad
  Biographisches
Knut Ipsen wurde am 9. Juni 1935 in Hamburg geboren. Zwischen 1959 und 1962 studierte er Jura in Kiel. Am dortigen Institut für Internationales Recht arbeitete anschließend als Wissenschaftliche Hilfskraft. Von 1964 bis 1967 absolvierte Ipsen sein Juristisches Referendariat. 1967 wurde er in Kiel promoviert und bestand die Zweite Juristische Staatsprüfung. Die nächsten sieben Jahre arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent am Kieler Institut für Internationales Recht, wo er sich schließlich habilitierte. Nach einer Lehrstuhlvertretung in Kiel übernahm Ipsen im Sommersemester 1974 den Lehrstuhl für Öffentliches Recht (Völkerrecht) an der RUB. Zwei Jahre später wurde er Mitglied im Direktorium des Instituts für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik. Von 1977 bis 1979 war Ipsen Prorektor für Lehre und in den folgenden zehn Jahren leitete er als Rektor die Geschicke der Uni. Parallel wurde er Mitglied in unterschiedlichen wissenschaftlichen oder (gesellschafts-)politischen Institutionen, z. B. beim Deutschen Roten Kreuz und in der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Auch nach seiner Zeit als Rektor der RUB blieb Ipsen hochschulpolitisch engagiert. Er gründete 1988 das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht an der RUB und war Mitglied der Direktorien des Institutes für Berg- und Energierecht bzw. des Institutes für Deutschlandforschung. 1994 schließlich wurde er Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Knut Ipsen ist (seit 1963) verheiratet und Vater zweier Kinder. ad
   
   
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01.10.2000