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Schade, es hätte so gut gepasst. Gerade, als in Österreich die rechtsgerichtete
FPÖ erstmals an der Bundesregierung beteiligt wird, erscheint ein Roman,
der sich mit Rechten in Österreich auseinandersetzt. Parallelen
zur Situation in Österreich lassen sich anhand der Story leider nur sehr
schwer konstruieren.
Der Historiker und Journalist Werner Thuswaldner erzählt in
"Pittersberg" die möglicherweise autobiographisch motivierte Geschichte
eines Historikers, der nach vielen Jahren endlich die rechtsradikalen
Wurzeln in der eigenen Familie entdeckt.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die von jungen und alten österreichischen
Rechten mythisch verklärte Burgruine Pittersberg in Kärnten (Jörg Haiders
Heimat). Sie wird von einer "Bewegung" als Symbol zur Abwehr der Türken
missbraucht: im 15. bzw. 17. Jahrhundert und heute.
An der Spitze der Bewegung steht ein namentlich nicht genannter "Anführer",
der leider wie vieles in der Story nebulös bleibt. Dabei hätte man sich
gerade jetzt und angesichts der Wahlerfolge der FPÖ in Österreich mehr
Klarheit gewünscht. Möglich, dass Jörg Haider als Vorlage für den Anführer
diente. Möglich, dass die Bewegung für die FPÖ steht. Möglich, dass die
rechtslastige Familienchronik des Erzählers kein Einzelfall in Österreich
ist. Vieles in "Pittersberg" ist und bleibt möglich.
Einiges jedoch erscheint aber unmöglich bis unglaublich, so
das Alter der Handelnden. Des Erzählers Bruder Sebastian (eine zentrale
Figur) zum Beispiel war bereits im 2. Weltkrieg in der Ingenieurschule
der Waffen-SS, und knapp 60 Jahre später soll er immer noch als Ingenieur
arbeiten? Ebenso der Vater des Erzählers, dessen Geburt in das Jahr 1875
gelegt wird - in welch hohem Alter muss er den Erzähler gezeugt haben,
der zum einen das Ende des 2. Weltkriegs als kleines Kind erlebte, zum
anderen am Ende der Neunzigerjahre seltsam alterslos wirkt? Das wird vor
allem in den Beziehungen des Erzählers zu den Frauen Stefanie und Alexandra
deutlich.
Auch hier bleibt alles unklar, selbst das Alter der Frauen. Vom Benehmen
und sozialen Status her könnte die Fernsehjournalistin Alexandra um die
30 sein. Da sie eine Bekannte des Erzählers aus Kindertagen ist, müsste
sie eigentlich um die 60 sein.
Diese Ungereimtheiten erschweren den Lesegenuss ebenso sehr wie der Nebel,
der den Anführer und die Bewegung umhüllt. Möglicherweise war es die Intention
des Autors, die Leser/innen hautnah am Aufklärungsprozess seines Helden
teilhaben zu lassen. Falls ja, so hat Thuswaldner jedoch weit übers Ziel
hinaus geschossen - zumal sich am Ende längst nicht alle Nebel lichten.
ad
Werner Thuswaldner: "Pittersberg". Knaus, München 2000; 192 S., DM
34.
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