| Sprachrülpser | |
| Editorial zur "neuen" Koalition in NRW | |
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| Nachdem Wolfgang Clement erneut zum NRW-Ministerpräsidenten
gewählt worden ist und vermutlich Gabriele Behler weiterhin die Hochschulpolitik
dirigieren wird, kann man sich einen Blick in das Kapitel 6 des Koalitionsvertrags
(http://www.gruene-nrw.de) gönnen:
"Unsere Hochschulen fit machen für das 21. Jahrhundert: Autonomie stärken,
Profile schärfen, Exzellenz fördern, Praxisbezug erhöhen und Qualität der
Lehre verbessern". Wie bei einer Stadtbesichtigung mit dem Baedeker kann
man auch hier die Sehenswürdigkeiten abhaken. Die vertrauten Sprechblasen
der Hochschulpolitik vergangener Jahre sind noch alle da: Autonomie, Qualitätspakt
und Expertenrat, Exzellenz, Profilierung, Leistungsfähigkeit, Rahmensteuerung,
Dienstrechtsreform, Qualität der Lehre, Gebührenfreiheit ... Auch neue Schlagworte
haben sich die Koalitionäre einfallen lassen, diesmal für Forscher: Da ist
die Rede von "Forschungsdesigns", in das der produktionsintegrierte Umweltschutz
stärker verankert werden soll, vom "effektiven Forschungs-Controlling" und
vom "internationalen Forschungs-Bench-Marking im Bereich der Spitzenforschung". Doch Spaß beiseite: Für uns im Ruhrgebiet enthält der Koalitionsvertrag wohl eine dicke Kröte. Während das Dreieck Köln-Bonn-Aachen als "Wissenschaftsregion von höchstem internationalen Niveau" weiter ausgebaut wird, und in der Hochschulregion Münster, Bielefeld, Paderborn die Nanotechnologie, die Life-Science- und die IUK-Technologien weiter profiliert werden, soll im Rhein-Ruhr-Raum "durch Konzentration und Profilierung der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kraft des Ruhrgebietes eine 'Technologie-Allianz-Rhein-Ruhr' zwischen den Hochschulen und den Unternehmen der Region als neues Leitprojekt der ‚Projekt Ruhr GmbH' entstehen". Ist das nur ein aufgeblasener Sprachrülpser? Oder will nun Clement, nachdem er zuletzt mit einer "Agentur Ruhr" die Verwaltungsreform im Ruhrgebiet vermasselt hat, sich nun an den Hochschulen versuchen? Soll sich die RUB zukünftig provinziell aufs Ruhrgebiet beschränken und trotz 11 SFBs vom "höchsten internationalen Niveau" verschont bleiben? Nachtigall, ick hör dir trapsen ... Übrigens, wenn schon von Sprachrülpsern die Rede ist, den schönsten fand ich nah der Autonomie: "Die Instrumente der Rahmensteuerung werden wir durch ... die Entwicklung von Unterbringungsbudgets im Rahmen der Liegenschaftsverwaltung weiterentwickeln". Wird es demnächst, wenn die Entwicklung der Liegenschaftsverwaltung in NRW zu einem zentralen Profitcenter weiterentwickelt ist, von der Höhe der uns gnädig gewährten "Unterbringungsbudgets" abhängen, ob wir in einem Vier-Sterne-Hotel oder einem verkommenen Asylheim untergebracht sein werden? Oder verstehe ich das falsch, und wir dürfen demnächst nur selbst wählen, ob wir ein paar Steckdosen oder ein paar Professoren mehr einsparen? jk (verantwortet auch alle Hervorhebungen in Zitaten) |
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| 01.07.2000 |