King Kongs Töchter
   
  Studiobühne: Theater im MZ
 
 

Die Studiobühne des MZ produziert weiter fleißig Stücke, Ende Juni steht die Premiere von King Kongs Töchter an - eines äußerst grotesken Werkes: "Der Tod ist ein Termin. Wir sind die Chefdisponentinnen", sagen die Altenpflegerinnen Berta, Carla und Meggie. Für die kleine vergessene Gesellschaft in der Endstation eines Duisburger Seniorenheims hat das Konsequenzen. Der Todestag wird für die Bewohner von den "Seniorendompteusen" bestimmt. Er soll glanzvoll sein. Die Stars von damals aus Hollywood sind die Sterbebegleiter. Wer sterben soll, wird aufgedonnert zu einem Filmstar. Clark Gable, Judy Garland, die Leinwandstars von einst, waren alle schon mal dran.
Diesmal ist es Frau Tormann, die als Mea West vor ihrem 80. Geburtstag an den Himmelspforten anklopfen wird. Nur so ertragen die drei Todesengel den Alltag voller Abstrusitäten zwischen Inkontinenz und Euphemismus, Flatulenz und Flughafensehnsucht.
Die Senioren ahnen nichts von ihrem Schicksal, leben ungetrübt ihr tägliches Einerlei. Die hochbetagte Runde ißt gerne und redet viel. In schöner Regelmäßigkeit stoßen sie die gleichen Sprüche aus, aber jeder bleibt für sich ein Individuum. Den Lebensabend teilen sich die lebenslustige Frau Greti, die noch von ihren menschlichsten Bedürfnissen vorwärts gepeitscht wird, Herr Pott, der sich beharrlich in seiner morgendlichen Lyrik übt, Frau Nübel, die von ihrem Orchester im Kopf erzählt, die unzertrennlichen Schwestern Hanni und Nanni Albert, wovon die eine rüstig, die andere senil ist.
Aufgemuntert wird die abgeschobene Gesellschaft durch den knackig frischen Weltenbummler Rolfi, den Frau Greti im Park aufgegabelt hat und der schließlich auch in die Fänge der Pflegerinnen gelangt.
Theresia Walser wurde mit "King Kongs Töchter" von "Theater heute" zur besten Autorin des Jahres 1999 gekürt. Das Stück bildet keine Wirklichkeit ab, aber es wäre ohne die konkrete Wirklichkeit nichts. Gerade das Surreale reizte die Studierenden, das Stück auszuprobieren und aufzuführen. Aber auch das Darstellen von Senioren ist für Junge spannend. "Wie spielen wir Mitte 20jährigen, Menschen die 50 bis 60 Jahre älter sind? Wie gehen wir mit deren alltäglichen Situationen um? Mache ich mich darüber lustig oder macht es mich betroffen?" Karin Freymeyer
King Kongs Töchter, 30. Juni (Premiere) sowie 1. und 2. Juli, je 20 h, Theatersaal des MZ, Eintritt frei

   
   
   
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01.06.2000