| Weiter so! | |
| Editorial | |
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| Wohl mehr aus Pflicht denn aus eigentlichem Vergnügen verfolge
ich seit gut zehn Jahren regelmäßig die Sitzungen des Senats, dem für die
grundsätzlichen Fragen in Lehre und Forschung zuständigen Gremium der RUB.
Ich kann mich kaum erinnern, in dieser Dekade darin eine besonders spannende
Diskussion erlebt zu haben. Sicher, es gab zu punktuellen Fragen kurzfristig
aufblitzenden Schlagabtausch und, selten genug, ineinander sich verzahnende
Argumentationsketten. Die meiste Zeit herrschten in diesem Gremium lange
Monologe, Weghören und ein allzu häufig von Gruppeninteressen bedingtes
Klein-Klein. Welch ein Kontrast dagegen die beiden letzten Sondersitzungen: Klar vorgegebene Grundsatzthemen für die Weiterentwicklung der Universität, von allen Seiten eine zumeist mit hoher Argumentationskultur geführte Diskussion sowie eine wohl tuende, bemerkenswert zurückhaltende Moderation. Da wurde ernsthaft gerungen über die "Idee einer Volluniversität", einem vermeintlichen Anachronismus in Zeiten der Profilbildung; kontrovers hin und her wurden die Chancen und Gefahren auf dem "Markt der Weiterbildung" zwischen Kommerzialisierung und öffentlichem Auftrag beleuchtet, und - nach einem Intervall von zwei Monaten - mit den "Perspektiven der Internationalisierung" verzahnt; besonders erfrischend war auch die Diskussion über "Gestufte Studiengänge und BA/MA-Abschlüsse", wo man sich als Vorreiter wähnte und dennoch das i-Tüpfelchen von einem Experten aus den Niederlanden aufgesetzt bekam. Sicher war nicht alles Gold, was glänzte. Es gab gelegentlich auch unangebrachte Polemik, seltener demonstrativ zur Schau gestellte Sturheit, und - auch das soll nicht verschwiegen werden - von "political correctness" gebremste Argumentation. Und dennoch bewies der Senat der RUB: Es geht also auch anders! Allgemeines Lob für Rektorat und Senat war in den Pausen zu vernehmen, und dieses kam von allen Seiten, sowohl von den Studierenden als auch den Professoren, den Mittelbauern und ebenso von den Mitarbeiter/innen in Technik und Verwaltung. "Wirtschaftlichkeit; eine Idee ihrer selbst" hat kürzlich Manfred Erhard, Generalsekretär des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft, auf die Frage geantwortet, was den deutschen Universitäten derzeit am meisten fehle. Wenn es der RUB es gelingen könnte, dass mehr Mitglieder an solchen Diskussionen teilhaben und sich für ihre Alma Mater verwenden, könnte die aufkeimende Hoffnung schließlich einen Reformwillen aufblühen lassen und das von Erhard beklagte Manko ein bisschen abbauen helfen. Das ist notwendiger denn je in einer Zeit, in der neue Hochschulgesetze und Qualitätspakt die Hochschulen so durchgreifend verändern. jk |
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| 01.06.2000 |