Leserbriefe
   
   
 
 

"Markstraße heißt ab sofort Eurostraße", RUBENS 51
Als Aprilscherz ist ja der Einfall ganz reizend. Mit der zumindest als Grundkonsens insinuierten Europäsierung jedoch kann es nicht weit her sein: Die arme Bilder- und Lehrbuchfranzösin muss sich ihren Vornamen arg verstümmeln lassen, so ohne "cedille". Wie wäre es, wenn Sie die Druckerei wechselten? Oder war das eine Eselsleiter, also Element des dadurch schlechten Scherzes? Außerdem frage ich mich, ob der ebenfalls stereotyp zitierte Türke angesichts der gegenwärtigen politischen Großwetterlage nicht geradezu einen (europäischen) Straftatbestand erfüllt; geschmacklos ist er als Erfindung alleweil. Ich weiß nicht, welche Empörung sich Luft verschaffte, wenn außerhalb Deutschlands nur noch von Bundeskanzler "Schroder" die Rede wäre. Wahrhaftig europäisch wäre, die Eigenheiten der diversen auf eben diesem ökonomisch potenten Wurmfortsatz von Kontinent gebräuchlichen Schriftsysteme zu respektieren, die spanischen und portugiesischen Nasalisierungen und die dänische Wahrung, die polnischen Liquida, zu schweigen von den baltischen, aber immer noch lateinischen Alphabeten. Allerdings muss ich dafür um Entschuldigung bitten, dass mir aus technischen Gründen* Umlaute und "sz" verwehrt sind - wobei zu meinen Gunsten spricht, dass ich die Respektlosigkeit nicht in einer Auflage von 13.200 verbreite. Raoul David Findeisen
* Der Leserbrief erreichte die Redaktion als E-Mail.

Modern und groß
"Das ist unsere Uni", sagte mein Landsmann und Kommilitone am Tag meiner Ankunft in Deutschland. Der Kommilitone studiert schon länger in Bochum und begleitete mich am ersten Tag. "Von hier aus sieht man nicht alles. Hinter diesen Gebäuden haben wir noch einmal so viele." Ich nickte und ging weiter. Keine besonderen Eindrücke, keine Überraschung. Alles ganz neutral. "Die Uni finde ich hässlich", habe ich später von vielen gehört. "So groß, so scheußlich, ein riesiger Betonklotz." Das sagen viele, auffallend viele. Dabei bin ich etwas überrascht von den Bemerkungen. Mir scheint es gar nicht der Fall zu sein. Ganz im Gegenteil. Ich empfinde sogar Sympathie gegenüber der Uni. Woran liegt das? Warum gefällt mir das, was die anderen schrecklich finden? Vielleicht liegt es daran, dass ich aus einem winzigen Land, Georgien, komme und deswegen alles Große großartig finde. Kann sein. Eins ist sicher, an der Ruhr-Uni habe ich mehr Lust zum Studium und bin fleißiger, als ich in einem Schloss in Münster gewesen wäre. Ich passe einfach zum Segment, für das die Uni gebaut ist. Die RUB gefällt mir, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie gefällt mir, weil ich mir die deutsche Universität genau so und nicht anders vorgestellt habe. Deswegen war ich sogar beim ersten Anblick der Uni nicht überrascht. Bestimmt frustriert wäre ich gewesen, hätte ich hier ein kleines Hüttchen vorgefunden. Das Markenzeichen der Ruhr-Uni würde ich in drei Stichworten so formulieren: modern, groß, Campus. Modernität und Größe präsentieren die Möglichkeiten der modernen Wissenschaft. Und auf dem Campus kann man Leute von verschiedenen Fachrichtungen treffen und kennen lernen. Es gibt keinen Grund hier, worüber ich mich zu beschweren oder zu meckern hätte. Ich fühle mich ganz wohl in der Uni. Wenn ich jemanden über die Scheußlichkeit der Bochumer Uni reden höre, lächle ich einfach zufrieden. Es macht doppelten Spaß, sich in der Umgebung wohl zu fühlen, die andere hässlich finden. Georgi Bregadse (zurzeit Gaststudent an der RUB)

Ente "Neues Hochschulgesetz", RUBENS 51
Leider finde ich den Aprilscherz in Ihrer letzten RUBENS ("Neues Hochschulgesetz") nicht so gut gelungen. Ich glaube nicht, dass irgend jemand darauf hereinfallen wird. "Das Gesetz garantiert Freiheit von Studiengebühren", "Die Amtszeit des Rektors kann auch auf mehr als vier Jahre festgelegt werden", "die Möglichkeit der Abwahl des amtierenden Rektors", "Konvent abgeschafft" - diese und andere doch allzu unglaubliche Erfindungen werden jedem, der sich auch nur ein wenig in der Hochschulpolitik auskennt, sofort als durchsichtige Fälschungen ins Auge springen. In der Hoffnung, dass Ihnen beim nächsten Mal Beiträge gelingen, die nicht sofort als Aprilscherze zu durchschauen sind, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen. Marlon Jopp, Zentrum für Lehrerbildung

   
   
   
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01.05.2000